BGH ver­tagt Ur­teil zu Köl­ner Ra­ser-Un­fall

Staats­an­walt­schaft for­dert här­te­re Stra­fen

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin An­ja Sem­mel­roch

Karls­ru­he/Köln. Am Abend des 14. April 2015 ist die Stu­den­tin mit dem Rad auf dem Heim­weg von der Köl­ner Uni. Zu Hau­se war­ten die El­tern und der Freund mit dem Es­sen. Aber dort kommt sie nie an. Ge­gen 18.45 Uhr ra­sen ihr im Au­en­weg zwei Au­tos ent­ge­gen, viel zu schnell für ein Stadt­ge­biet. Das ei­ne kommt ins Sch­lin­gern und ge­nau auf sie zu. Die 19-Jäh­ri­ge wird vom Rad­weg in ein Ge­büsch ge­schleu­dert. Spä­ter stirbt sie im Kran­ken­haus. Wel­che Stra­fe ist an­ge­mes­sen für die Fah­rer, die das ver­schul­det ha­ben? Das Land­ge­richt Köln ver­ur­teilt die bei­den Män­ner, am Un­fall­tag 22 und 21 Jah­re alt, im April 2016 zu zwei und ein­drei­vier­tel Jah­ren Haft auf Be­wäh­rung. Die Staats­an­walt­schaft ist da­ge­gen in Re­vi­si­on ge­gan­gen, El­tern und Bru­der der Ge­tö­te­ten schlie­ßen sich als Ne­ben­klä­ger an.

Sein Ur­teil will der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) am 22. Ju­ni ver­kün­den. Aber in der gest­ri­gen Ver­hand­lung deu­tet ei­ni­ges dar­auf hin, dass ei­ne sehr viel schär­fe­re, ab­schre­cken­de Stra­fe eher un­wahr­schein­lich ist. Die An­ge­klag­ten ha­ben ein Fai­b­le für Au­tos und schon Buß­gel­der kas­siert. Aber sie ge­hö­ren nach den Er­kennt­nis­sen aus dem Köl­ner Pro­zess we­der zur Ra­ser-Sze­ne noch fah­ren sie häu­fi­ger il­le­ga­le Ren­nen. Der Wett­streit er­gab sich spon­tan.

Für die Staats­an­walt­schaft Köln kri­ti­siert Bun­des­an­wäl­tin An­net­te Bö­rin­ger die­ses Ur­teil in Karls­ru­he als zu mil­de. Die Rich­ter hät­ten ein­sei­tig die Um­stän­de be­rück­sich­tigt, die für die Män­ner spre­chen. Aber der Se­nat un­ter der Vor­sit­zen­den Rich­te­rin Bea­te Sos­tSchei­b­le scheint nicht über­zeugt. Sie dämpft gleich zum Ver­hand­lungs­auf­takt all­zu ho­he Er­war­tun­gen. „Die Straf­zu­mes­sung ist ei­ne Do­mä­ne, die dem Tatrich­ter ob­liegt“, er­läu­tert sie. Der Rah­men für Kor­rek­tu­ren sei al­so be­grenzt. In Karls­ru­he wer­de nur noch auf Rechts­feh­ler ge­prüft. Ins­be­son­de­re wird sich an der Ver­ur­tei­lung we­gen fahr­läs­si­ger Tö­tung nichts mehr än­dern. Das be­deu­tet: al­ler­höchs­tens fünf Jah­re Haft.

„Rah­men für Kor­rek­tu­ren ist be­grenzt“

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