Hei­ko Maas steht auf

Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter skiz­ziert Stra­te­gie ge­gen Rechts

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Dar­über dürf­te sich Hei­ko Maas (SPD) wohl im Stil­len ge­freut ha­ben: Die AfD rühr­te für sein jüngst er­schie­ne­nes Buch „Auf­ste­hen statt weg­du­cken – Ei­ne Stra­te­gie ge­gen Rechts“un­frei­wil­lig die Wer­be­trom­mel. Björn Hö­cke, AfD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der in Thü­rin­gen, mach­te sich über das Buch lus­tig: Er ver­öf­fent­lich­te ei­nen ma­ni­pu­lier­ten Buch­ti­tel („Stra­te­gie ge­gen das Recht“) und sprach von ei­nem „hin­ter­sin­ni­gen Scherz“. Der Ver­lag war an­de­rer Mei­nung und ging recht­lich ge­gen Hö­cke vor.

Jetzt ist das Buch, in dem Hei­ko Maas und Schrift­stel­ler Micha­el Eb­mey­er ei­ne Stra­te­gie ge­gen Rechts skiz­zie­ren, in al­ler Mun­de. „Wie wir die Dem­ago­gen und Ex­tre­mis­ten im Bie­der­mann­kos­tüm auf­hal­ten und uns da­bei auf die Stär­ken un­se­rer De­mo­kra­tie be­sin­nen“, heißt das for­mu­lier­te Ziel. Da­bei will der der­zeit am­tie­ren­de Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter „po­li­ti­sie­ren statt po­la­ri­sie­ren“. Das sind lo­bens­wer­te Ab­sich­ten. Al­ler­dings ge­lingt das dem Au­to­ren­duo nur un­zu­rei­chend. Schuld dar­an sind vor al­lem feh­len­de Dif­fe­ren­zie­run­gen. Die ge­sam­te Ana­ly­se wirkt da­durch un­scharf und kratzt nur an der Ober­flä­che der be­han­del­ten The­men­blö­cke. Maas wirft Rechts­ex­tre­mis­ten, Rechts­po­pu­lis­ten, Reichs­bür­ger, Iden­ti­tä­re und so­gar Neo­li­be­ra­le ein­fach in ei­nen Topf. Im Mit­tel­punkt ste­hen vor al­lem AfD und Pe­gi­da. Ei­ne selbst­kri­ti­sche Re­fle­xi­on des Re­gie­rungs­han­delns wäh­rend der Flücht­lings- oder Eu­ro­kri­se, die den „Rech­ten“gro­ßen Auf­trieb be­schert hat­ten, sucht man bei Maas ver­geb­lich: Er kön­ne ver­ste­hen, dass bei vie­len Men­schen das Ver­trau­en in den Staat ge­lit­ten ha­be, weil die Bun­des­re­gie­rung nicht in der La­ge war, die Flücht­lin­ge schnell ge­nug zu re­gis­trie­ren und zu ver­tei­len. „Aber wir ha­ben mit Asyl­pa­ke­ten und In­te­gra­ti­ons­ge­set­zen rasch ge­han­delt“, heißt es. Maas fin­det es bi­zarr, wie oft im Hin­blick auf die Flücht­lings­po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung vom „Kon­troll­ver­lust“ge­spro­chen wur­de und wie sel­ten im Ver­gleich da­zu der tat­säch­li­che Kon­troll­ver­lust wäh­rend der Ban­ken- und Eu­ro­kri­se seit 2008 war. Maas be­gibt sich hier auf dün­nes Eis: Kein Wort über Anis Am­ri, At­ten­tä­ter vom Breit­scheid­platz, der sich 14 Schei­ni­den­ti­tä­ten be­schaf­fen konn­te und po­li­zei­be­kannt war. Ge­ne­rell kam Am­ri nach Maas’ Ein­schät­zung nicht als Flücht­ling, son­dern als Ter­ro­rist. „Die bes­te Ant­wort auf Hass und Ter­ror ist und bleibt ein wehr­haf­ter Rechts­staat“, meint Hei­ko Maas. Die Män­gel beim Grenz­schutz in Deutsch­land oder das au­ßer Kraft ge­setz­te Du­blin-Ab­kom­men er­wähnt er in die­sem Zu­sam­men­hang nicht.

Ein an­de­res The­ma ist das von Maas for­cier­te „Netz­durch­set­zungs­ge­setz“. Er be­klagt sich, dass er des­halb als „Zen­sur­mi­nis­ter“ver­un­glimpft wer­de, weil er dar­auf hin­weist, dass Ge­walt­auf­ru­fe und Mord­dro­hun­gen auch im In­ter­net nicht un­ter Mei­nungs­frei­heit fal­len, son­dern straf­bar blei­ben. Die­se Fest­stel­lung ist frei­lich kor­rekt. Das Pro­blem ist le­dig­lich, dass Maas mit sei­nem Ge­setz In­ter­net­kon­zer­nen die Ent­schei­dungs­ge­walt über­trägt, was straf­bar ist und was nicht. Bei 14 Buch­ka­pi­teln sind durch­aus auch le­sens­wer­te Pas­sa­gen da­bei, un­ter an­de­rem wie es ein­zel­nen Po­pu­lis­ten ge­lingt, ihr Vo­ka­bu­lar im all­täg­li­chen Sprach­ge­brauch zu eta­blie­ren. Dominik Schnei­der

Ei­ne kri­ti­sche Selbst­re­fle­xi­on bleibt aus

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