Bör­se dro­hen trü­be Ta­ge

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT -

„Vie­le Men­schen in Deutsch­land über­schät­zen das Ri­si­ko der Ak­ti­en­märk­te und un­ter­schät­zen die Chan­cen“, sagt Ve­ro­ni­ka Csi­zi. Die Fi­nanz­jour­na­lis­tin lässt für die Le­se­rin­nen und Le­ser je­de Wo­che das Bör­sen­ge­sche­hen Re­vue pas­sie­ren und er­klärt da­bei die Zu­sam­men­hän­ge.

Und wie­der ei­ne Re­kord­wo­che: So­wohl der Dax, der MDax, als auch der Dow Jo­nes und der Tech­no­lo­gie­in­dex Nas­daq 100 scho­ben sich ver­gan­ge­ne Wo­che er­neut in bis­her un­er­reich­te Hö­hen. 12 878 Punk­te wa­ren es beim Dax, ein Wo­chen­plus von 1,75 Pro­zent.

Man reibt sich ver­wun­dert die Au­gen: neue Re­kor­de nach dem Aus­stieg der USA aus dem Kli­ma­ab­kom­men? Aber aus­ge­rech­net die Öl­rie­sen Exxon und Chev­ron mit ei­nem deut­li­chen Wo­chen­mi­nus? Das Elek­tro­au­to-Un­ter­neh­men Tes­la da­für mit 3,6 Pro­zent Ge­winn? Die stets klar ur­tei­len­de Bör­se weiß of­fen­bar: Der Aus­stieg wird über­be­wer­tet. Die USA sind längst auf dem Weg, ih­re Wirt­schaft um­zu­bau­en. – weil es sich rech­net. Kein Land baut mehr So­lar­kraft zu als die USA; er­neu­er­ba­re Ener­gi­en sind im Zu­bau in­zwi­schen güns­ti­ger als kon­ven­tio­nel­le, Staa­ten wie Ka­li­for­ni­en ver­schär­fen per­ma­nent ih­re Grenz­wer­te für CO2-Emis­sio­nen. Bei der in­stal­lier­ten Wind­leis­tung sind die USA füh­rend, zahl­rei­che wei­te­re Parks sind in Bau oder ge­plant. Dar­an wird auch Trumps Aus­stieg nichts än­dern, im Ge­gen­teil: Ein Wirt­schafts­zweig, der oh­ne staat­li­che Hil­fen aus­kommt – das zeigt auch die stark ge­för­der­te Bran­che in Deutsch­land mit Bank­rot­ten von So­lon über Co­n­er­gy bis zu So­lar­world – wird sich er­folg­rei­cher im Welt­markt be­haup­ten.

Ob die neu­en Re­kor­de in der ver­kürz­ten Han­dels­wo­che nach Pfings­ten ge­hal­ten oder gar über­trof­fen wer­den kön­nen, bleibt un­klar. Wäh­rend Pes­si­mis­ten in ih­nen ein Fehl­si­gnal er­ken­nen, ver­wei­sen Op­ti­mis­ten auf die größ­ten­teils nicht über­trie­be­nen Be­wer­tun­gen und das Feh­len von An­la­ge­al­ter­na­ti­ven. Be­ru­hi­gend bleibt: So­lan­ge Bä­ren und Bul­len um die Deu­tungs­ho­heit rin­gen, Skep­sis vor­han­den ist und ech­te Eu­pho­rie noch fehlt, so­lan­ge gleich­zei­tig die Kon­junk­tur brummt und die Zin­sen mit­tel­fris­tig eher nied­rig blei­ben, ist Grun­d­op­ti­mis­mus nicht fehl am Plat­ze. Al­ler­dings: Kor­rek­tur­pha­sen kön­nen, wie ein Som­mer­ge­wit­ter, im­mer wie­der da­zwi­schen­fun­ken. Im Dax liegt die sieb­te Ge­winn­wo­che hin­ter uns, da wer­den ein paar trü­be Ta­ge wahr­schein­li­cher. Dass Markt­teil­neh­mer sehn­süch­tig auf bil­li­ge­re Kauf­kur­se war­ten, be­grenzt das Ab­wärts­ri­si­ko.

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