Tau­send Lich­ter leuch­ten als La­by­rinth

Ker­zen­meer stimm­te auf Pfingst­wo­chen­en­de ein

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Susanne Roth

Frei­lich, man kann nicht ein Sin­nes­or­gan ab­schal­ten und das an­de­re auf vol­len Emp­fang dre­hen. Aber man kann ei­nes stär­ker si­mu­lie­ren als das an­de­re. Wenn al­ler­dings die See­le ein Sin­nes­or­gan wä­re, dann hät­te sie wohl am meis­ten pro­fi­tiert von der Ein­stim­mung auf Pfings­ten in der Bar­fü­ßer­kir­che und da­vor, im Blu­men­hof.

Die Ein­stim­mung auf das Pfingst­wo­chen­en­de gibt es schon vie­le Jah­re, weiß Ge­mein­de­re­fe­ren­tin Eli­sa­beth Hauth, die ne­ben Kol­le­gin Bar­ba­ra Ul­mer und Pas­to­ral­re­fe­rent To­bi­as Gfell or­ga­ni­sa­to­ri­sche und kon­zep­tio­nel­le Fä­den knüpft, die zu der öku­me­ni­schen Ci­ty­kir­che und der ka­tho­li­sche Kir­chen­ge­mein­de füh­ren. Und die­se ha­ben wie­der­um vor Jah­ren zum ers­ten Mal „1 000 Lich­ter im Blu­men­hof“zu ei­nem La­by­rinth auf­ge­stellt. Bei Ein­bruch der Dun­kel­heit wird hier dann das Au­ge ge­for­dert, den Weg zur er­hel­len­den Ein­sicht in der Mit­te zu fin­den und zu ge­hen. Mit Hil­fe von Sei­len wur­de zu­vor das Mus­ter ge­legt und dann mit Ker­zen be­stückt, wie die 17-jäh­ri­ge Toch­ter Wiebke von Bar­ba­ra Ul­mer aus Diet­lin­gen ver­rät. Mit et­wa 15 Hel­fern dau­ert das ein­ein­halb St­un­den. Die Hel­fer sind nach der be­sinn­li­chen St­un­de in der Kir­che wie­der ge­fragt, wenn es heißt, die Ker­zen am Bren­nen zu hal­ten be­zie­hungs­wei­se aus­zu­wech­seln.

Fei­er­lich ge­stimmt ge­hen Men­schen je­den Al­ters hin­ein, „in ih­rem ei­ge­nen Tem­po, um wahr­zu­neh­men, was auf ih­rem ei­ge­nen Le­bens­weg re­le­vant ist“, wie To­bi­as Gfell zu­vor im Al­tar­raum der Kir­che für den Gang durch „das La­by­rinth oh­ne Wor­te“emp­foh­len hat. Pfings­ten ist für den Pas­to­ral­re­fe­rent auch ei­ne Ge­le­gen­heit, Ego­is­men zu über­win­den, et­was Ver­bin­den­des zu ent­de­cken. Da­bei kann, wie er fin­det, auch die Mu­sik ei­nen Zu­gang ver­schaf­fen zu die­sem Ge­fühl. Und das wird durch ei­nen be­son­de­ren Gast er­zeugt: Der Gi­tar­ren­vir­tuo­se Andre­as Groß­mann aus Stutt­gart ist kein Un­be­kann­ter in Pforz­heim.

Sich auf den Weg ma­chen, sei­ner Be­ru­fung fol­gen, Irr­we­ge er­ken­nen und neue su­chen – das The­ma zieht sich wie ein ro­ter Fa­den durch den ers­ten Teil des Abends in der Bar­fü­ßer­kir­che. To­bi­as Gfell er­zählt da­rin den Be­su­chern die Ge­schich­te von Je­sus, der im schein­ba­ren Un­ge­hor­sam als Zehn­jäh­ri­ger aus­büxt und von sei­nen El­tern im Tem­pel bei den Ge­lehr­ten wie­der ge­fun­den wird.

Die Mu­sik des Kon­zert­gi­tar­ris­ten Andre­as Groß­mann passt da­zu, auch sie ist von Kom­po­nis­ten (wie ihm selbst) ge­prägt,

Gi­tar­rist Groß­mann be­glei­tet mu­si­ka­lisch

die un­be­irrt ih­ren ei­ge­nen Weg ge­gan­gen sind. Wie et­wa Isaak Al­be­niz (1860 bis 1909) aus Spa­ni­en, der als Zwölf­jäh­ri­ger ab­haut, als Pia­nist durch die Welt zieht, von sei­nem Va­ter dann in Ku­ba ge­fun­den wird. Die­ser lässt ihn zie­hen. „Wel­cher Geist muss da ge­wirkt ha­ben, der den Va­ter sei­nen Sohn zie­hen lässt?“, fragt sich Gfell.

MIT DEN OH­REN AUF PFINGS­TEN EIN­GE­STIMMT in ei­nem ers­ten Teil des Abends in der Bar­fü­ßer­kir­che ver­las­sen sich die vie­len Gäs­te dann auf ih­re Au­gen, um durch das im Blu­men­hof auf­ge­bau­te Lich­ter­la­by­rinth ih­ren Weg zu su­chen. Fo­to: Roth

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