Me­di­ta­ti­on als Lu­xus

Ti­be­ti­sche Mön­che streu­en im Al­fons-Kern-Turm ein Sand­man­da­la

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

Sie ha­ben den höchs­ten aka­de­mi­schen Grad ei­ner ti­be­ti­schen Klos­ter­uni­ver­si­tät er­reicht und sind Meis­ter der Me­di­ta­ti­on: Die ti­be­ti­schen Mön­che Ges­he Jam­lo Dhon­dup, Ges­he Kon­chok Mon­lam, Ges­he Lo­sang Ta­shi, Ges­he Tse­ring So­nam und Ges­he Pal­den Öser. Ab heu­te sind sie in der „Lu­xus!? Po­si­tio­nen zwi­schen Opu­lenz und As­ke­se“-Aus­stel­lung im Al­fons-Kern-Turm zu Gast, um dem The­ma ei­ne wei­te­re Fa­cet­ten zu ge­ben: Sie streu­en ein Sand­man­da­la. Die enor­me Kon­zen­tra­ti­ons­leis­tung kann bis Mon­tag be­ob­ach­tet wer­den. Zum Schluss, wenn al­les fer­tig ist, grei­fen die Mön­che zum Be­sen. Um 17.30 Uhr be­ginnt ein Ri­tu­al, das zu die­sem Lu­xus ge­hört. Es wird al­les wie­der weg ge­fegt.

Was es da­mit auf sich hat, er­läu­tert am Sams­tag, 10. Ju­ni, ab 19 Uhr Ges­he Pal­den Öser. Ge­bo­ren 1966 in Ost-Ti­bet, trat er mit zwölf Jah­ren in das Dar­gye Klos­ter ein, wur­de Mönch und er­hielt die grund­le­gen­den Stu­di­en des Bud­dhis­mus. 1990 ver­tief­te er sei­ne Stu­di­en in Süd-In­di­en im Klos­ter Se­ra Je und mach­te das Ge­lug-Ex­amen. Ab­ge­schlos­sen hat er die Klos­ter­uni­ver­si­tät im Jahr 2010 mit dem höchs­ten Grad, dem Lha­ram­pa-Ges­he. Seit 2013 lebt er im Ti­bet-Zen­trum Han­no­ver, lei­tet Pu­jas, Kur­se, Stu­di­en­gän­ge und hält Vor­trä­ge. Ni­co­la Herná­di, Asi­en­wis­sen­schaft­le­rin und Kunst­his­to­ri­ke­rin mit Schwer­punkt Bud­dhis­mus, über­setzt.

Für ein Man­da­la rie­selt pu­der­fei­ner far­bi­ger Sand aus spitz zu­lau­fen­den Me­tall­röhr­chen. Auf die­se Art ent­ste­hen feins­te Stri­che aus Sand, die sich am En­de zu ei­nem gro­ßen Bild zu­sam­men­fü­gen. Das Be­trach­ten ei­nes Man­da­las soll nicht nur heil­sam für die Ge­sund­heit sein, es soll nach der bud­dhis­ti­schen Ma­ha­ya­na-Leh­re auch ge­gen die drei Geis­tes­gif­te Gier, Hass und Ver­blen­dung wir­ken. Vor al­lem aber die­nen Man­da­las der Me­di­ta­ti­on.

Das Pforz­hei­mer Sand­man­da­la wird dem Er­leuch­tungs­we­sen Ava­lo­ki­tesh­va­ra ge­wid­met: Ava­lo­ki­tesh­va­ra – auf ti­be­tisch Chenre­zig – ver­kör­pert das Mit­ge­fühl al­ler Bud­dhas. Der vier­ar­mi­ge Ava­lo­ki­tesh­va­ra fal­tet zwei Hän­de zum Ge­bet, die drit­te rech­te Hand hält ei­ne Ma­la, die lin­ke ei­ne Lo­tos­blu­me. Im ti­be­ti­schen Bud­dhis­mus gilt Chenre­zig als wich­tigs­te Me­di­ta­ti­ons­form. PK

EIN SAND­MAN­DA­LA des Ava­lo­ki­tesh­va­ra wird in Pforz­heim ge­streut. Fo­to: PK

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