Hil­fe ge­gen den Schock der Dia­gno­se

Lan­des­ta­gung der Frau­en­selbst­hil­fe nach Krebs nimmt auch Män­ner in den Blick

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jür­gen Pe­che

Fra­gen der Kom­ple­men­tär­me­di­zin und der In­te­gra­ti­ven Me­di­zin wäh­rend und nach ei­ner Krebs­the­ra­pie ste­hen im Mit­tel­punkt der drei­tä­gi­gen Lan­des­ta­gung der „Frau­en­selbst­hil­fe nach Krebs“, die ges­tern im Con­gres­sCen­trum Pforz­heim be­gann. Die rund 120 Teil­neh­mer sind De­le­gier­te der 62 Grup­pen des Ver­eins in Ba­den-Würt­tem­berg. Sie be­gan­nen ges­tern mit zahl­rei­chen Work­shops zu The­ra­pie so­wie Vor- und Nach­sor­ge von Krebs­er­kran­kun­gen.

„Noch im­mer ist die Mei­nung der Ärz­te­schaft ge­spal­ten bei der Fra­ge von Al­ter­na­ti­ven zur Schul­me­di­zin in der Krebs­be­hand­lung“, er­läu­tert die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des Lan­des­ver­bands, Su­san­ne Mandl. Kom­ple­men­tär­me­di­zin ver­su­che Schul­me­di­zin ei­ner­seits und al­ter­na­ti­ve Me­di­zin wie Ho­möo­pa­thie oder an­thro­po­so­phi­sche Me­di­zin an­de­rer­seits zu ver­bin­den. Die Ta­gung steht un­ter der Schirm­herr­schaft von Ger­lin­de Kret­sch­mann. Sie fin­det seit Jah­ren in Pforz­heim statt.

Die Lis­te der Work­shops spie­gelt die Mög­lich­kei­ten wie­der, Krebs nach der Be­hand­lung die Stirn zu bie­ten: Es geht um pflanz­li­che Hel­fer für mehr Wohl­be­fin­den, me­di­ta­ti­ves Tan­zen, Er­näh­rung, Pad­deln als Re­ha-Sport oder auch Pil­gern.

Die Fra­ge nach ei­ner Krebs­di­ät, die vie­le Frau­en be­wegt, be­ant­wor­tet die Vor­sit­zen­de des Lan­des­ver­bands, Chris­ta Ha­sen­brink mit ei­nem kla­ren „Nein, die gibt es nicht“. Es wer­de aus­ge­wo­ge­ne Kost mit viel Obst und Ge­mü­se emp­foh­len, die all­ge­mein das Im­mun­sys­tem stär­ke. Bei Heils­ver­spre­chen von Pro­phe­ten im Fernsehen oder in Bü­chern ge­he es nur ums Geld. „Krebs­kran­ke Men­schen sind sehr sen­si­bel und stür­zen sich schnell auf ei­ne er­hoff­te Ret­tung vor dem Tod“, warnt Ha­sen­brink. Sie be­trach­tet es als zen­tra­le Auf­ga­be der Frau­en­selbst­hil­fe nach Krebs, hier auf­zu­klä­ren, Pa­ti­en­tin­nen zu schüt­zen und zu hel­fen, den Schock der Dia­gno­se und die Angst zu mil­dern.

Um die Kom­ple­men­tär­me­di­zin dreht sich der heu­ti­ge Sams­tag mit Vor­trä­gen des Tu­mor­bio­lo­gen Joa­chim Weis aus Frei­burg und des Lei­ters der Ho­möo­the­ra­peu­ti­schen Ab­tei­lung der Kli­nik Hei­den­heim, Andre­as Lau­bers­hei­mer. In ei­ner Po­di­ums­dis­kus­si­on tau­schen Lau­bers­hei­mer mit Pa­ti­en­ten und Ver­tre­tern der AOK und des Apo­the­ken­ver­ban­des An­sicht zur Kom­ple­men­tär­me­di­zin aus. Die pro­vo­kan­tes­te Fra­ge da­bei ist laut Ha­sen­brink die meist feh­len­de Fi­nan­zie­rung durch die ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen. Dort ist die­se Kom­bi­na­ti­on aus Schul­me­di­zin und al­ter­na­ti­ver Me­di­zin in der Re­gel ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung. „Lasst euch nicht gleich ab­wim­meln“, ist die Bot­schaft der Lan­des­vor­sit­zen­den, „und schaut, was euch gut tut“.

Die „Netz­werk­statt Krebs“ist noch ei­ne jun­ge Ein­rich­tung des Ver­eins für jun­ge Frau­en, die an Krebs er­krankt sind. „In Deutsch­land sind zu­neh­mend Frau­en ab Mit­te 20 von Krebs be­trof­fen. Sie ha­ben an­de­re Pro­ble­me als äl­te­re Men­schen“, sagt Su­san­ne Mandl. Da ge­he es um Fra­gen wie Kin­der­wunsch oder be­ruf­li­ches Wei­ter­kom­men. Au­ßer­dem such­ten jün­ge­re Men­schen an­de­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le, al­so In­ter­net und so­zia­le Me­di­en. Da sei ein sol­ches Netz­werk sehr hilf­reich. Di­rek­te Kom­mu­ni­ka­ti­on soll dar­über nicht zu kurz kom­men: „Per­sön­li­che Tref­fen sind wei­ter nö­tig, schon um sich mal zu um­ar­men oder ge­mein­sam zu la­chen oder zu wei­nen.“

Neu ist ein Netz­werk für Män­ner: Laut Mandl sind fünf Pro­zent der Neu­er­krank­ten bei Brust­krebs Män­ner, die dann eben­falls zum Frau­en­arzt müs­sen und die glei­che The­ra­pie be­kom­men, wie Frau­en. „Aber viel mehr Schwie­rig­keit ha­ben, sich zu ou­ten und oft in un­an­ge­neh­me Si­tua­tio­nen ge­ra­ten.“

DIE FAR­BE DER HOFF­NUNG als Schal tra­gen die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de Su­san­ne Mandl und die Lan­des­vor­sit­zen­de Chris­ta Ha­sen­brink (rechts) bei der Lan­des­ta­gung Frau­en­selbst­hil­fe nach Krebs. Fo­to: Wa­cker

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