Spi­ral­schnei­der bis Kit­tel­schür­ze

Vie­le Stamm­kun­den las­sen sich Be­such beim Friolz­hei­mer Pfingst­markt nicht vom Re­gen­wet­ter ver­der­ben

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Friolz­heim (ro). Zum Glück be­fin­det sich die Wa­re der Krä­mer un­ter schüt­zen­dem Schirm-Dach. So bleibt den Händ­lern der Blick gen Him­mel er­spart. Knapp über elf Grad Cel­si­us, Dau­er­re­gen, Bes­se­rung nicht in Sicht – auf die­sen Nen­ner lässt sich das Wet­ter für den Pfingst­markt in Friolz­heim auf ei­nen (mie­sen) Nen­ner brin­gen. Zu­min­dest in der ers­ten Hälf­te des Ta­ges.

Der Start für den Markt, auch Friolz­heims „Na­tio­nal­fei­er­tag“ge­nannt, fällt buch­stäb­lich ins Was­ser – ein Meer von Schir­men wogt durch die Stra­ßen der Enzkreis-Ge­mein­de. „Sind wir ja ge­wöhnt: Ent­we­der ha­ben wir Hit­ze oder es reg­net“, sagt Da­vid Rein­hardt. Da muss man eben noch mehr Gas ge­ben als oh­ne­hin, des­halb gibt es bei dem Arns­ba­cher auch al­lein schon fürs Zu­schau­en beim Ge­mü­se­ho­beln ein Ge­schenk: ein Spi­ral­schnei­der für Ret­ti­che.

Im Tro­cke­nen noch hat ein an­de­rer Händ­ler um 6 Uhr sei­nen Stand auf­ge­baut, des­sen Fa­mi­lie „min­des­tens seit 60 Jah­ren schon“auf dem Pfingst­markt Friolz­heim da­bei ist: „Sehr, sehr schlecht“fin­det Bert­hold Gut­heil aus Schwä­bisch Gmünd, dass es dann pünkt­lich zur Er­öff­nung des Markts um 8 Uhr an­ge­fan­gen hat zu reg­nen und dann per­ma­nent so wei­ter geht. Den­noch hat er gleich um 8 Uhr die ers­ten Stamm­kun­den an sei­nem Stand be­dient, die we­gen der So­cken oder der Un­ter­wä­sche kom­men. Für letz­te­re wie­der­um ist Frau Ur­su­la zu­stän­dig. Ver­kauft wird nur Hoch­wer­ti­ges, wie bei­de be­to­nen. „Wir wol­len ja, dass die Kun­den wie­der kom­men.“Und das tun sie of­fen­bar auch. „Aber wenn ei­ner der äl­te­ren Stamm­kun­den weg­stirbt, das ist nicht ein­fach, für den wie­der Er­satz zu fin­den“, sagt Bert­hold Gut­heil. Wie über­haupt das Ge­schäft im­mer müh­sa­mer wer­de. „Heut­zu­ta­ge be­kom­men Sie ja über­all al­les, im In­ter­net, an je­der Tank­stel­le...“Sein Sohn sei zwar auch ins Ge­schäft ein­ge­stie­gen, ma­che aber viel übers In­ter­net, er­zählt er. Dann muss er die nächs­te Stamm­kun­din be­die­nen, die von der „Kit­tel­schür­ze“schwärmt, die sie je­des Jahr hier kauft. „Das ist so prak­tisch, ich ar­bei­te im Hal­len­bad, da kann ich al­les rein­st­op­fen in die Ta­schen. Fin­det man ja kaum noch ir­gend­wo“, sagt die äl­te­re Frau aus Nie­fern, die an­onym blei­ben möch­te.

Und noch ei­ne Nie­fer­ne­rin hat sich an die­sem ver­reg­ne­ten Pfingst­mon­tag, an dem die Son­ne sich nur spo­ra­disch bli­cken lässt, auf den Weg ge­macht: Do­ris Schütz hat dies al­ler­dings al­lein ge­tan. „Woll­te nie­mand mit“, sagt sie. Für sie ist der Re­gen kein Hin­de­rungs­grund, au­ßer­dem hat sie wie­der die „Würz­fee“ge­braucht. „Spit­ze ist das“, freut sie sich über den Ein­kauf und stärkt sich im Zelt des Mu­sik­ver­eins, der an die­sem Tag im Zwei-Schicht­be­trieb „Rus­ti­ka­les“und „Sü­ßes“an­bie­tet. Und ge­gen Mit­tag das zwei­te Zelt auf­baut, da­mit noch mehr Leu­te Platz fin­den.

In ei­ner über­dach­ten Ecke hat sich der­weil die Leu­trum­gar­de aus Würm pos­tiert und spielt auf ih­ren Schal­mei­en. Das soll an die­sem Tag die ein­zi­ge Mu­sik­grup­pe blei­ben. „Ist nicht ein­fach, an Pfings­ten über­haupt je­man­den zu fin­den, sind ja al­le im Ur­laub und wir müs­sen be­wir­ten“, sagt der Vor­sit­zen­de des Mu­sik­ver­eins Roland Ben­zin­ger.

Ge­schäft auf dem Markt ist müh­sa­mer ge­wor­den

Fo­to: Roth

HOBELT BEIM PFINGST­MARKT dass die Gur­ken­spä­ne nur so fal­len: Da­vid Rein­hardt kommt je­des Jahr aus Arns­bach nach Friolz­heim.

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