Der Rück­schlag

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - SU­SAN­NE GÜSTEN

Die Kri­se in Ka­tar ist ein Rück­schlag für den tür­ki­schen Prä­si­den­ten Er­do­gan. Ähn­lich wie die Herr­scher in Doha hat die Tür­kei bis­her ver­sucht, auf meh­re­ren Hoch­zei­ten zu tan­zen: gu­te Be­zie­hun­gen zu den USA und Aus­söh­nung mit Is­ra­el bei gleich­zei­ti­ger Hil­fe für die Mus­lim­brü­der und für Ha­mas; Zu­sam­men­ar­beit mit dem Iran auf wirt­schaft­li­chem Ge­biet und ge­gen die Kur­den bei gleich­zei­ti­ger an­ti-schii­ti­scher Rhe­to­rik und Geg­ner­schaft im Sy­ri­en-Kon­flikt.

Im Fal­le Ka­tars zer­reißt in die­sen Ta­gen das kunst­voll ge­spon­ne­ne Netz aus Be­zie­hun­gen zu den un­ter­schied­lichs­ten Ak­teu­ren der Re­gi­on un­ter dem Druck der ara­bi­schen Nach­barn, die sich von den USA er­mun­tert füh­len. Ähn­li­ches könn­te auch auf die Tür­kei zu­kom­men,

die an­ders als die rei­chen Ka­ta­ris von Ölund Ga­s­im­por­ten ab­hängt. Er­do­gans Schnell­schuss zu­guns­ten der Re­gie­rung in Doha dürf­te des­halb nicht das letz­te Wort in die­ser An­ge­le­gen­heit ge­we­sen sein. Ei­ne Kurs­kor­rek­tur in An­ka­ra ist un­aus­weich­lich. Lässt Er­do­gan die Mus­lim­brü­der fal­len, um sich wie­der mit Sau­di-Ara­bi­en und Ägyp­ten ver­tra­gen zu kön­nen? Der Prä­si­dent zeigt bis­her kei­ner­lei Nei­gung zu ei­nem Neu­an­fang, auch weil er da­mit in­di­rekt zu­ge­ben wür­de, dass sei­ne bis­he­ri­ge Po­li­tik ge­schei­tert ist. Im mitt­ler­wei­le ganz auf Er­do­gan zu­ge­schnit­te­nen tür­ki­schen Sys­tem kann die Stur­heit des Man­nes an der Spit­ze ei­ne nö­ti­ge Neu­aus­rich­tung er­schwe­ren – das er­le­ben auch die Eu­ro­pä­er seit Mo­na­ten.

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