El­sass fin­det sei­ne Lie­be für Ra­c­ing wie­der

Straß­bur­ger schie­len auch nach Ba­den und in die Pfalz

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Rai­ner Kalb MIT MARC KEL­LER ging es auf­wärts. Fo­to: ima­go

Straß­burg. Im El­sass herrscht Eu­pho­rie. Straß­burg, Eu­ro­pas zwei­te Haupt­stadt, ist wie­der zu­rück in Frank­reichs Li­gue 1, der stärks­ten Spiel­klas­se des Lan­des. Die Vi­sio­nen und die Be­geis­te­rung sind rie­sig. Ray­mond Do­men­ech, Ex-Na­tio­nal­trai­ner, aber vor al­lem Spie­ler von 1977 bis 1981, kann sei­ne Emo­ti­on kaum ver­ber­gen: „Das ist ein Ver­ein, der sein We­sen aus der Stadt, aus der Re­gi­on be­zieht. Deutsch­land ist nicht weit ent­fernt, und de­ren Fuß­ball­kul­tur prägt auch Straß­burg.“

Es war ein lan­ger und gleich­zei­tig kur­zer Weg. Im Som­mer 2011 muss­te Ra­c­ing Straß­burg, 1979 fran­zö­si­scher Meis­ter, In­sol­venz an­mel­den und als Ra­c­ing Straß­burg Al­sace in der fünf­ten Li­ga wie­der be­gin­nen. Der ers­te Spiel­tag wur­de ver­scho­ben, weil Ra­c­ing kei­ne elf Spie­ler auf­stel­len konn­te. 2012 über­nahm Marc Kel­ler, der von 1991 bis 1996 für Ra­c­ing ge­spielt hat­te und da­nach zwei Jah­re mit be­acht­li­chem Er­folg beim Karls­ru­her SC un­ter Ver­trag stand, das Prä­si­den­ten­amt bei sei­nem Her­zens­ver­ein. 2016 ge­lang dann der Auf­stieg in die Zwei­te Li­ga. Und jetzt? „Der Auf­stieg stand wie ein Berg vor uns, aber jetzt ha­ben wir es ge­schafft“, seufzt Kel­ler.

Beim letz­ten Heim­spiel ge­gen Bour­gPe­ron­nas platz­te das alt­ehr­wür­di­ge Mein­au-Sta­di­on mit 30 000 Be­su­chern aus al­len Näh­ten. Ei­gent­lich hät­te das EM-Sta­di­on von 1984 auch eins für die EM 2016 sein sol­len. Doch bei der Ent­schei­dung über ei­nen Aus­bau auf 42 000 Fas­sungs­ver­mö­gen, die 2009 fal­len muss­te, trau­ten die Stadt­vä­ter dem Ver­ein nicht zu, ein Rie­sen­sta­di­on auf Dau­er zu fül­len. Da ha­ben sie die Fans des „Mar­seil­le des Os­tens“grob un­ter­schätzt. 30 Mil­lio­nen Eu­ro wird der Etat im Jahr nach dem Wie­der­auf­stieg be­tra­gen, und das ist mit Au­gen­maß kal­ku­liert.

Er­höh­ten Zu­spruch er­hofft sich der neue Erst­li­gist von sei­ner Nach­bar­schaft zu Ba­den und der Pfalz. Die Stra­ßen­bahn nach Kehl ist ver­legt, und war­um nicht mal Pa­ris, Mo­na­co oder Mar­seil­le schau­en statt Frei­burg, Frankfurt oder Mainz? Straß­burg-Fans je­den­falls schie­len im­mer nach Deutsch­land rü­ber. Ein Ul­tra: „Die­se Steh­platz­kul­tur in Deutsch­land, die schau­en wir uns ab.“

Über­haupt, Straß­burg und Deutsch­land. Os­kar Rohr – Groß­on­kel des heu­ti­gen Trai­ner-Wel­ten­bumm­lers Ger­not Rohr – kehr­te als deut­scher Meis­ter mit Bay­ern Mün­chen (1932) den Ba­ju­wa­ren den Rü­cken, um bei Ra­c­ing Straß­burg an­zu­heu­ern (1934–1939). Der Grund: In Frank­reich gab es da­mals schon Pro­fi­fuß­ball. Ins­ge­samt ha­ben 14 Deut­sche für den seit 111 Jah­ren be­ste­hen­den Club ge­spielt. Die heu­te in Deutsch­land noch be­kann­tes­ten hei­ßen Stan Li­bu­da, Wolf­gang Rolff und Thomas All­ofs. Aber auch ein Pe­ter Rei­chert oder Wal­ter Kelsch wa­ren dar­un­ter.

Um­ge­kehrt pro­fi­tier­te die Bun­des­li­ga ne­ben dem jet­zi­gen Prä­si­den­ten Marc Kel­ler von Gil­bert Gress und Di­dier Six (bei­de VfB Stutt­gart). In Straß­burg je­den­falls war nach dem Auf­stieg die In­nen­stadt erst zum vier­ten Mal in ih­rer Ge­schich­te von Men­schen­mas­sen über­flu­tet. Das war nach der „Be­frei­ung“, als Deutsch­land zum En­de des Zwei­ten Welt­krie­ges ka­pi­tu­lier­te, nach dem ein­zi­gen Ti­tel­ge­winn 1979, nach dem WMGe­winn der Fran­zo­sen 1998 und eben jetzt der Fall. Es ist die Macht des Fuß­balls.

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