Ex­per­tin: Kei­ne Ver­teu­fe­lung des Kan­gals

Tier­schutz­be­auf­trag­te plä­diert für spe­zi­el­len Nach­weis bei be­stimm­ten Hun­de­ras­sen

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Ju­lia Giertz

Stutt­gart. Die ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Tier­schutz­be­auf­trag­te Ju­lia Stu­ben­bord hat nach ei­ner töd­li­chen Atta­cke ei­nes Kan­gals auf ei­ne Se­nio­rin vor ei­ner Ver­teu­fe­lung der Hun­de­ras­se ge­warnt. „Der Kan­gal hat ein ru­hi­ges We­sen und ist auch als Fa­mi­li­en­hund ge­eig­net, man muss ihn aber zwin­gend aus­rei­chend be­schäf­ti­gen und gut so­zia­li­sie­ren“, sag­te Stu­ben­bord in Stutt­gart.

„Wir sol­len den Kan­gal nicht un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht stel­len“, rät auch die Stutt­gar­ter Tier­heim­lei­te­rin Ma­ri­on Wünn. Das Tier, das vor ei­ner Wo­che in Stet­ten am Kal­ten Markt im Kreis Sig­ma­rin­gen ei­ne 72-Jäh­ri­ge ge­tö­tet hat­te, sei ver­hal­tens­ge­stört ge­we­sen, er­läu­ter­te Stu­ben­bord. „Das war ein tra­gi­scher Ein­zel­fall, Kan­gals sind nicht al­le At­ten­tä­ter.“Selbst wenn der aus der Tür­kei stam­men­de, sehr selbst­stän­dig agie­ren­de Her­den­schutz­hund in der Po­li­zei­ver­ord­nung un­ter die Ka­te­go­rie Kampf­hun­de ge­fal­len wä­re, hät­te dies das Un­glück nicht ver­hin­dern kön­nen, sag­te Stu­ben­bord. Denn der Vier­bei­ner sei nicht aus­rei­chend ge­si­chert ge­we­sen. Die Tier- ärz­tin, die am 1. Ju­ni die St­abs­stel­le der Lan­des­be­auf­trag­ten für den Tier­schutz über­nom­men hat, plä­diert für ei­nen Sach­kun­de-Nach­weis für die Hal­tung be­stimm­ter Ras­sen. Da­mit sol­le si­cher­ge­stellt wer­den, dass der Hal­ter sich mit dem Nor­mal­ver­hal­ten des Hun­des aus­ein­an­der­ge­setzt hat, um­so auch Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten zu er­ken­nen, die­sen ent­ge­gen­zu­wir­ken und Kon­fron­ta­tio­nen zwi­schen Hund und Mensch vor­zu­beu­gen. Für die öf­fent­li­che Si­cher­heit und Ord­nung sei die der­zei­ti­ge Ge­setz­ge­bung im Süd­wes­ten aus­rei­chend, er­läu­ter­te Stu­ben­bord. Ob von ei­nem sol­chen Nach­weis ei­ne prä­ven­ti­ve Wir­kung aus­ge­he, sei noch zu prü­fen. Sie ver­wies auf den Hun­de­füh­rer­schein, den in Nord­rhein-West­fa­len al­le Erst­hal­ter ab­sol­vie­ren müs­sen, um si­cher­zu­stel­len, dass sie das Tier art­ge­recht hal­ten. In Schles­wig-Hol­stein und Thü­rin­gen sei der Füh­rer­schein für Hal­ter von Hun­den vor­ge­schrie­ben, die auf ei­ner Lis­te ge­fähr­li­cher Tie­re ste­hen. „Es ist uns noch nicht be­kannt, ob das auch we­ni­ger Beiß­vor­fäl­le nach sich zieht“, er­klär­te Stu­ben­bord. Tier­heim­lei­te­rin Wünn hält nichts da­von, Ag­gres­si­ons­po­ten­zi­al mit ei­ner be­stimm­ten Ras­se zu ver­bin­den. „Je­der Hund kann bei­ßen, ob Da­ckel, Schä­fer­hund oder Misch­lings­hund, wenn er nicht so­zia­li­siert wur­de“, sag­te Wünn, die selbst ei­nen Kan­gal hält. Her­den­schutz­hun­de ge­hör­ten nicht in An­fän­ger­hän­de.

In­des­sen hat es im Land zwei wei­te­re Hun­de­at­ta­cken ge­ge­ben, wie die Po­li­zei mit­teil­te. In Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen fie­len zwei Rott­wei­ler ei­ne Frau an. Un­ter an­de­rem biss ihr ei­ner der Hun­de in den Ober­schen­kel. In Frei­berg am Neckar biss ein nicht an­ge­lein­ter Hund ei­nem Jog­ger in die Hand.

NICHT NUR AG­GRES­SIV: Ein Tier­pfle­ger schmust in ei­nem Tier­heim in Stutt­gart mit zwei Kan­gals. Fo­to: Schmidt

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