May pocht auf Macht­an­spruch

Trotz der Schlap­pe bei den Wah­len will die Pre­mier­mi­nis­te­rin ei­ne neue Re­gie­rung bil­den

Pforzheimer Kurier - - ERS­TE SEI­TE -

Lon­don (dpa). Trotz der her­ben Schlap­pe bei der Par­la­ments­wahl in Groß­bri­tan­ni­en hält Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May an ih­rem Macht­an­spruch fest und will das Land aus der EU füh­ren. Ges­tern bat sie Kö­ni­gin Eliz­a­beth II. um die Er­laub­nis zur Re­gie­rungs­bil­dung – ob­wohl die von May ge­führ­ten Kon­ser­va­ti­ven bei der Wahl die ab­so­lu­te Mehr­heit der Man­da­te ver­lo­ren hat­ten.

Noch am sel­ben Tag be­gan­nen ers­te Ge­sprä­che über ei­ne Min­der­heits­re­gie­rung der To­ries mit Un­ter­stüt­zung der nord­iri­schen De­mo­cra­tic Unio­nist Par­ty (DUP). Die­ses Bünd­nis wer­de „Ge­wiss­heit“ brin­gen und das Land durch die Br­ex­it-Ge­sprä­che füh­ren, die am 19. Ju­ni be­gin­nen sol­len, wie May be­kräf­tig­te. DUP-Che­fin Ar­le­ne Fos­ter sag­te, man wol­le Mög­lich­kei­ten zur Sta­bi­li­sie­rung des Lan­des son­die­ren.

Die Ab­stim­mung über die 650 Sit­ze im Lon­do­ner Un­ter­haus en­de­te er­nüch­ternd für die Kon­ser­va­ti­ven, die weit un­ter den ei­ge­nen Er­war­tun­gen blie­ben. Sie sind zwar wei­ter­hin stärks­te Kraft, ver­lo­ren aber ih­re ab­so­lu­te Mehr­heit. Nach Aus­zäh­lung fast al­ler Stim­men konn­ten we­der To­ries noch La­bour-Op­po­si­ti­on die für ei­ne Al­lein­re­gie­rung nö­ti­ge Zahl von min­des­tens 326 Man­da­ten im Par­la­ment er­rin­gen.

Die Kon­ser­va­ti­ven ka­men nach den bis ges­tern vor­lie­gen­den Aus­zäh­lungs­er­geb­nis­sen auf 318 Sit­ze, La­bour auf 261. Die Schot­ti­sche Na­tio­nal­par­tei SNP ver­fügt über 35 Sit­ze, die Li­be­ral­de­mo­kra­ten über zwölf, die DUP über zehn Man­da­te. 13 ent­fie­len auf an­de­re Par­tei­en. Ges­tern fehl­te mit Ken­sing­ton im Zen­trum Lon­dons noch ein letz­tes Wahl­kreis-Er­geb­nis – an den Macht­ver­hält­nis­sen im Par­la­ment än­dert dies aber nichts mehr. Die Wahl war auch ei­ne Rich­tungs­ent­schei­dung über die Plä­ne zum EU-Aus­tritt Groß­bri­tan­ni­ens. Der Prä­si­dent von Ba­den-Würt­tem­bergs In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer­tag, Wolf­gang Gren­ke, äu­ßer­te un­ter­des­sen die Hoff­nung, dass die Bri­ten doch noch in der EU blei­ben könn­ten. „Wün­schens­wert für die Wirt­schaft wä­re aus mei­ner Sicht ein Aus­stieg aus dem Aus­stieg“, be­ton­te er.

Auch Ba­den-Würt­tem­bergs Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Ni­co­le Hoff­meis­terKraut (CDU) sieht den Aus­gang der Wahl mit Be­den­ken we­gen ei­ner dro­hen­den län­ge­ren Pha­se der Un­si­cher­heit.

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