Po­li­zei setzt auf In­fo-Kam­pa­gne

Nach Mor­den an zwei Pro­sti­tu­ier­ten geht in Nürn­berg die Angst um / Fäl­le oft schwer auf­zu­klä­ren

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Ca­the­ri­ne Si­mon

Nürn­berg. Ei­ne 30-Jäh­ri­ge in Nürn­berg, ei­ne 35-Jäh­ri­ge in Re­gens­burg und so­gar gleich zwei Frau­en in ei­ner Nacht in Hof: Vie­le Mor­de an Pro­sti­tu­ier­ten wer­den nie­mals auf­ge­klärt oder erst nach Jahr­zehn­ten.

Bei meh­re­ren sol­cher Ver­bre­chen in Bay­ern sucht die Po­li­zei auch nach 25 oder 30 Jah­ren noch im­mer nach den Tä­tern. Auch in zwei ak­tu­el­len Fäl­len aus Nürn­berg tappt die Po­li­zei noch im Dun­keln. Das Bun­des­kri­mi­nal­amt stuft Pro­sti­tu­ier­te als „Grup­pe mit ho­hem Op­fer­ri­si­ko“ein. Ei­ne Be­ra­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on sieht das an­ders. In Nürn­berg sind in­ner­halb we­ni­ger Ta­ge zwei Pro­sti­tu­ier­te

Vie­le Frau­en hal­ten sich nur kurz in ei­ner Stadt auf

ge­tö­tet wor­den: ei­ne 22-jäh­ri­ge Ru­mä­nin und ei­ne 44 Jah­re al­te Frau aus Chi­na. To­des­ur­sa­che war in bei­den Fäl­len „Ge­walt ge­gen den Hals“, wie die Po­li­zei schreibt. Die Er­mitt­ler ge­hen da­von aus, dass es sich um den­sel­ben Tä­ter han­delt. Dies le­gen die Ob­duk­ti­ons­er­geb­nis­se und die „Auf­fin­de­si­tua­tio­nen an den Tat­or­ten“na­he. Bei­de Frau­en wa­ren erst seit kur­zem in Nürn­berg und bei­de Ta­ten er­eig­ne­ten sich in so­ge­nann­ten Mo­dell­woh­nun­gen. Die­se Ein­zim­mer-Apart­ments in Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern wer­den von den Pro­sti­tu­ier­ten meist nur für kur­ze Zeit an­ge­mie­tet. Vie­le der Frau­en hal­ten sich oft nur kurz in ei­ner Stadt auf. Sie rei­sen eu­ro­pa­weit her­um. Dies er­schwert die Ar­beit der Er­mitt­ler: Oft kann­ten die Op­fer noch nie­man­den in der Stadt – al­les spielt sich in der An­ony­mi­tät ab.

Die Aus­sa­ge­be­reit­schaft im Rot­licht­mi­lieu sei au­ßer­dem „nicht die bes­te“, sagt Po­li­zei­spre­cher Micha­el Pet­zold. 60 Be­am­te klap­per­ten al­le rund 240 bor­dell­ar­ti­gen Ein­rich­tun­gen im Raum Nürn­berg ab und ver­teil­ten dort ei­nen Fahn­dungs­auf­ruf in fünf ver­schie­de­nen Spra­chen. Ziel sei, da­bei mit mög­lichst vie­len Sex­ar­bei­te­rin­nen ins Ge­spräch zu kom­men, sag­te Pet­zold. Denn die meis­ten der Frau­en hät­ten von den zwei Ver­bre­chen noch gar nichts mit­be­kom­men. Et­wa 90 Pro­zent der Pro­sti­tu­ier­ten sei­en Aus­län­de­rin­nen. Laut „Kas­san­dra“, der Nürn­ber­ger Be­ra­tungs­stel­le für Pro­sti­tu­ier­te, sind jetzt vie­le Sex­ar­bei­te­rin­nen in der Stadt ver­ängs­tigt. Den­noch wol­le kei­ne von ih­nen auf­hö­ren zu ar­bei­ten. „Si­cher­lich ha­ben es auch nicht al­le mit­be­kom­men“, sagt die Spre­che­rin San­dra Itt­ner. Vie­le der aus­län­di­schen Frau­en ver­stün­den die deut­schen Be­rich­te nicht.

Das letz­te töd­li­che Ver­bre­chen an ei­ner Pro­sti­tu­ier­ten in Nürn­berg gab es vor 14 Jah­ren: Die Be­ra­te­rin­nen von „Kas­san­dra“fin­den nicht, dass Pro­sti­tu­ier­te stär­ker ge­fähr­det sind als an­de­re Be­rufs­grup­pen. Die Aus­sa­ge zum hö­he­ren Op­fer­ri­si­ko „wür­den wir nicht un­ter­schrei­ben“, sagt Itt­ner. Nürn­berg sei nach ih­rer Er­fah­rung ein fried­li­ches Pflas­ter in Sa­chen Pro­sti­tu­ti­on. „Die Frau­en, die zu uns kom­men, be­rich­ten sel­ten von Zwangs­pro­sti­tu­ti­on und Ge­walt.“

Vie­le Si­cher­heits­maß­nah­men sei­en zwar wün­schens­wert, aber un­rea­lis­tisch – et­wa in Ge­bäu­den mit Über­wa­chungs­ka­me­ras zu ar­bei­ten: „Vie­le Frei­er wür­den dann ab­ge­schreckt.“

ZWEI PO­LI­ZIS­TEN kle­ben in ei­nem bor­dell­ähn­li­chen Eta­blis­se­ment in Nürn­berg ei­nen Fahn­dungs­auf­ruf in ver­schie­de­nen Spra­chen an ei­ne Glas­tür. Durch die In­for­ma­ti­ons­kam­pa­gne er­hofft sich die Po­li­zei neue Hin­wei­se zu den Mor­den an zwei Pro­sti­tu­ier­ten. Fo­to: dpa

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