Mo­tor, Hu­pe, Rei­fen

En­ten­tref­fen mit über 100 Au­tos über Pfings­ten auf dem Fest­platz in Mühl­acker

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Mühl­acker (sta). Es ist ein Auf­kle­ber, der sich gleich auf meh­re­ren der Fahr­zeu­ge wie­der­fin­det, die über Pfings­ten auf dem Fest­platz von Mühl­acker an­zu­tref­fen sind: „Ce­ci n’ est pas une voi­tu­re … c’est un art de vi­v­re“, klebt auf dem 2VC. Nein, ei­ne En­te ist nicht nur ein Au­to, son­dern ei­ne gan­ze Le­bens­wei­se über Ge­ne­ra­tio­nen hin­weg, wie ein Rund­gang auf dem 27. En­ten­tref­fen be­legt.

Ist es ge­ne­ti­sche Ver­an­la­gung ei­ne „En­te“zu fah­ren? Scherz­haft schließt das Sil­ke Im­men­roth aus Nei­den­stein (Rhein-Neckar-Kreis) nicht aus, als sie ge­fragt wird, war­um sie ei­ne „En­te“fährt. „Ich bin da­mit auf­ge­wach­sen und vom Va­ter in­fi­ziert wor­den“, er­zählt sie schließ­lich ih­re En­ten-Ge­schich­te und steht da­mit in Mühl­acker nicht al­lei­ne da. Längst sit­zen die Kin­der und En­kel der 2CV-Fah­rer hin­term Steu­er, die einst die­se Be­we­gung mit­be­grün­de­ten. Was aber zeich­net die­se Le­bens­wei­se aus, die sich mit dem fran­zö­si­schen Kult­au­to ver­bin­det, das am 27. Ju­li 1990 im por­tu­gie­si­schen Man­gual­de zum letz­ten Mal vom Band roll­te.

„Es ist der Drang nach Frei­heit und Ein­fach­heit“, ver­sucht Rü­di­ger das Le­bens­ge­fühl der En­ten­fah­rer zu be­schrei­ben. Wäh­rend die Au­tos im All­ge­mei­nen mit im­mer mehr PS und Lu­xus aus­ge­stat­tet wür­de, ge­be es bei der En­te eben den Mo­tor, die Hu­pe, die Rei­fen.

Ei­ne über­schau­ba­re Sa­che, wie beim Blick in dem Mo­tor tat­säch­lich fest­zu­stel­len ist. Jür­gen Zie­per hat ge­ra­de die Mo­tor­hau­be ge­öff­net und beugt sich über den die Tech­nik, die das Ge­fährt, ein­schließ­lich Er­satz­tei­le na­tür­lich, seit 1983 am Lau­fen hält. Jür­gen Zie­per ist 79 Jah­re alt. Ge­mein­sam mit Ehe­frau Re­na­te (75 Jah­re) ist er aus Ber­lin nach Mühl­acker ge­kom­men. Elf St­un­den Au­to­fahrt ste­cken den bei­den in den Kno­chen. Un­ter­wegs fiel der Aus­puff ab und das ist auch der Grund war­um heu­te am Au­to ge­schraubt wird.

„Die Leu­te sind so su­per nett“, er­zählt Re­na­te Zie­per, wie schnell ein Er­satz­teil or­ga­ni­siert wur­de. Nun hel­fen Ben­ny und Lars aus Ravensburg beim Ein­bau: „Man hilft sich, wo man kann.“Der 2CV war das ers­te Au­to ih­res Man­nes, er­zählt Ehe­frau Re­na­te, wäh­rend der Gat­te wei­ter­ar­bei­tet. Als Stu­dent ha­be er sich die­ses Au­to mit Hil­fe ei­nes klei­nen Ra­ten­kre­dits leis­ten kön­nen.

Stu­den­ten und die Hip­pies wa­ren die­je­ni­gen, da ist sich Falk ei­ni­ge Zel­te und „Döschwos“wei­ter si­cher, die die Be­we­gung präg­ten: „Da­her kommt die Ein­stel­lung und der Drang nach Un­ab­hän­gig­keit.“Die­se Le­bens­ge­fühl hat längst auch an­de­re Men­schen er­reicht. Und so fin­det sich auf dem Mühl­acker Fest­platz ein bun­tes Völk­chen – vom Hartz-IV-Emp­fän­ger bis zum Mil­lio­när, der ne­ben der En­te auch ei­nen Fer­ra­ri fährt.

Zwi­schen 100 bis 120 Fahr­zeu­ge, so schätzt Da­ni­el Gal­ba­vy, Schrift­füh­rer beim gast­ge­ben­den Club der En­daglem­mer, sind die­ses Jahr nach Mühl­acker ge­kom­men, wo am Sonn­tag tra­di­tio­nell die „Jaz­zics“auf­spiel­ten. Un­ter den Kas­ta­ni­en­bäu­men par­ken Au­tos mit Kenn­zei­chen aus Bel­gi­en, der Schweiz, Ös­ter­reich und Frank­reich. Ganz Süd­deutsch­land ist ver­tre­ten, das Rhein­land und selbst Ber­lin. Es ist mitt­ler­wei­le ein je­dem Wet­ter trot­zen­des Tref­fen der Ge­ne­ra­tio­nen. Und ein En­de ist nicht in Sicht. Frank „Bla­cky“Schwarz, zwei­ter Vor­sit­zen­der der En­daglem­mer: „Es gibt ei­ne sehr gu­te Er­satz­teil­ver­sor­gung, bes­ser als die Ori­gi­nal­qua­li­tät.“

„Drang nach Frei­heit und Ein­fach­heit“

DER „DÖSCHWO“ist längst ein Kult­au­to für al­le Ge­ne­ra­tio­nen. Mehr als 100 En­ten wa­ren über Pfings­ten auf dem Fest­platz von Mühl­acker an­zu­tref­fen. Fo­to: Stahl­feld

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