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Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE -

Eh­ren­amt­li­che Feu­er­wehr­leu­te aus Dur­lach, Aue und Gröt­zin­gen schie­ben im Wei­her­hof mit Män­nern der Be­rufs­feu­er­wehr Ex­tra­wa­che, statt mit Fa­mi­lie oder Freun­den den Start ins Pfingst­wo­chen­en­de zu ge­nie­ßen. Im­mer­hin ver­pfle­gen sich die Ka­me­ra­den ge­gen­sei­tig mit Wurst­sa­lat, Gu­lasch­sup­pe und Ku­chen. Pa­rat zu sein, wenn’s brennt, dar­an sind sie ge­wöhnt. Doch dies­mal sind sie Si­cher­heits­re­ser­ve we­gen der gro­ßen Zahl an Men­schen in der Alt­stadt. Für Ste­fan Hol­zer, Hol­ger Neu­feld und Hans-Pe­ter Schmidt im Füh­rungs­team ist das „in die­sem Aus­maß in Karls­ru­he“ei­ne Pre­mie­re.

„Ent­ge­gen al­ler ne­ga­ti­ver Er­war­tun­gen hat sich der Pro­test viel­fäl­tig und ge­schlos­sen ge­zeigt. Die At­mo­sphä­re war ent­spannt. Die Po­li­zei, die hier am Bahn­hof und in der Alt­stadt zu­stän­dig war, war sehr ko­ope­ra­tiv“, zieht Gi­se­la Kon­rad-Vöh­rin­ger ein po­si­ti­ves Fazit. Doch zu ver­bes­sern ge­be es im­mer et­was, sagt die Spre­che­rin des „Ak­ti­ons­bünd­nis 3.6.2017“und ver­weist auf den Zu­sam­men­prall zwi­schen Po­li­zei und Ge­gen­de­mons­tran­ten im Be­reich Al­te Gröt­zin­ger Stra­ße und Neu­en­stein­stra­ße. Sie hät­te sich dort mehr Dee­s­ka­la­ti­on ge­wünscht.

Tür­kis­blaue Bän­der, leuch­tend wei­ßes Braut­kleid, er­war­tungs­vol­le Ge­sich­ter: Die eng­lisch spre­chen­de Hoch­zeits­ge­sell­schaft vor dem Rat­haus fällt an­ge­nehm aus dem Rah­men. Die Grup­pe weicht auf den im Mo­ment ro­man­ti­sche­ren Sau­markt aus. „Die letz­te Hoch­zeit des Ta­ges ha­ben wir un­bü­ro­kra­tisch auf den Turm­berg ver­legt“, so Dur­lachs Haupt­amts­lei­ter Tho­mas Röß­ler an­ge­sichts von fünf im Stadt­amt ur­sprüng­lich ge­plan­ten Trau­un­gen.

Am Hengst­platz räum­te die Stadt die Blu­men­bee­te ab, be­vor die Neo­na­zis ka­men. Nun schlep­pen dort Ni­co­le Voss und Sa­bi­ne Seitz gro­ße Müll­sä­cke: Die vie­len ge­leer­ten Was­ser­fla­schen der Po­li­zis­ten spren­gen das Fas­sungs­ver­mö­gen der Pa­pier­kör­be. „Da­für gibt es viel Pfand“, er­zäh­len die Schwes­tern.

In den so­zia­len Netz­wer­ken wird im­mer wie­der die Hilfs­be­reit­schaft der Dur­la­cher her­aus­ge­stellt, die die Ge­gen­de­mons­tran­ten al­ler Cou­leur mit Ge­trän­ken ver­sorg­te und Was­ser­fla­schen auf­füll­te. Stär­kung gibt es auch für Po­li­zis­ten: Ein al­ter Herr ver­sorgt sie beim Blu­men­tor-Park­platz mit Kaf­fee, Was­ser und Him­bee­ren aus ei­ge­nem Gar­ten.

Am Bahn­hof Dur­lach fährt in Kür­ze der nächs­te Zug ab. Hun­der­te Ge­gen­de­mons­tran­ten hier, Neo­na­zi-Marsch dort: „Wie kom­me ich denn jetzt zum Gleis?“, fragt ei­ne Frau vorm Bahn­hofs­ge­bäu­de. „Ver­su­chen Sie es mal da­hin­ten“, ant­wor­tet ein Po­li­zist in Schutz­mon­tur freund­lich, „ich bin aus Bochum, ich ken­ne mich hier nicht aus.“ke/kal

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