Grün­brü­cke ist zu kurz für „Tun­nel“

Beim ers­ten Teil der Pforz­hei­mer West­tan­gen­te liegt nach gut ein­ein­halb Jah­ren al­les im Zeit­plan

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Roth

Es dient ganz ein­fach der Voll­stän­dig­keit: Auch Zau­nei­dech­sen ge­hö­ren zur West­tan­gen­te. Et­wa 50 der Tie­re wur­den um­ge­sie­delt. Sie le­ben jetzt auf ei­nem ein­ge­zäun­ten und re­gel­mä­ßig ge­mäh­ten Grund­stück. Der Am­phi­bi­en­schutz­zaun kommt spä­tes­tens dann weg, wenn die Ar­bei­ten am ers­ten Bau­ab­schnitt bis zur Diet­lin­ger Stra­ße be­en­det sind. Das soll „im zwei­ten Quar­tal 2019“sein, sagt der Lei­ter des Bau­re­fe­rat Mit­te im Re­gie­rungs­prä­si­di­um Karlsruhe, Jür­gen Genth­ner. Pro­jekt­lei­ter Micha­el Schwab sieht da­für „al­les im Zeit­plan“.

Ak­tu­ell brum­men täg­lich 17 Lkw an der Heil­bron­ner Stra­ße durch die im No­vem­ber fer­tig­ge­stell­te Über­füh­rung. Es geht dar­um, al­les für ei­ne neue Brü­cke vor­zu­be­rei­ten: die Grün­brü­cke Mit­tels­berg­weg. Wenn man sich vor­stellt, dass da­für ein Erd­aus­hub von 70 000 Ku­bik­me­tern mit teils manns­ho­hen Mu­schel­kalk-Fels­bro­cken be­wegt wer­den muss, kann man in et­wa die Di­men­si­on des Auf­wands er­ah­nen.

„Die Hälf­te des Aus­hubs wird von der Fir­ma auf ei­ner De­po­nie ge­la­gert, die an­de­re Hälf­te bau­en wir wie­der ein“, er­klärt Micha­el Schwab. Erst raus, dann wie­der rein? So ist es. Und zwar an der Stel­le, an der die neue B 463 von der Au­to­bahn A8 An­schluss­stel­le Pforz­heim West Rich­tung Bröt­zin­gen im Rah­men der West­tan­gen­te ge­baut wird. Dort wird jetzt die Bau­gru­be für die neue Grün­brü­cke Mit­tels­berg­weg aus­ge­ho­ben. Die Brü­cke sieht auf dem Plan aus wie ein Tun­nel. Ihr feh­len aber zwei Me­ter Län­ge. Des­halb darf sie nicht Tun­nel hei­ßen. Fakt ist aber, dass die Au­to­fah­rer auf der B 463 in Zu­kunft 15 Me­ter un­ter der Er­de fah­ren wer­den. Über ih­nen grünt und blüht es dann wie­der. Auf das Bau­werk kommt die Hälf­te des Aus­hubs, dar­auf wird ge­pflanzt, der Wan­der­weg wie­der ein­ge­rich­tetund es kön­nen Wild­tie­re gra­sen. Der Aus­hub ist die Vor­ar­beit und Mit­te Ju­li be­en­det. Im Mo­ment wächst und grast noch nichts, die Brum­mis ge­ben den Ton an. Sie fah­ren fast im Mi­nu­ten­takt zu ei­ner Wald­lich­tung auf Pforz­hei­mer Ge­mar­kung „Bern­hard­häule­loch“. Dort wohn­ten einst die Ei­dech­sen, die jetzt ihr Quar­tier auf der Kohl­plat­te ha­ben. Auf der Zwi­schen­la­ger­flä­che wer­den jetzt am lau­fen­den Band St­ein­bro­cken auf wie­der ver­wert­ba­re Grö­ße ge­schred­dert.

Am an­de­ren En­de des Bau­ab­schnitts Rich­tung Diet­lin­ger Stra­ße sind be­reits Vor­ar­bei­ten ge­leis­tet wor­den, da­mit der Pforz­heim und Diet­lin­gen ver­bin­den­de ehe­ma­li­ge Rö­mer­west­weg – auch als Vieh­weg be­kannt – un­ter der West­tan­gen­te fort­ge­führt wer­den kann. Die Ar­bei­ten für das letz­te der ins­ge­samt vier Bau­wer­ke (Ab­schnitt eins) wur­den gera­de ver­ge­ben: die Über­füh­rung der neu­en Bun­des­stra­ße 463 über die Diet­lin­ger Stra­ße (L 562).

Rich­tig un­ter die Er­de geht es mit dem Bau des 1,36 Ki­lo­me­ter lan­gen Ar­lin­ger Tun­nels durch Mu­schel­kalk und Löß­lehm. Die Ab­nah­me des Bau­ab­schnitts eins soll Hand in Hand mit dem Bau­be­ginn des Ar­lin­ger Tun­nels ge­hen. Die eu­ro­pa­weit En­de 2018 aus­zu­schrei­ben­de Maß­nah­me hat ei­ne Grö­ßen­ord­nung von 60 Mil­lio­nen Eu­ro. Der Bau­be­ginn ist für Mit­te 2019 ge­plant, Er­öff­nung soll En­de 2023 sein. Vor­aus­set­zung ist, dass kein un­ter­le­ge­ner Bie­ter klagt. Dies könn­te laut Jür­gen Genth­ner mo­na­te­lan­ge Ver­zö­ge­rung mit sich brin­gen.

VON DER ÜBER­FÜH­RUNG HEIL­BRON­NER STRASSE schau­en Jür­gen Genth­ner (links) und Pro­jekt­lei­ter Micha­el Schwab auf den Erd­aus­hub für die Grün­brü­cke Mit­tels­berg­weg. Fo­to: Roth

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