Zehn Be­grif­fe zu ei­ner Er­fin­dung

Die Drais-Idee von ei­nem „Sitz auf Rä­dern“war der Vor­läu­fer des Fahr­rads

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO -

der Zeit am Ran­de des Exis­tenz­mi­ni­mums.

Som­mer

Als „Jahr oh­ne Som­mer“ging 1816 in die Ge­schich­te ein. Ein schwe­rer Vul­kan­aus­bruch 1815 in In­do­ne­si­en schick­te ei­ne Asche­wol­ke nach Eu­ro­pa. Nach vier Jah­ren mit schlech­ter Ern­te fiel sie 1816 kom­plett aus. Men­schen und Tie­re lit­ten dar­un­ter, vie­le Pfer­de star­ben am Ha­fer­man­gel. In die­sem Kli­ma ent­wi­ckel­te Drais sein Zwei­rad als Al­ter­na­ti­ve zur pfer­de­ge­zo­ge­nen Kut­sche. Oh­ne den Zu­sam­men­hang dar­zu­le­gen. Denn: Die Not­si­tua­ti­on durf­te nicht the­ma­ti­siert wer­den. Die Pres­se un­ter­lag ei­ner stren­gen Zen­sur.

1817

1817 war ein „aus­ge­reif­ter“Pro­to­typ fer­tig. Die Idee für „ei­nen Sitz auf Rä­dern mit den Fü­ßen auf dem Bo­den fort­zu­sto­ßen“hat­te Drais vom Schlitt­schuh­lau­fen ab­ge­lei­tet. Mit Kur­bel­an­trieb hat­te der Tüft­ler vor­her schon bei sei­nem vier­räd­ri­gen Fahr­wa­gen (für den nie­mand In­ter­es­se zeig­te) ex­pe­ri­men­tiert. Bei sei­nem Zwei­rad ver­zich­te­te er be­wusst auf die­se Tech­nik: Dass die Men­schen bei­de Bei­ne vom Bo­den lö­sen, ba­lan­cie­ren, war da­mals über­haupt nicht vor­stell­bar. Schlitt­schuh­läu­fer gal­ten schon als Exo­ten.

12. Ju­ni

Am Don­ners­tag, 12. Ju­ni 1817, setz­te sich Drais auf sein Ge­fährt und un­ter­nahm ei­ne ers­te gro­ße Aus­fahrt. Mit 22 Ki­lo­gramm war es ein Leicht­ge­wicht, weil aus jah­re­lang ge­trock­ne­tem Wal­de­schen­holz ge­fer­tigt. Es hat­te ei­ni­ge noch heu­te be­kann­te De­tails: zwei gleich­gro­ße Rä­der mit ei­nem Durch­mes­ser von 27 Zoll, ein lenk­ba­res Vor­der­rad, ei­nen hö­hen­ver­stell­ba­ren Sat­tel, ei­ne Schleif­brem­se so­wie ei­ne Fahr­rad­stüt­ze zum Ab­stel­len.

Mannheim

Von Mannheim Rich­tung Sch­wet­zin­gen un­ter­nahm der Frei­herr sei­ne auf ge­pflas­ter­ter Chaus­see Jung­fern­fahrt. Auf hal­ber Stre­cke, beim Re­lais­haus Sch­wet­zin­gen (Pfer­de­wech­sel­sta­ti­on der Post), kehr­te Drais um. Mit der Tour hat er „meh­re­re Kunst­lieb­ha­ber … von die­ser sehr in­ter­es­san­ten Fahr­ma­schi­ne über­zeugt“, be­rich­te­te die Zei­tung „Bad­wo­chen­blatt“. Im Ju­li und Au­gust un­ter­nahm der Frei­herr wei­te­re Wer­be­fahr­ten.

Lauf­ma­schi­ne

Zu­nächst als Fahr­ma­schi­ne be­zeich­net, pries Drais sei­ne Er­fin­dung ab Herbst 1817 als Lauf­ma­schi­ne an (um sie von sei­ner frü­he­ren Er­fin­dung, dem Fahr­wa­gen, zu un­ter­schei­den). Die Pres­se wähl­te aber bald die kür­ze­re Be­zeich­nung Drai­si­ne. So wur­de ab 1834 auch ein Zwei­rad ge­nannt, wel­ches auf ei­ner ein­zel­nen Schie­ne fort­be­wegt wur­de. Die­se Idee stamm­te nicht von Karl von Drais.

Schnell

Die Wegstre­cke der Jung­fern­fahrt vor 200 Jah­ren gab Drais mit vier Post­stun­den an. Ei­ne Post­stun­de Weg wa­ren zwei bri­ti­schen Mei­len, al­so 3,2 Ki­lo­me­ter. Ins­ge­samt leg­te er mit sei­ner Lauf­ma­schi­ne dem­nach 12,8 Ki­lo­me­ter zu­rück. Und er brauch­te da­für nur „ei­ne klei­ne St­un­de“. Sprich: Drais war da­mals mit et­wa 13 bis 14

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