Der drit­te von vier Ring-Re­gis­seu­ren in Karlsruhe ist an der Rei­he und setzt auf is­län­di­sche Fan­ta­sie

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Jetzt wird’s span­nend: Of­fen­bar ha­ben die Zu­schau­er heu­te die Chan­ce, warm zu wer­den mit dem „Ring der Viel­falt“am Ba­di­schen Staats­thea­ter. Mit mehr als 500 Re­qui­si­ten und Aus­stat­tungs­ge­gen­stän­den will der Re­gis­seur Thor­lei­fur Örn Ar­nars­son im drit­ten Teil von Richard Wa­g­ners „Der Ring des Ni­be­lun­gen“ein Tor in die Fan­ta­sie- und Sa­gen­welt sei­ner Hei­mat Is­land öff­nen, be­rich­tet der Dra­ma­turg Bo­ris Kehr­mann. Um den Kon­flikt zwi­schen Alt und Jung ent­facht der Is­län­der „ein gro­ßes Schau­ver­gnü­gen. Die Ins­ze­nie­rung ist si­cher­lich das Un­ge­wöhn­lichs­te, was ich zu Wa­gner je­mals ge­se­hen ha­be“, so der Opern­fach­mann, dem vor dem in­ne­ren Au­ge schon Schlag­zei­len wie „Ro­cky Wa­gner Pic­tu­re Show“oder „Kas­per­le und Hel­lo­ween“er­schei­nen. Und er ver­si­chert zwei­er­lei: „Es ei­ne Fan­ta­sie, die wir über­haupt nicht mit Wa­gner ver­bin­den“, aber: „Frü­her oder spä­ter fällt der Gro­schen.“Denn die Re­gie be­ru­fe sich auf die Brü­chig­keit, die Wa­g­ners Ring-Zy­klus zu ei­gen ist. Der Kom­po­nist hat näm­lich das Li­bret­to für „Sieg­fried“noch vor dem für die vor­aus­ge­hen­de „Wal­kü­re“ge­schrie­ben, was die Red­un­dan­zen und lan­gen Mo­no­lo­ge im Sieg­fried er­klä­re. Zu­gleich ist dies die spie­le­rischs­te Oper im Ring-Zy­klus. „Wa­gner hat­te Ver­gnü­gen da­ran, Un­ge­heu­er im Orches­ter schnau­ben zu las­sen und die Stim­me des Dra­chen­sän­gers zu ver­frem­den“, so Kehr­mann. Vö­gel sin­gen So­pran, ein Bär tritt auf, Er­da wird aus ih­rem Schlaf in den Wur­zeln ei­ner Esche ge­ris­sen. Zwer­ge, Rie­sen und Göt­ter stol­pern über ih­re ei­ge­nen krum­men We­ge, lau­ern sich an schä­bi­gen Or­ten auf und bal­gen sich um den Ring und die Scher­ben der Herr­schaft. „Nur Sieg­fried, der Held, weiß nichts vom Wahn der Macht. Er singt fröh­lich-bru­ta­le Lie­der, schlägt al­les kurz und klein und ge­winnt am En­de die Prin­zes­sin.“Die Re­de ist von Brünn­hil­de, die in der Er­in­ne­rung der Karls­ru­her Zu­schau­er mo­men­tan noch auf Eis liegt.

Was bis­her auf der Büh­ne ge­schah im Karls­ru­her Ring aus den Hän­den von vier Re­gis­seu­ren: Da­vid Her­mann nimmt gleich zu Be­ginn die ge­sam­te Ring­hand­lung vor­weg und rafft sie in den Vor­abend. Sein „Rhein­gold“er­zählt sum­ma­risch den ge­sam­ten My­thos in all sei­nen Wir­kun­gen auf Ver­gan­gen­heit, Ge­gen­wart und Zu­kunft. Im Zen­trum der er­fri­schen­den Ins­ze­nie­rung glänz­te Mat­thi­as Wohl­brecht als teuf­li­scher Lo­ge. Ent­schleu­ni­gung bot die „Wal­kü­re“-Ins­ze­nie­rung durch Yu­val Sha­ron. Licht- und Schat­ten­spie­le, der Streit zwi­schen Wo­tan und Fri­cka auf ei­ner von Gold hin­ter­fan­ge­nen Roll­trep­pe brin­gen bild­mäch­ti­ge Mo­men­te. Im drit­ten Akt dann ein kras­ser Sze­nen­wech­sel ins ewi­ge Eis, wo die Wal­kü­ren mit Fall­schir­men vom Him­mel glei­ten und Wo­tan sei­ne un­ge­hor­sa­me Toch­ter ins Eis bannt statt in ei­nen Ring aus Feu­er.

Die­se Vor­la­ge greift Ar­nars­son be­wusst nicht auf. Sein Sieg­fried wird Brünn­hil­de nicht auf­tau­en, so­viel sei ver­ra­ten. Es ist ein Ring der Viel­falt, nicht der ro­ten Fä­den. „Wir woll­ten die Brü­chig­keit be­wusst auf­recht­er­hal­ten“, so Kehr­mann. Isa­bel Step­peler

BLÜ­HEN­DE FAN­TA­SIE MIT ISLÄNDISCHER NO­TE soll die Ins­ze­nie­rung der drit­ten Ring-Oper „Sieg­fried“be­bil­dern. In mehr als 500 Re­qui­si­ten agie­ren Sieg­fried (Erik Fen­ton), Al­be­rich (Ja­co Ven­ter), Mi­me (Mat­thi­as Wohl­brecht) und der Wald­vo­gel (Ulia­na Ale­xyuk). Fo­tos (3): Falk von Trau­ben­berg

DAS RHEIN­GOLD wol­len Lo­ge (Mat­thi­as Wohl­brecht) und Wo­tan (Re­na­tus Mes­zar) im Vor­abend der Te­tra­lo­gie zu­rück.

DIE WAL­KÜ­RE IM EIS: Brünn­hil­de (Hei­di Mel­ton) und Wo­tan (Re­na­tus Mes­zar) im zwei­ten Teil des Ring-Zy­klus.

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