Er­bit­ter­ter Kampf um den Nut­zer

IT-Af­ter-Work hat die Geld­ma­schi­ne „künst­li­che In­tel­li­genz“zum The­ma

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFTSREGION - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jür­gen Pe­che

Je­den Tag su­chen Mil­li­ar­den von Men­schen im In­ter­net nach für sie nütz­li­chen In­for­ma­tio­nen. Ama­zon, YouTu­be, Ins­ta­gram oder Twit­ter kön­nen ne­ben dem Platz­hirsch Goog­le nach Mei­nung von Lars Ost­hoff al­le als Such­ma­schi­nen auf­ge­fasst wer­den und kämp­fen er­bit­tert und mit al­len Mit­teln um den Zu­gang zu Nut­zern. Die­se Un­ter­neh­men mit der welt­weit höchs­ten Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung trei­ben des­halb das The­ma „künst­li­che In­tel­li­genz“wei­ter vor­an. Ost­hoff, Be­triebs­wirt­schaft­ler und Lei­ter des Be­reichs „Such­ma­schi­nen-Op­ti­mie­rung“beim In­ter­net­pro­vi­der 1&1 er­laub­te beim jüngs­ten „IT-Af­ter-Work“im In­no­tec Pforz­heim Ein­bli­cke in die ra­san­te und durch­aus um­strit­te­ne Ent­wick­lung – Kri­ti­ker be­fürch­ten Ein­grif­fe in die In­tim­sphä­re und den Da­ten­schutz. Wo­hin al­so geht die Rei­se?

Ei­ne Ant­wort auf die­se Fra­ge ist Ama­zon Echo, ein klei­ner, mit Laut­spre­cher und Mi­kro­fo­nen ge­spick­ter Zy­lin­der, der ins Wohn­zim­mer ge­stellt wird. Auf das Kom­man­do „Ale­xa“be­ant­wor­tet Echo Fra­gen, spielt Mu­sik ab und er­stellt Ein­kaufs­lis­ten. Das Ge­rät ist da­zu per WLAN mit dem In­ter­net ver­bun­den und kann je­des Ge­spräch im Raum re­gis­trie­ren. Ama­zon ist da­mit so na­he an sei­nen Kun­den wie nie zu­vor. Und das könn­te erst der An­fang sein.

Die Sprach­ana­ly­se fin­det in Ama­zons Re­chen­zen­tren statt. Sie wer­de nur bei vor­an­ge­hen­dem Co­de­wort durch­ge­führt, sonst wer­de von Echo nichts auf­ge­zeich­net, sagt das Un­ter­neh­men. 2015 in den USA auf den Markt ge­bracht, ha­ben in­zwi­schen welt­weit 24 Mil­lio­nen Men­schen die­ses Ge­rät in­stal­liert, sagt Ost­hoff. Die Sprach­er­ken­nung als Ba­sis von Ama­zon Echo ha­be heu­te nur noch ei­ne Feh­ler­quo­te un­ter fünf Pro­zent.

Als wei­te­re Ent­wick­lung der künst­li­chen In­tel­li­genz tre­te die Ge­sichts­er­ken­nung erst ih­ren Sie­ges­zug an, macht sich laut Ost­hoff be­reit für die „Mo­ne­ta­ri­sie­rung“. Am wei­tes­ten sei auch hier Goog­le: Über die Bil­der­ken­nung auf ei­nem Smart­pho­ne-Fo­to las­se sich et­wa Mar­ke und Mo­dell ei­ner Hand­ta­sche er­ken­nen, die je­mand trägt. „Wenn ich sie auch ha­ben will, ge­nügt ein Knopf­druck und schon lie­fert sie der On­li­ne-Shop.“Mit Mit­teln der Ge­sichts­er­ken­nung lie­ßen sich et­wa Ge­müts­zu­stän­de von Kauf­haus­kun­den er­mit­teln und mit dem Kauf be­stimm­ter Pro­duk­te in Zu­sam­men­hang brin­gen – hier feh­le Goog­le noch der Zu­gang zu Pro­fit­quel­len. Mit dem Kauf der Soft­ware­fir­ma „Deep Mind“in­ten­si­vie­re das Un­ter­neh­men in die Er­for­schung der künst­li­chen In­tel­li­genz und ha­be bei­spiels­wei­se das Brett­spiel Go so­weit ent­wi­ckelt, dass heu­te „nie­mand mehr ei­ne Chan­ce hat, ir­gend­ein Spiel ge­gen den Com­pu­ter zu ge­win­nen“.

Ost­hoff wid­me­te sich in sei­nem Vor­trag vor über 60 In­ter­es­sen­ten in­ten­siv den Me­tho­den, um Web­site und Home­pages der Kun­den von 1&1 si­cher auf vor­de­re Plät­ze in den Er­geb­nis­sen von Such­ma­schi­nen zu brin­gen. Als Grund­la­ge macht er ei­ne dra­ma­ti­sche Ve­rän­de­rung bei der Auf­merk­sam­keit von Men­schen aus, die vom TV hin zu mo­bi­len End­ge­rä­ten wan­de­re. Wer­bung drän­ge al­so über Such­ma­schi­nen aufs Smart­pho­ne und er­schei­ne bei der Goog­le-Su­che auch als obers­tes Er­geb­nis. Dann folg­ten Rat­ge­ber- und Wis­sen­spor­ta­le wie Wi­ki­pe­dia und schließ­lich die ei­gent­li­chen Such­er­geb­nis­se.

Da­mit je­mand mit ei­ner Sei­te dort ganz vor­ne steht, be­darf es laut Ost­hoff ei­ner über­sicht­li­chen, in­ter­ak­ti­ven In­halts­ge­stal­tung der Web­site mit ein­ge­bet­te­ten Fo­tos, Gra­fi­ken und Vi­de­os. Zu­dem soll­ten vie­le Schlüs­sel­wor­te ent­hal­ten sein, die bei Goog­le als „Key­word-Clus­ter“wahr­ge­nom­men wer­den und die Sei­te nach vor­ne rü­cken.

LARS OST­HOFF er­läu­ter­te im In­no­tec, wie weit die In­ter­net-Such­ma­schi­nen sind bei Sprach­ana­ly­se und Ge­sichts­er­ken­nung. Fo­to: Wa­cker

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