Das ei­gent­li­che Dra­ma fin­det im Orches­ter statt

Richard Wa­g­ners „Rhein­gold“in ei­ner vor­züg­li­chen kon­zer­tan­ten Auf­füh­rung un­ter Marek Ja­now­ski

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

In ei­ner Zeit, in der oft Re­gie­thea­ter­aus­wüch­se und sze­ni­sches Ber­ser­ker­tum die Opern­büh­ne be­herr­schen, ha­ben sich kon­zer­tan­te Vor­stel­lun­gen zu ernst zu neh­men­den Al­ter­na­ti­ven ent­wi­ckelt. Auch das Ba­di­sche Staats­thea­ter greift in der kom­men­den Spiel­zeit auf die­ses For­mat zu­rück. Mit dem „Rhein­gold“, Richard Wa­g­ners Vor­abend zum „Ring des Ni­be­lun­gen“, prä­sen­tier­te das Fest­spiel­haus Ba­den-Ba­den nun ei­ne Auf­füh­rung, bei der kaum je­mand die Sze­ne ver­misst ha­ben dürf­te.

Denn Marek Ja­now­ski, der be­reits in den 80erJah­ren mit der Staats­ka­pel­le Dres­den ei­ne der we­ni­gen Re­fe­renz­auf­nah­men der Te­tra­lo­gie vor­leg­te, ließ sei­ne gan­ze Er­fah­rung mit dem Werk in die Auf­füh­rung ein­flie­ßen und zeig­te, dass bei Wa­gner das ei­gent­li­che Dra­ma vor al­lem im Orches­ter statt­fin­det. Die brei­te dy­na­mi­sche Pa­let­te und das Auf­spü­ren der feins­ten in­stru­men­ta­len Zwi­schen­tö­ne lie­ßen ei­nem das Ge­sche­hen hautnah mit­er­le­ben. Da­bei zeig­te sich das NDR Elb­phil­har­mo­nie Orches­ter als en­ga­giert mit­ge­hen­des, höchst ver­sier­tes En­sem­ble, nur ei­ni­ge we­ni­ge un­sau­be­re Tö­ne ir­ri­tier­ten.

Und auch die So­lis­ten lie­ßen mit ex­zel­len­ter Text­ge­stal­tung und ei­ner ge­lun­ge­nen Nut­zung des schma­len Raums vor dem Orches­ter die feh­len­de Sze­ne ver­ges­sen. Be­son­ders Jo­han­nes Mar­tin Kränz­le schuf al­lein durch Ges­tik und Mi­mik ein solch stim­mi­ges Cha­rak­ter­por­trät Al­be­richs, dass man hin­ge­ris­sen zu­hör­te. Und Micha­el Vol­le ließ nicht nur ei­nen pro­fun­den Hel­den­ba­ri­ton hö­ren, son­dern ge­stal­te­te auch ei­nen fes­seln­den Wo­tan. Lei­der er­wie­sen sich nicht al­le Prot­ago­nis­ten als der­art über­zeu­gen­de Men­schen­ge­stal­ter. Da­ni­el Beh­le, der sich als Mo­zart­sän­ger ei­nen gu­ten Na­men er­ar­bei­tet hat, blieb dem Lo­ge im Aus­druck vie­les schul­dig. Mit schö­ner Stim­me, aber oh­ne Be­tei­li­gung vom Blatt ge­sun­gen, fehl­ten ihm so­wohl die zy­ni­schen Un­ter­tö­ne, wie auch die iro­ni­schen Spit­zen für die am­bi­va­len­te Fi­gur.

An­sons­ten war ein her­vor­ra­gen­des En­sem­ble hö­ren, al­len vor­an Lothar Odi­ni­us als vor­züg­li­cher Froh. Mar­kus Ei­che (Don­ner), Ka­ta­ri­na Kar­néus (Fri­cka), Ga­b­rie­la Scherer (Freia) und be­son­ders Na­di­ne Weiss­mann (Er­da) kom­plet­tier­ten mit gu­ten, wenn auch nicht son­der­lich in­di­vi­du­el­len Stim­men die Pha­lanx der Göt­ter. Chris­toph Fisch­es­ser (Fa­solt) und Lars Woldt (Faf­ner) wa­ren dank der her­vor­ra­gen­den Akus­tik trotz Plat­zie­rung hin­ter dem Orches­ter zwei ein­drucks­vol­le Rie­sen. El­mar Gil­berts­son da­ge­gen ließ als Mi­me manch un­schö­nen Ton hö­ren und fiel auch durch man­gel­haf­te Aus­spra­che ne­ga­tiv auf. Denn ge­ra­de die ex­zel­len­te Text­ver­ständ­lich­keit des En­sem­bles ver­dient ein Son­der­lob. Be­geis­te­rungs­stür­me für ei­ne pa­cken­de Vor­stel­lung und ein Plä­doy­er für kon­zer­tan­te Auf­füh­run­gen. Man­fred Kraft

GROS­SES UND GROSSARTIGES EN­SEM­BLE: Das NDR Elb­phil­har­mo­nie Orches­ter un­ter der Lei­tung von Marek Ja­now­ski und ein an­spruchs­vol­les Sän­ger-En­sem­ble prä­sen­tier­ten im Fest­spiel­haus Ba­den-Ba­den „Das Rhein­gold“von Richard Wa­gner. Fo­to: Ma­no­lo Press, Micha­el Bo­de

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