„Kaum spür­bar“

Ifo-Chef Fu­est er­war­tet kei­ne Trend­wen­de

Pforzheimer Kurier - - WAHLBEBEN IN GROSSBRITANNIEN - Cle­mens Fu­est

Auch nach dem Wahl­de­ba­kel für En­g­lands Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May rech­net Cle­mens Fu­est nicht mit ei­nem schnel­len Wie­der­ein­tritt Groß­bri­tan­ni­ens in die Eu­ro­päi­sche Uni­on. „Der Br­ex­it ist ein ein­ma­li­ger Vor­gang und vor­erst nicht um­kehr­bar“, sag­te der Prä­si­dent des ifo-In­sti­tuts für Wirt­schafts­för­de­rung bei ei­nem Dis­kus­si­ons­abend der Fried­rich-Nau­mann-Stif­tung mit dem FDP-Eu­ro­pa­ab­ge­ord­ne­ten Micha­el Theu­rer in Karlsruhe.

Mit ei­nem ent­spre­chen­den Frei­han­dels­ab­kom­men wer­den sich die Pro­ble­me beim Han­del mit En­g­land aber trotz des EU-Aus­tritts auch künf­tig in Gren­zen hal­ten. „Es wird zwar Ver­lus­te auf bei­den Sei­ten ge­ben, aber zu­min­dest in Deutsch­land sind die- se kaum spür­bar“, ver­wies Fu­est (Fo­to: Kin­kel) auf ei­ne Si­mu­la­ti­on des ifo-In­sti­tuts. In Groß­bri­tan­ni­en sei­en die ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen des Br­ex­its auf die Wirt­schaft sei­ner Ein­schät­zung nach fünf­mal hö­her, so Fu­est. „Aber auch dort führt der Aus­tritt noch lan­ge nicht zur Ka­ta­stro­phe“, mach­te der Chef des ifoIn­sti­tuts deut­lich. Nicht ab­schät­zen kön­ne er al­ler­dings die Fol­gen des Br­ex­it für In­no­va­tio­nen und die Po­li­tik in der Eu­ro­päi­schen Uni­on, stell­te das Mit­glied im Wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums bei der Ver­an­stal­tung in Karlsruhe klar.

Eu­ro­pa soll­te der­zeit – trotz der De­bat­ten um den Br­ex­it – in ers­ter Li­nie auf sich selbst schau­en. Es ge­he dar­um, sich über die Zu­kunft und die Stär­kung des Eu­ro Ge­dan­ken zu ma­chen. „Eu­ro­pa be­fin­det sich im­mer noch in der tiefs­ten Kri­se seit der Grün­dung der Uni­on“, so Fu­ests Ein­schät­zung, „al­ler­dings spürt man da­von in Deutsch­land we­gen der gu­ten Wirt­schafts­la­ge und der ge­rin­gen Ar­beits­lo­sig­keit nur sehr we­nig“. Die der­zei­ti­gen For­de­run­gen nach ei­ner bes­se­ren Ko­or­di­na­ti­on der eu­ro­päi­schen Fi­nanz­po­li­tik in Brüssel hält der Volks­wirt­schafts­pro­fes­sor al­ler­dings für ge­fähr­lich. „Ein sol­ches Vor­ge­hen führt zu ei­ner Kon­troll-Il­lu­si­on“, so Fu­est. Ekart Kin­kel

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