Im Di­ckicht der Kunst­wer­ke

Cal­wer Künst­le­rin Ger­trud Schos­ser stellt bei der Künst­ler­gil­de Bus­lat aus / Ver­nis­sa­ge am Sonn­tag

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IM ENZKREIS -

Gar nicht so ein­fach, die Blät­ter im Aus­stel­lungs­raum der Künst­ler­gil­de Bus­lat wach­sen zu las­sen: Ger­trud Schos­ser läuft hier­hin und dort­hin mit ih­ren Pa­pier-Kunst­wer­ken. Das Licht spielt für die Cal­wer Künst­le­rin, die ab Sonn­tag auf dem Kat­ha­ri­nentha­ler Hof aus­stellt näm­lich ei­ne zen­tra­le Rol­le. Denn ih­re fi­li­gran wir­ken­den, aus Pa­pier aus­ge­schnit­te­nen und teil­wei­se in Roh­zu­stand, al­so weiß be­las­se­nen, an ein Di­ckicht er­in­nern­den Wer­ke müs­sen so hän­gen, dass der Schat­ten da­hin­ter ein wei­te­res Di­ckicht er­zeu­gen kann.

Bei ei­nem der Kunst­wer­ke hat sie das Pa­pier erst mit Koh­le be­han­delt und dann in Lein­öl ge­taucht, da­mit die Koh­le nicht „ab­brö­selt“. So ist ein mehr­schich­ti­ges Blatt­werk ent­stan­den, das in ei­nem Holz­rah­men ein­ge­spannt und mit­ten im Raum ste­hend der Na­tur so­zu­sa­gen fast frei­en Wuchs lässt. „Ich woll­te ei­gent­lich noch ein Nest rein ma­chen, aber dann hab ich ge­merkt, das funk­tio­niert nicht so gut“, er­zählt Schos­ser. Des­halb hat das Nest nun ei­nen ei­ge­nen Rah­men be­kom­men und ist nicht in das mehr­schich­ti­ge Kunst­werk ein­ge­baut wor­den.

Das Blatt­werk von Ger­trud Schos­ser ist über­wie­gend ein­far­big, in der Far­be re­du­ziert und so ist der An­blick fo­kus­siert auf die Gestalt der Blät­ter in der Form und im Gan­zen. Das hat sie auch so ge­hal­ten mit ei­nem groß­for­ma­ti­gen Öl­bild. Das heißt, die un­te­re Schicht ist ein „fet­ter“Blei­stift, dar­über kam hel­le Öl­far­be und dann hat sie wie­der­um mit der Rück­sei­te ei­nes oran­ge­far­be­nen Stifts die Blatt­struk­tu­ren her­aus­ge­kratzt. Da­ne­ben wu­chern aber auch Blät­ter ei­nes Strau­ches auf pe­trolfar­be­nem Hin­ter­grund. Das wech­selt laut Ger­trud Schos­ser im­mer mal wie­der ab, in ih­rer eher den Weiß- und Grau­tö­nen zu­ge­wand­ten Kunst bahnt sich zwi­schen­durch auch im­mer mal ein grell­far­be­ner „An­fall“. Das Na­tur­the­ma, das sich auf Pflan­zen und Land­schaf­ten kon­zen­triert, hat sich bei der 1953 im Kreis Biberach ge­bo­re­nen Künst­le­rin, die an der Päd­ago­gi­schen Hoch­schu­le Reut­lin­gen stu­dier­te und sich un­ter an­de­rem an der Eu­ro­päi­schen Kunst­aka­de­mie Tri­er wei­ter bil­de­te, im Lauf der Jah­re her­aus­kris­tal­li­siert.

„Wenn Men­schen vor­kom­men, dann auch eher re­du­ziert“, sagt sie. Die Spu­ren des Men­schen kön­nen skiz­zen­haft al­ler­dings vor­kom­men in ih­ren Öl­bil­dern. Oder in ih­ren Zeich­nun­gen. Das Mus­ter von Rei­fen­spu­ren im Schnee hat ihr so gut ge­fal­len, dass sie ein Fo­to ge­macht und die­ses als Vor­la­ge ge­nom­men hat für ein klei­nes Kunst­werk.

In­ter­es­sant ist auch die Art ih­rer Bild­aus­schnit­te. So zeigt ein an­de­res Bild nur den un­te­ren Teil ei­nes im Schnee ste­cken­den Baum­stam­mes et­wa.

Su­san­ne Roth

Die Ver­nis­sa­ge zur Aus­stel­lung mit dem Ti­tel „Ver­zweigt“fin­det am Sonn­tag, 11. Ju­ni, ab 11 Uhr auf dem Kat­ha­ri­nentha­ler Hof statt. In den Räu­men der Künst­ler­gil­de Bus­lat wird Car­men Matt­heis ei­ne Ein­füh­rung ge­ben. Die Aus­stel­lung ist noch bis 2. Ju­li zu se­hen: sonn­tags von 11 bis 17 Uhr oder nach Ver­ein­ba­rung un­ter Te­le­fon (0 70 51) 1 27 82.

FORMENSPRACHE: Im Di­ckicht kön­nen sich die Au­gen des Be­trach­ters bei den Kunst­wer­ken von Ger­trud Schos­ser ver­ir­ren. Sie stellt ab Sonn­tag bei der Künst­ler­gil­de Bus­lat aus. Fo­to: Roth

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