Kö­nig­lich spek­ta­ku­lär

Ro­nal­do und Kroos schla­gen mit Re­al Ma­drid neu­es Ka­pi­tel in der Cham­pi­ons-Le­ague-His­to­rie auf

Pforzheimer Kurier - - SPORT - C. Ro­nal­do

Car­diff/Ma­drid (sid). To­ni Kroos dräng­te es bei der aus­schwei­fen­den Sie­ge­spar­ty nicht über­mä­ßig in den Vor­der­grund. Das Ram­pen­licht im Esta­dio San­tia­go Bern­abeu vor 80 000 en­thu­si­as­ti­schen An­hän­gern über­ließ Re­al Ma­drids deut­scher Takt­ge­ber dem schil­lern­den Cris­tia­no Ro­nal­do. „Es war ei­ne spek­ta­ku­lä­re Sai­son“, rief der por­tu­gie­si­sche Su­per­star mit neu­er Kurz­haar­fri­sur sei­nen Fans zu – wäh­rend Ka­pi­tän Ser­gio Ra­mos mit kö­nig­li­cher Kro­ne zu Rock­klän­gen den so be­gehr­ten Hen­kel­pott prä­sen­tier­te.

Kroos ge­noss sei­nen drit­ten Tri­umph in der Cham­pi­ons Le­ague ver­gleichs­wei­se still, da­bei hat­te er selbst doch so ei­nen zen­tra­len An­teil dar­an. Auch als zu­vor nach der Rück­kehr aus Car­diff schon Zig­tau­sen­de an der Pla­za de Ci­bi­les dem er­folg­rei­chen Ti­tel­ver­tei­di­ger hul­dig­ten, wa­ren an­de­re die Ze­re­mo­ni­en­meis­ter. Et­wa Trai­ner Zi­né­di­ne Zi­da­ne, den Re­als Prä­si­dent Flo­ren­ti­no Pe­rez in den Him­mel hob: „Er ist der Ein­zi­ge, der die Cham­pi­ons Le­ague zwei­mal hin­ter­ein­an­der ge­won­nen hat. Das macht ihn schon jetzt zum bes­ten Trai­ner der Welt.“

Kroos wirk­te bei der gro­ßen Sau­se et­was matt, ge­schlaucht. So wie am Abend zu­vor der klei­ne Le­on Kroos, als er sich fest an die Hand sei­nes Va­ters klam­mer­te, um nicht im Ste­hen ein­zu­schla­fen. Es war fast Mit­ter­nacht in Car­diff, und der Knirps mit der Rü­cken­num­mer 8 auf dem Tri­kot kämpf­te tap­fer ge­gen die Mü­dig­keit. Da­ne­ben fass­te Pa­pa To­ni den his­to­ri­schen Tri­umph und das Phä­no­men Ro­nal­do in Wor­te. „Wir ha­ben als Mann­schaft ei­ne un­fass­ba­re Sai­son ge­spielt, auch in der Cham­pi­ons Le­ague ge­gen Bay­ern, At­le­ti­co und heu­te“, sag­te Kroos: „Aber wenn du das Ding ge­win­nen willst, brauchst du ei­nen, der die To­re schießt. Und das hat Cris­tia­no un­glaub­lich ge­macht.“Zwei­mal traf Ro­nal­do beim 4:1 (1:1) über Ju­ven­tus Tu­rin. Cas­emi­ro und der ein­ge­wech­sel­te Mar­co Asen­sio er­ziel­ten die üb­ri­gen Re­al-To­re. Ma­rio Mand­zu­kic hat­te zum zwi­schen­zeit­li­chen 1:1 ge­trof­fen.

Re­als zwölf­ter Ti­tel in der Kö­nigs­klas­se, der den „Fluch des Ti­tel­ver­tei­di­gers“be­en­de­te, war vor al­lem Ro­nal­dos Ver­dienst. Der 32-Jäh­ri­ge sprach da­nach von „ei­nem der bes­ten Mo­men­te“sei­ner Kar­rie­re. „Ich darf das zwar je­des Jahr sa­gen, aber es stimmt ein­fach“, sag­te er und schick­te ei­ne Bot­schaft an sei­ne Kri­ti­ker, die er im Mill­en­ni­um Sta­di­um zu Nei­dern de­gra­dier­te: „Sie wer­den kei­ne Wor­te fin­den, denn Zah­len lü­gen nicht.“

