Es ha­pert an Schmerz­me­di­zi­nern

Pa­ti­en­ten mit chro­ni­schen Lei­den set­zen ih­re Hoff­nun­gen in Can­na­bis

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Kat­ja Spon­holz

Hom­burg. Rund 23 Mil­lio­nen Deut­sche lei­den un­ter chro­ni­schen Schmer­zen. Bei ih­rer Ver­sor­gung se­hen Ex­per­ten star­ke De­fi­zi­te. „Lei­der müs­sen Schmerz­pa­ti­en­ten durch­schnitt­lich ei­ne Odys­see von mehr als sechs Jah­ren hin­ter sich brin­gen, bis sie end­lich ei­nem Schmerz­the­ra­peu­ten vor­ge­stellt wer­den“, sag­te der Chef­arzt am Zen­trum für Pal­lia­tiv­me­di­zin und Kin­der­schmerz­the­ra­pie am Uni­k­li­ni­kum des Saar­lan­des in Hom­burg, Sven Gott­schling (45) an­läss­lich des heu­ti­gen Ak­ti­ons­ta­ges ge­gen den Schmerz. Ei­ner der Grün­de sei, dass es viel zu we­ni­ge Schmerz­the­ra­peu­ten ge­be. Das lie­ge wie­der­um dar­an, dass die­se pro Quar­tal nur 300 Pa­ti­en­ten be­han­deln dürf­ten. „Wenn man sich ent­schei­det, nie­der­ge­las­se­ner Schmerz­arzt zu wer­den, be­deu­tet das schon fast ei­nen wirt­schaft­li­chen To­tal­scha­den“, be­ton­te Gott­schling. Des­halb ge­be es nur et­wa 1 000 Ärz­te in Deutsch­land, die als nie­der­ge­las­se­ne Schmerz­the­ra­peu­ten tä­tig sei­en.

Gott­schling be­grüßt den pro­fes­sio­nel­len Ein­satz von Mor­phin-Prä­pa­ra­ten und auch – mit Ein­schrän­kun­gen – von Can­na­bis. De­fi­zi­te bei der Schmerz­be­kämp­fung sieht Gott­schling auch bei der Aus­bil­dung der Me­di­zi­ner und bei nicht aus­rei­chend qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal in Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen.

Mitt­ler­wei­le kön­nen Men­schen bei schwer­wie­gen­den Er­kran­kun­gen, bei chro­ni­schen Schmer­zen und als Pal­lia­tiv-Be­hand­lung im Ein­zel­fall Can­na­bis auf Re­zept be­kom­men. Im März hat­te ein Ge­setz von Ge­sund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he (CDU) den Weg da­für frei­ge­macht. Die neue Can­na­bi­sagen­tur des Bun­des will ab 2019 Ma­ri­hua­na in Deutsch­land an­bau­en, die Men­gen sol­len jähr­lich stei­gen. 2021 und 2022 sol­len dem­nach im staat­li­chen Auf­trag je 2 000 Ki­lo­gramm Can­na­bis in Deutsch­land ge­ern­tet wer­den.

Wie wirk­sam Can­na­bis je­weils sein kann, ist viel­fach nicht klar. Die Stu­di­en­la­ge zu den An­wen­dungs­ge­bie­ten ist un­ein­heit­lich und oft dünn. Un­ter­su­chun­gen be­ru­hen häu­fig auf klei­nen Grup­pen von Pa­ti­en­ten. Bei chro­ni­schen Schmer­zen, et­wa bei Rü­cken­schmer­zen oder Rheu­ma, dür­fen Ärz­te nun tes­ten, ob es den Men­schen mit Can­na­bis bes­ser geht. Als ge­si­chert gilt, dass Can­na­bis­blü­ten bei Spas­ti­ken hel­fen. Al­ler­dings gibt es auch Ne­ben­wir­kun­gen.

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