Out­door-Bran­che braucht Ver­jün­gungs­kur

Sie kämpft mit Ver­drän­gungs­wett­be­werb und schwa­chem Wachs­tum – und be­nö­tigt mehr jun­ge Kun­den

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Chris­ti­ne Schult­ze

Id­stein/Mün­chen. Wet­ter­fest und längst sa­lon­fä­hig: Out­door-Klei­dung und -Zu­be­hör ha­ben sich von Ni­schen­pro­duk­ten für Wan­de­rer, Berg­sport­ler und Ex­trem­cam­per zur All­tags­wa­re ent­wi­ckelt. Doch trotz der brei­te­ren Kund­schaft wächst die Bran­che nicht mehr in den Him­mel. Nach an­fangs zwei­stel­li­gen Wachs­tums­ra­ten geht es seit ei­ni­gen Jah­ren deut­lich lang­sa­mer vor­an – bei wach­sen­dem Wett­be­werbs­druck.

Um jähr­lich et­wa zwei bis drei Pro­zent wächst die Bran­che in Deutsch­land, wie die Ge­schäfts­füh­re­rin des Bun­des­ver­ban­des der Deut­schen Sport­ar­ti­kel-In­dus­trie, Ni­co­le Espey, schätzt. Zu­letzt la­gen die Um­sät­ze hier­zu­lan­de bei rund 2,5 Mil­li­ar­den Eu­ro. Schar­fe Ab­gren­zun­gen sind al­ler­dings schwie­rig, weil zu­min­dest ein we­nig „out­door“in sehr vie­len Pro­duk­ten steckt.

Vie­le der eta­blier­ten Mar­ken sind bis­her in Fa­mi­li­en­hand wie et­wa der Wan­der­schu­hund Berg­stie­fel­her­stel­ler Meindl oder der Berg­sport­aus­rüs­ter Vau­de. An­ders ist das mit dem eu­ro­päi­schen Markt­füh­rer Jack Wolfs­kin: Das im hes­si­schen Id­stein an­säs­si­ge Un­ter­neh­men ist in In­ves­to­ren­hand. Ei­ne teu­re Chi­na-Ex­pan­si­on hat­te sich we­ni­ger aus­ge­zahlt als ge­plant. Trotz­dem, das Un­ter­neh­men sei ge­sund und wach­se auch or­dent­lich, heißt es. 351 Mil­lio­nen Eu­ro Um­satz und „ope­ra­tiv schwar­ze Zah­len“ver­buch­te der An­bie­ter im ver­gan­ge­nen Ge­schäfts­jahr (30. Sep­tem­ber), nach 314 Mil­lio­nen Eu­ro im Vor­jahr.

Grund­sätz­lich muss den An­bie­tern der­weil um die Nach­fra­ge nicht ban­ge sein, ist BSI-Ge­schäfts­füh­re­rin Espey über­zeugt. Sport und Be­we­gung in der Na­tur hät­ten Hoch­kon­junk­tur. Aus­ru­hen kön­nen sich die An­bie­ter den­noch nicht: Ihr Weg „vom Berg in die Fuß­gän­ger­zo­nen der Städ­te“ha­be auch neue Spiel­re­geln mit sich ge­bracht, sagt Espey: Sie müs­sen es mit mehr und an­de­ren Kon­kur­ren­ten aus den un­ter­schied­lichs­ten Preis­seg­men­ten auf­neh­men – ob die nun Al­di, Tchi­bo oder Bo­gner hei­ßen. Ge­ra­de bei jun­gen Leu­ten tun sich die Out­door-Aus­rüs­ter der­zeit schwer. Um sie für die Pro­duk­te zu be­geis­tern, gel­te es nicht nur, die rich­ti­gen Trends auf­zu­spü­ren, son­dern auch für die pas­sen­de Markt­po­si­tio­nie­rung zu sor­gen, Kol­lek­tio­nen gut zu steu­ern und die Di­gi­ta­li­sie­rung an­zu­ge­hen.

SPORT UND BE­WE­GUNG in der Na­tur blei­ben im Trend. Trotz­dem ist das Kli­ma für die Out­door-Aus­rüs­ter rau­er ge­wor­den. Fo­to: dpa

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