„Frie­den und See­len­gra­zie über­all“

Cel­lis­tin und Pia­nis­tin er­freu­en in Öschel­bronn mit klas­si­scher Kam­mer­mu­sik

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IM ENZKREIS -

Im Saal der Kli­nik Öschel­bronn mu­si­zier­ten am Mitt­woch­abend die Cel­lis­tin Bar­ba­ra No­el­de­ke und die Pia­nis­tin Eve­lin Griz­feld und er­freu­ten ein zahl­reich er­schie­ne­nes Pu­bli­kum mit zwei be­deu­ten­den Wer­ken der klas­si­schen Kam­mer­mu­sik.

Bei­de So­lis­ten sind be­kann­te Mu­si­ke­rin­nen und Mu­sik­päd­ago­gen in der Re­gi­on. No­el­de­ke ist ei­ne viel ge­frag­te Cel­lis­tin, wirkt seit elf Jah­ren als So­lo­cel­lis­tin beim Kam­mer­or­ches­ter „ar­ca­ta“Stutt­gart, hat da­zu zahl­rei­che Auf­trit­te in der Pforz­hei­mer Re­gi­on. Auch der Um­gang mit ei­nem Ba­rock­cel­lo und die die­ser Zeit ent­spre­chen­de his­to­ri­sche Auf­füh­rungs­pra­xis sind ihr ver­traut.

Eve­lin Griz­feld be­gann ihr Kla­vier­stu­di­um in ih­rer us­be­ki­schen Hei­mat und schloss es an der Stutt­gar­ter Hoch­schu­le für Mu­sik ab und bil­de­te sich auch als Or­ga­nis­tin aus. An der Alt­stadt­kir­che Pforz­heim übt sie die­ses Amt aus. Zu­dem ist Griz­feld un­ter an­de­rem im Pforz­hei­mer Stadt­thea­ter tä­tig, spielt im Süd­west­deut­schen Kam­mer­or­ches­ter mit. Beet­ho­vens So­na­te für Kla­vier und Cel­lo op. 102, Nr. 2 er­öff­ne­te die Kon- zert­stun­de, durch die Se­bas­ti­an Weiss, Mu­sik­the­ra­peut der Kli­nik, führ­te und mit ly­ri­schen Bei­trä­gen be­rei­cher­te.

Die So­na­te ist ei­nes von Beet­ho­vens Spät­wer­ken, die bei sei­nen Zeit­ge­nos­sen auf Un­ver­ständ­nis stie­ßen, wie Weiss mit ei­nem Goe­the-Zitat be­leg­te. Fast mar­tia­lisch be­ginnt der ers­te Satz, geht im zwei­ten in ein an­rüh­ren­dem Ad­a­gio über mit ei­nem fast pa­the­tisch an­mu­ten­der Dia­log zwi­schen Cel­lo und Kla­vier, das mit wun­der­bar war­men Strei­cher­klang ab­schließt und die kom­men­de Ro­man­tik vor­weg­nimmt.

Die­se In­nig­keit fin­det ein ab­rup­tes En­de mit der fu­ga­len Aus­ge­stal­tung des nach­fol­gen­den Al­le­gros, in dem die Mu­si­ke­rin­nen rhyth­misch ganz weit aus­ho­len und in schnel­len Läu­fen sich ge­gen­ein­an­der aus­zu­spie­len schei­nen. In ih­ren Fin­ger­fer­tig­kei­ten stan­den sie sich in nichts nach. „Mu­sik ist ei­ne ei­ge­ne poe­ti­sche Spra­che, vor al­lem bei der Kam­mer­mu­sik von Men­dels­sohn-Bar­thol­dy“zi­tier­te Weiss nun Ro­bert Schu­mann, der Men­dels­sohns Cel­lo-So­na­te B-Dur op. 45 „als Mu­sik mit ei­nem Lä­cheln um den Mund“nann­te.

Auch be­wun­der­te Schu­mann „den in­ne­ren Wohl­stand, den Frie­den und die See­len­gra­zie über­all“. „Schö­ner lässt Mu­sik sich nicht be­schrei­ben“, so Weiss und die bei­den So­lis­ten wa­ren den Zu­hö­rern nun den Be­weis schul­dig, dass Schu­mann Recht hat­te.

Leb­haft be­gann die So­na­te mit ei­nem Al­le­gro vi­va­ce, mit hel­len Klän­gen stimmt das Kla­vier den zwei­ten Satz, ein An­dan­te an. Be­hut­sam mit sin­gend war­men Ton fügt sich das Cel­lo ein. Ein me­lo­diö­ses Al­le­gro as­sai setzt den Schluss­punkt.

Fa­zit: Schu­mann hat Recht. Es war ein Ge­nuss, die­se So­na­te zu hö­ren. Die bis da­hin still lau­schen­den Zu­hö­rer dank­ten mit lang an­hal­ten­dem Bei­fall und durf­ten sich noch an Men­dels­sohns „Lied oh­ne Wor­te“als Zu­ga­be er­freu­en. Eva Fi­litz

MU­SIK MIT EI­NEM LÄ­CHELN bo­ten Pia­nis­tin Eve­lin Griz­feld und Cel­lis­tin Bar­ba­ra No­el­de­ke. Se­bas­ti­an Weiss führ­te durch das Kon­zert. Fo­to: Fi­litz

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