Freie Fahrt für Ma­cron im El­sass?

Sei­ne Kan­di­da­ten punk­ten in den Um­fra­gen

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Bär­bel Nück­les FO­KUS­SIERT: Frank­reichs Prä­si­dent Ma­cron. Fo­to: dpa

Straß­burg. Em­ma­nu­el Ma­crons Kan­di­da­ten könn­ten bei der be­vor­ste­hen­den Par­la­ments­wahl ein­ge­fah­re­ne Ver­hält­nis­se im El­sass ins Wan­ken brin­gen. In der Grenz­re­gi­on ori­en­tie­ren sich die Wäh­ler tra­di­tio­nell rechts. Selbst vor fünf Jah­ren, als die Mehr­heit der Fran­zo­sen den So­zia­lis­ten ih­re Stim­me gab und da­mit den da­mals ge­ra­de ge­wähl­ten Prä­si­den­ten François Hol­lan­de stütz­ten, hol­ten die bür­ger­lich Kon­ser­va­ti­ven in den el­säs­si­schen Dé­par­te­ments Haut-Rhin und Bas-Rhin trotz­dem 13 von 15 Man­da­ten. Al­lein zwei Wahl­krei­se gin­gen an So­zia­lis­ten. Für Ma­crons „La Ré­pu­bli­que en mar­che“tre­ten nun et­li­che, in der Po­li­tik noch un­er­fah­re­ne, aber auch ein paar zu­min­dest in der Kom­mu­nal­po­li­tik be­wan­der­te Ge­sich­ter in den bei­den Dé­par­te­ments an. Zur zwei­ten Grup­pe ge­hört bei­spiels­wei­se der aus dem lin­ken La­ger stam­men­de Bür­ger­meis­ter von Wis­sem­bourg, Chris­ti­an Gliech.

Ei­ne ge­wis­se Er­neue­rung und der li­be­ra­le wie wirt­schafts­und eu­ro­pa­freund­li­che Kurs des neu­en Prä­si­den­ten ent­spricht den Er­war­tun­gen der el­säs­si­schen Wäh­ler und könn­te Ma­cron vie­le Stim­men brin­gen. Schon bei der Prä­si­dent­schafts­wahl An­fang Mai lag er mit 61 Pro­zent im El­sass in der Wäh­ler­gunst vor­ne. Na­tio­na­le Um­fra­gen las­sen ei­ne eher brei­te Zu­stim­mung für Ma­crons Kan­di­da­ten er­war­ten, von gut 30 Pro­zent in der ers­ten Wahl­run­de am kom­men­den Sonn­tag ist dem­nach aus­zu­ge­hen, da­mit lä­ge Ma­cron fast zehn Pro­zent­punk­te vor den bür­ger­li­chen Re­pu­bli­ka­nern (Les Ré­pu­bli­cains) und gleich­sam deut­lich vor dem Front Na­tio­nal (17 Pro­zent). Ei­ne Wo­che spä­ter könn­te sich der neue fran­zö­si­sche Prä­si­dent dann in der Stich­wahl wahr­schein­lich ei­ne brei­te Front der Un­ter­stüt­zer si­chern. Die­se Pro­gno­se könn­te auch auf Haut-Rhin und Bas-Rhin zu­tref­fen. Zu­mal zu­letzt pro­mi­nen­te Po­li­ti­ker ih­re Un­ter­stüt­zung für Ma­cron bei der Par­la­ments­wahl an­ge­kün­digt ha­ben, sprich: sie ha­ben ih­re ei­ge­ne Wah­l­ent­schei­dung öf­fent­lich ge­macht. Zu ih­nen ge­hört bei­spiels­wei­se der ers­te Bei­ge­ord­ne­te des Straß­bur­ger Ober­bür­ger­meis­ters, Alain Fon­ta­nel, des­sen Frau Ma­rie im Üb­ri­gen Ma­crons Wahl­kampf­team in Ge­sund­heits­fra­gen ver­stärkt hat­te und nach dem Wahl­sieg als Be­ra­te­rin aus der el­säs­si­schen Ge­sund­heits­be­hör­de in den Ély­sée-Pa­last wech­sel­te. Der Front Na­tio­nal schnitt in der Ver­gan­gen­heit bei Prä­si­dent­schafts­und zu­letzt 2015 auch bei den Re­gio­nal­wah­len im El­sass mit ho­hen Wer­ten ab. Dass er wei­ter­kam, ver­hin­der­te letzt­lich das Mehr­heits­wahl­recht bei der fran­zö­si­schen Par­la­ments­wahl. Wer min­des­tens 12,5 Pro­zent er­hält, zieht zwar in die Stich­wahl ein. Mit 50 Pro­zent und mehr im ers­ten Durch­gang kann ein Kan­di­dat je­doch die Wahl so­fort für sich ent­schei­den. Im El­sass ge­lang­te nur ei­ne FN-Kan­di­da­tin bei der Wahl Na­tio­nal­ver­samm­lung 2012 in die Stich­wahl. An trag­fä­hi­gen Stra­te­gi­en, wie die Wirt­schaft im Land wie­der in Gang kommt und wie die Ar­beits­lo­sig­keit – im El­sass liegt sie auf ei­nem Höchst­stand von fast zehn Pro­zent – merk­lich ge­senkt wer­den kann, ist man drin­gend in­ter­es­siert. Auch die Ge­biets­re­form, als de­ren Fol­ge das El­sass sei­nen Sta­tus als ei­gen­stän­di­ge Re­gi­on ver­lo­ren hat, be­schäf­tigt die Wäh­ler. Die re­gio­na­lis­ti­sche Par­tei „Un­ser Land“hat kurz vor der Wahl ei­ne Um­fra­ge zu The­men der re­gio­na­len Iden­ti­tät in Auf­trag ge­ge­ben. Ei­ne Mehr­heit wün­sche die Rück­kehr zur al­ten Re­gi­on El­sass eben­so wie ei­ne Stär­kung der Zwei­spra­chig­keit. Ein Man­dat ha­ben den Re­gio­na­lis­ten die­se The­men bis­lang je­doch nicht ein­ge­bracht.

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