Hoch­pro­fes­sio­nel­le Tä­ter

Wie­der wird in ei­ner Bank­fi­lia­le ein Geld­au­to­mat ge­sprengt

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Alex­an­dra Ber­to­li­ni

Karls­ru­he/Lahr. Her­aus­ge­ris­se­ne Re­ga­le, zer­stör­te Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de und über den Bo­den ver­teil­te Glas- und Holz­split­ter. Es ist ein Bild der Ver­wüs­tung, dass die Po­li­zei im­mer häu­fi­ger in Bank­fi­lia­len vor­fin­det. Die Ur­sa­che: Tä­ter spren­gen ei­nen Geld­au­to­ma­ten in die Luft und ver­schwin­den mit der Beu­te. Der Scha­den für die be­trof­fe­nen Geld­in­sti­tu­te ist enorm, die Er­mitt­ler tap­pen häu­fig im Dun­keln. Spek­ta­ku­lär ver­lief ges­tern ein wei­te­rer Fall im Orts­teil Sulz von Lahr. Da­bei konn­ten die vier Tä­ter – zum teil in Tarn­klei­dung und mas­kiert – trotz ei­nes schnel­len Ein­grei­fens der Po­li­zei zu­nächst mit ei­nem Flucht­au­to und dann zu Fuß ent­kom­men.

Die Tä­ter hat­ten den Au­to­ma­ten in den frü­hen Mor­gen­stun­den in ei­ner Bank­fi­lia­le ge­sprengt. Dar­auf ging ein Alarm bei ei­ner Si­cher­heits­fir­ma ein, die die Po­li­zei ein­schal­te­te. We­ni­ge Mi­nu­ten da­nach ver­folg­te be­reits ei­ne Po­li­zei­strei­fe das Flucht­au­to der Tä­ter. Mit so ge­nann­ten Krä­hen­fü­ßen konn­ten die Tä­ter je­doch auch wei­te­re Strei­fen­wa­gen ab­schüt­teln, de­ren Rei­fen durch die Spit­zen der aus dem VW Phae­ton ge­wor­fe­nen Me­tall­tei­le auf­ge­schlitzt wur­den. Ein ähn­li­ches Schick­sal er­litt das Flucht­fahr­zeug nach dem Pas­sie­ren ei­nes An­hal­te­sys­tems der Po­li­zei. Doch die Tä­ter konn­ten zu Fuß flüch­ten. Auch ein Po­li­zei­hub­schrau­ber mit Wär­me­bild­ka­me­ra konn­te sie nicht aus­fin­dig ma­chen.

„Das Pro­blem ist, dass die Tä­ter hoch­pro­fes­sio­nell und sehr schnell vor­ge­hen“, er­klärt Sven Brun­ner vom Po­li­zei­prä­si­di­um Karls­ru­he zur Spren­gung von Geld­au­to­ma­ten. Das Vor­ge­hen sei ei­ne ganz an­de­re Ma­sche als der klas­si­sche Raub­über­fall, bei dem sich die Tä­ter ei­nem weit grö­ße­ren Ri­si­ko aus­set­zen müss­ten, im An­schluss an die Tat ge­fasst zu wer­den. Da die Tä­ter meist in der Nacht vor­ge­hen und die Tat­or­te schnell ver­las­sen, sei es bis­her kaum zu Fest­nah­men ge­kom­men, be­dau­ert Brun­ner. „Die Spu­ren­si­che­rung und -aus­wer­tung ist ein lang­wie­ri­ger Pro­zess, so schnell wie im Kri­mi am Sonn­tag­abend geht das in der Re­gel lei­der nicht“, er­klärt Ul­rich Heff­ner vom Lan­des­kri­mi­nal­amt (LKA) in Stutt­gart. „In den nörd­li­chen Bun­des­län­dern sind es deut­lich mehr Fäl­le“, führt Heff­ner wei­ter aus. In­zwi­schen ha­be die­se schnel­le Art der Geld­be­schaf­fung je­doch auch Ba­den-Würt­tem­berg er­reicht. So wa­ren in die­sem Jahr be­reits fünf Fäl­le von ge­spreng­ten Geld­au­to­ma­ten ver­zeich­net wor­den, drei da­von im Zu­stän­dig­keits­be­reich des Po­li­zei­prä­si­di­ums Mann­heim, die an­de­ren bei­den im Land­kreis Karls­ru­he. „Mög­li­cher­wei­se gibt es da ei­ne Se­rie“, meint Brun­ner. „Es sieht ganz da­nach aus, als sei ei­ne Ban­de am Werk.“Zu­sam­men­hän­ge wür­den der­zeit von der Kri­mi­nal­po­li­zei ge­prüft, die Po­li­zei­prä­si­di­en stän­den des­we­gen in re­gem Kon­takt­aus­tausch. Im Be­reich des Po­li­zei­prä­si­di­ums Of­fen­burg wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr zwei Fäl­le re­gis­triert. Da­bei konn­ten die Tä­ter, von de­nen ei­ner er­mit­telt wur­de, laut ei­nes Spre­chers des Prä­si­di­ums kein Geld er­beu­ten. Das LKA re­gis­trier­te in Ba­den-Würt­tem­berg in 2016 ins­ge­samt 22 Fäl­le von ge­spreng­ten Geld­au­to­ma­ten. 18 da­von sei­en im Ver­suchs­sta­di­um ste­cken ge­blie­ben, in vier Fäl­len hät­ten die Tä­ter je­doch Bar­geld er­beu­ten kön­nen, so Ul­rich Heff­ner. „In der über­wie­gen­den Zahl der Fäl­le hiel­ten die Tre­sor­ein­hei­ten der Geld­au­to­ma­ten den Ex­plo­sio­nen stand.“Oft ha­be das ein­ge­lei­te­te Gas bzw. die brenn­ba­re Flüs­sig­keit nicht ge­zün­det oder sei un­ge­eig­net ge­we­sen, ei­ne Ex­plo­si­on zu ver­ur­sa­chen. Auch in die­sem Jahr blieb es bei ei­nem der fünf re­gis­trier­ten Fäl­le nur beim Ver­such, bei den an­de­ren vier Spren­gun­gen konn­ten die Tä­ter je­doch er­folg­reich mit der Beu­te flüch­ten – wie im neu­en Fall in Lahr. „Was da pas­siert, ist wirk­lich ge­fähr­lich, nicht nur für die Tä­ter selbst, son­dern auch für mög­li­che Pas­san­ten in der Um­ge­bung“, er­läu­tert Heff­ner. Schließ­lich kön­ne kei­ner ab­schät­zen – auch nicht die Tä­ter-, was ge­nau pas­siert, wenn Gas oder ei­ne brenn­ba­re Flüs­sig­keit in die Au­to­ma­ten ein­ge­führt wer­de und ei­ne Ex­plo­si­on ver­ur­sacht.

NUR NOCH SCHROTT: Ein ge­spreng­ter Geld­au­to­mat in ei­ner Bank­fi­lia­le. Die Fäl­le häu­fen sich auch im Süd­wes­ten. Fo­to: dpa

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