Die Feu­er­werks­mu­sik als krö­nen­der Ab­schluss

Her­vé Ni­quet und Le Con­cert Spi­ri­tu­el stimm­ten mit fran­zö­si­scher Mu­sik auf Ge­org Fried­rich Hän­del ein

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Mit weit aus­ge­brei­te­ten Ar­men stand Her­vé Ni­quet vor Le Con­cert Spi­ri­tu­el, als wol­le er sie al­le auf ein­mal um­ar­men, was bei ei­ner Be­set­zung mit fünf­zehn Obo­en, acht Fa­got­ten, neun Trom­pe­ten und neun Hör­nern nebst nor­mal di­men­sio­nier­tem Strei­che­r­ap­pa­rat schlech­ter­dings un­mög­lich wä­re. Ni­quets weit aus­la­den­de Di­ri­gier­be­we­gun­gen, auch zum Pu­bli­kum ge­wand­ten hy­per­ak­ti­ven Domp­teurs­ges­ten, Fuch­teln, Stamp­fen und Tänz­chen wirk­ten ein Stück weit ma­nie­riert, har­mo­nier­ten aber mit dem opu­len­ten Klang. Le Con­cert Spi­ri­tu­el, mit dem sich der Di­ri­gent vor al­lem der fran­zö­si­schen Mu­sik des 18. Jahr­hun­derts wid­met, be­steht seit 30 Jah­ren. Ein­spie­lun­gen von Wer­ken Lul­lys, Ra­me­aus oder Cam­pras wur­den mit Prei­sen aus­ge­zeich­net. Im Fest­spiel­haus gab es Aus­zü­ge aus Marc-An­toi­ne Char­pen­tiers Mär­schen für Trom­pe­ten und das Pré­lude aus dem Te De­um, das vie­len als Eu­ro­vi­si­ons­hym­ne ver­traut sein dürf­te – je­doch nicht in so ei­nem za­cki­gen Tem­po.

Es folg­ten die Hö­he­punk­te von Ge­org Fried­rich Hän­dels Po­pu­lar­stil. Die drei Sui­ten der Was­ser­mu­sik ent­stan­den als mu­si­ka­li­sche Un­ter­ma­lung von Lust­fahr­ten des Kö­nigs­ho­fes auf der Them­se; die Feu­er­werks­mu­sik il­lus­trier­te das im Gre­en Park 1749 zu Eh­ren des Aa­che­ner Frie­dens ab­ge­brann­te Feu­er­werk. Cem­ba­li dürf­ten auf ei­ner fluss­ab­wärts glei­ten­den Bar­ke kaum zu hö­ren ge­we­sen sein, beim Feu­er­werk eben­so we­nig und wur­den da­her aus­ge­spart.

Nur die zur Er­gän­zung des Pro­gram­mes auf­ge­führ­ten Con­cer­ti gros­si op. 3 sind nicht als Frei­luft­mu­sik kon­zi­piert. Ne­ben der Prä­zi­si­on, der ex­zel­len­ten Phra­sie­rung und fei­nen dy­na­mi­schen Ab­stu­fun­gen be­ein­druck­ten bei der Was­ser­mu­sik be­son­ders die Echo-Ge­sprä­che der Na­tur­hör­ner und Na­tur­trom­pe­ten, die Dia­lo­ge des gan­zen Ble­ches und des üb­ri­gen Orches­ters und die tän­ze­ri­sche Leich­tig­keit, die vor al­lem die Holz­blä­ser ver­ström­ten. Die­se üp­pi­ge Be­set­zung der Holz­blä­ser ist bei den blech­frei­en Con­cer­ti gros­si op. 3 un­üb­lich, wo­bei die Ba­lan­ce mit den Strei­chern stets ge­ge­ben war, so dass et­wa das leb­haft fu­gier­te Al­le­gro aus Nr. 4 sei­ne Wir­kung voll ent­fal­ten konn­te. Krö­nen­der Ab­schluss: die Feu­er­werks­mu­sik, Hän­dels ur­sprüng­li­chem Kon­zept ent­spre­chend nicht aus­schließ­lich mit Blä­sern und Pau­ken, wie 1749, son­dern zu­sätz­lich mit Strei­chern. Das Pu­bli­kum im fast aus­ver­kauf­ten Fest­spiel­haus war so be­geis­tert, dass Le Con­cert Spi­ri­tu­el die ju­beln­de „La Réjouis­sance“noch mal als Nach­schlag lie­fern muss­te. Sil­ke Blu­me

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