Mit sei­nen To­ren (20., 64.) si­cher­te er Re­al als ers­tem Club der Ge­schich­te die Wie­der­ho­lung des Ti­tel­ge­winns aus dem Vor­jahr und krön­te sich zum fünf­ten Mal nach­ein­an­der zum Tor­schüt­zen­kö­nig. 105 Tref­fer hat Ro­nal­do in­zwi­schen im be­deu­tends­ten Ver­eins­wett­be­werb der Welt er­zielt, nie­mand – auch nicht Lio­nel Mes­si – kommt ihm na­he. Für To­ni Kroos steht jetzt be­reits fest, dass sein Team­kol­le­ge Welt­fuß­bal­ler 2017 wird. „Die­ser ei­ne Ti­tel, den er so ger­ne hat, ist de­fi­ni­tiv wie­der ver­ge­ben“, sag­te der Welt­meis­ter. Auch die An­hän­ger in Ma­drid wa­ren tags dar­auf die­ser Mei­nung.

Durchs Bern­abeu schall­te zwi­schen Licht­show und Feu­er­werk im­mer wie­der „Cris­tia­no Bal­lon d’Or“, der Hoch­ge­lob­te stimm­te selbst mit ein. Bis zum Fi­na­le galt auch Juve-Tor­wart Gi­an­lu­i­gi Buf­fon (39) als An­wär­ter auf die Aus­zeich­nung, im­mer­hin hat­te er bis da­hin nur drei To­re in der Kö­nigs­klas­se kas­siert. Die er­neu­te Plei­te, sei­ne drit­te im drit­ten gro­ßen eu­ro­päi­schen End­spiel, nahm Ita­li­ens Iko­ne den­noch ge­fasst auf. „Re­al Ma­drid hat die Klas­se und

„Sie wer­den kei­ne Wor­te fin­den“

Ein­stel­lung ge­zeigt, die man in solch ei­nem Spiel braucht“, sag­te Buf­fon. Wort­los und tief ent­täuscht hat­te Ju­ves Welt­meis­ter Sa­mi Khe­di­ra das Sta­di­on ver­las­sen. Da hal­fen auch Kroos’ trös­ten­de Wor­te nicht. „Ich ha­be ihm zu sei­ner Sai­son mit Juve gra­tu­liert und ihm ge­sagt, er soll den Kopf hoch­neh­men“, be­rich­te­te er. Re­als Re­gis­seur weiß, wie es sich an­fühlt, ein End­spiel in der Kö­nigs­klas­se zu ver­lie­ren. 2012 un­ter­lag er mit den Bay­ern im „Fi­na­le da­ho­am“, im Elf­me­ter­schie­ßen ge­gen Chel­sea kniff er. Längst hat Kroos ge­lernt, in wich­ti­gen Spie­len Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men, mit 27 Jah­ren ist er auf dem Hö­he­punkt sei­ner Kar­rie­re an­ge­kom­men.

Sta­tis­tik

Ju­ven­tus Tu­rin: Buf­fon, Chiel­li­ni, Bo­nuc­ci, Bar­zag­li (66. Cuadra­do), Khe­di­ra, Pja­nic (71. Mar­chi­sio), Al­ves, Alex San­dro, Dy­ba­la (78. Le­mi­na), Hi­guain, Mand­zu­kic.

Re­al Ma­drid: Na­vas, Car­va­jal, Ra­mos, Va­ra­ne, Mar­ce­lo, Cas­emi­ro, T. Kroos (89. Mo­ra­ta), Mod­ric, Is­co (82. Asen­sio), Ben­ze­ma (77. Ba­le), Ro­nal­do.

Schieds­rich­ter: Brych (Mün­chen), Zu­schau­er: 65 842 im Mill­en­ni­um Sta­di­um von Car­diff/Wa­les (aus­ver­kauft), To­re: 0:1 Ro­nal­do (20.), 1:1 Mand­zu­kic (27.), 1:2 Cas­emi­ro (61.), 1:3 Ro­nal­do (64.), 1:4 Asen­sio (90.).

Gel­be Kar­ten: Dy­ba­la, Pja­nic (2), San­dro – Ra­mos (4), Car­va­jal (2), Kroos (3).

Gelb-Ro­te Kar­te: Cuadra­do (Ju­ven­tus Tu­rin, wie­der­hol­tes Foul­spiel/84.).

AUCH ALS TRAI­NER IM HOCH: Re­als Coach Zi­né­di­ne Zi­da­ne hat­te be­reits als Spie­ler in der Kö­nigs­klas­se re­üs­siert.

DER VA­TER mit dem mü­den Soh­ne: To­ni Kroos und Le­on in der Nacht des Tri­umphs.

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