Ver­pass­te Ta­ge der Auf­klä­rung im Mu­se­um

Feh­len des Di­a­dems wur­de noch frü­her be­merkt

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ju­li­us Sand­mann „KA­TA­STRO­PHE“: BLM-Di­rek­tor Köh­ne über den Di­a­dem-Dieb­stahl. Fo­to: Deck

Karls­ru­he. Hät­te die Po­li­zei im Fall des ge­stoh­le­nen, wert­vol­len Di­a­dems der Hil­da von Ba­den be­reits frü­her mit den Er­mitt­lun­gen be­gin­nen kön­nen? Die­se Fra­ge stellt sich an­ge­sichts neu­er Er­kennt­nis­se der BNN. Bis­her war be­kannt, dass das Ver­schwin­den des Schmuck­stücks am 26. April ge­mel­det wur­de. Jetzt teil­te Eck­art Köh­ne, Di­rek­tor des Ba­di­schen Lan­des­mu­se­ums (BLM) in Karls­ru­he, auf BNN-An­fra­ge schrift­lich mit: „Ei­ne Auf­sicht hat am 23. April be­merkt, dass das Di­a­dem nicht in der Vi­tri­ne war.“

Nach Köh­nes Aus­sa­ge ging die Auf­sicht da­von aus, dass das Schmuck­stück ord­nungs­ge­mäß ent­nom­men wur­de, da das Glas der Vi­tri­ne im so­ge­nann­ten Thron­saal im ers­ten Ober­ge­schoss des Karls­ru­her Schlos­ses nicht ein­ge­schla­gen und für ein wei­te­res Ob­jekt ei­ne Stell­ver­tre­ter­kar­te hin­ter­legt ge­we­sen sei. Das Ver­schwin­den sei des­halb erst am 26. April wei­ter­ge­mel­det wor­den, teil­te der Mu­se­ums­di­rek­tor wei­ter mit. Zu die­sem Zeit­punkt be­fand sich die Ku­ra­to­rin nach BLM-An­ga­ben im Ur­laub. Des­halb wur­de die Po­li­zei erst am 29. April ein­ge­schal­tet, nach­dem ge­klärt ge­we­sen sei, dass das Schmuck­stück nicht ver­lie­hen wur­de oder sich in der Re­stau­rie­rung be­fin­det. Aus die­sen An­ga­ben er­gibt sich, dass – wenn al­les ide­al ge­lau­fen wä­re – die Po­li­zei schon sechs Ta­ge frü­her hät­ten in­for­miert wer­den kön­nen, näm­lich am 23. statt am 29. April. Das Lan­des­kri­mi­nal­amt (LKA) woll­te sich zu der hy­po­the­ti­schen Fra­ge, ob es von Vor­teil ge­we­sen wä­re, wenn die Er­mitt­ler frü­her ein­ge­schal­tet wor­den wä­ren, nicht äu­ßern. Ein LKA-Spre­cher er­klär­te je­doch, dass ge­ne­rell gel­te: „Je frü­her die Po­li­zei von ei­ner Straf­tat er­fährt, des­to bes­ser.“

Auch zu der Fra­ge, ob die­ser Dieb­stahl – bei dem an­schei­nend kei­ne auf den ers­ten Blick sicht­ba­ren Spu­ren ver­ur­sacht wur­den – oh­ne in­ter­nes Wis­sen über­haupt mög­lich ge­we­sen wä­re, woll­te das LKA kei­ne Stel­lung neh­men. „Ver­däch­ti­gun­gen brin­gen uns jetzt nicht wei­ter“, er­klär­te da­zu Di­rek­tor Köh­ne. „Die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter sind ge­schockt und tief be­trof­fen durch die­sen Dieb­stahl.“Je­der im BLM hof­fe, dass die Er­mitt­lun­gen Licht in die­sen furcht­ba­ren Vor­fall brin­gen könn­ten, teil­te Köh­ne mit. Der Dieb­stahl des Di­a­dems, das auf ei­nen Wert von 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro ge­schätzt wird, könn­te in­des­sen Kon­se­quen­zen für das Mu­se­um ha­ben.

Ent­de­ckung am 23. April er­reg­te kei­nen Ver­dacht

„Die ar­beits­recht­li­che Au­f­ar­bei­tung der Vor­gän­ge im Hin­blick auf in­ter­ne Ab­läu­fe und Ver­ant­wort­lich­kei­ten ist noch nicht ab­ge­schlos­sen“, er­klär­te Köh­ne. Der Di­rek­tor des BLM ant­wor­te­te schrift­lich auf die Fra­gen der BNN, für ein an­ge­frag­tes per­sön­li­ches In­ter­view stand er nicht zur Ver­fü­gung.

Für die Samm­lungs­aus­stel­lung „Schloss und Hof“im Karls­ru­her Schloss sei der Ver­lust des Schmuck­stücks nach Aus­sa­ge von Köh­ne „un­er­setz­lich“. „Der Dieb­stahl des Di­a­dems ist ei­ne Ka­ta­stro­phe für das Mu­se­um und sei­ne Samm­lun­gen, die ja be­son­ders die Ge­schich­te Ba­dens do­ku­men­tie­ren“, teil­te der BLM-Di­rek­tor mit. So be­fin­det sich auch die Kro­ne des Groß­her­zog­tums Ba­den im Lan­des­mu­se­um. Dass an­de­re Mu­se­en künf­tig Be­den­ken ha­ben könn­ten, Ob­jek­te an das BLM zu ver­lei­hen, glaubt Köh­ne nach ei­ge­ner Aus­sa­ge nicht. Bei je­dem Vor­gang wer­de das Si­cher­heits­kon­zept of­fen­ge­legt, wel­ches im Karls­ru­her Schloss „dem in­ter­na­tio­na­len Stan­dard“ent­spre­che. „Auch die Leih­ge­ber der Ram­ses-Aus­stel­lung ha­ben nach dem Dieb­stahl zu kei­nem Zeit­punkt ih­re Leih­ga­ben in Fra­ge ge­stellt“, teil­te der BLM-Di­rek­tor mit. Die Hoff­nung dar­auf, dass das Di­a­dem nach Karls­ru­he zu­rück­kehrt, schwin­det in­des­sen wei­ter. Das LKA je­den­falls hat nach ei­ge­nen An­ga­ben kei­ne neu­en Er­kennt­nis­se über den Ver­bleib des Schmuck­stücks.

VER­LUST FÜR BA­DEN: Der Auf­be­wah­rungs­ort des Di­a­dems der Groß­her­zo­gin Hil­da (un­ten rechts) im BLM ist nach dem Dieb­stahl ver­waist (links). Zur Samm­lung des Mu­se­ums ge­hört auch die Kro­ne des Groß­her­zog­tums Ba­den (oben rechts). Fo­tos: Sand­bil­ler/BLM (2).

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.