Flücht­lin­ge ler­nen Ar­beits­welt ken­nen

Stadt und Enz­kreis zie­hen FIM-Zwi­schen­bi­lanz

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Thors­ten Esch­mann

Kha­lu­si Ba­ker ist 40 Jah­re alt. Der Sy­rer wohnt in Nie­fern und war­tet als Asyl­be­wer­ber auf sei­ne An­er­ken­nung. Im Fo­rum Ho­hen­wart ar­bei­tet er als Haus­tech­ni­ker. „Ich bin glück­lich, weil ich die Chan­ce ha­be, hier zu ar­bei­ten.“Er ist ei­ner von 26 Flücht­lin­gen, die der­zeit bei der am Land­rats­amt des Enz­krei­ses an­ge­sie­del­ten För­der­inte­gra­ti­ons­maß­nah­me (FIM) teil­neh­men. 15 Plät­ze sind noch frei. Ziel sei es, den Mi­gran­ten Grund­re­geln des Zu­sam­men­le­bens und die deut­sche Spra­che im Ar­beits­all­tag zu ver­mit­teln.

FIM ist ein Pro­jekt des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ar­beit und So­zia­les. Der Ver­ein mit­ein­an­der­le­ben setzt es in Pforz­heim und dem Enz­kreis um.

Sechs Mo­na­te ar­bei­ten die Asyl­be­wer­ber in Ein­rich­tun­gen. Es han­delt sich um zu­sätz­li­che und ge­mein­nüt­zi­ge Stel­len, die als ei­ne Ein­gangs­tür für ei­ne Fest­an­stel­lung wir­ken sol­len. Die Teil­nah­me am FIM-Pro­jekt ist auf sechs Mo­na­te be­grenzt. Fehlt da­nach wei­ter ei­ne An­er­ken­nung, kann die Ar­beits­stel­le auf ein Jahr ver­län­gert wer­den.

Die Ar­beit­ge­ber kom­men aus un­ter­schied­li­chen Be­rei­chen. Der Ta­fel­la­den oder die Feu­er­wehr in Mühl­acker ha­ben bei­spiels­wei­se zwei FIM-Stel­len ge­schaf­fen. Auch auf den Bau­hö­fen der Re­gi­on ar­bei­ten Flücht­lin­ge. Beim Fo­rum Ho­hen­wart ist ne­ben Kha­lu­si Ba­ker auch Sun­ny Or­hue an­ge­stellt. Der 47-Jäh­ri­ge ist froh, in Deutsch­land die Chan­ce zu be­kom­men, sei­ne Fä­hig­kei­ten in die Ar­beits­welt ein­zu­brin­gen.

„Wir als kirch­li­cher Trä­ger se­hen un­se­re Ver­ant­wor­tung dar­in, die­se Men­schen zu un­ter­stüt­zen“, sagt Ge­schäfts­füh­rer Ger­hard Höt­ger, der in sei­nem Haus bis zu fünf Asyl­be­wer­ber über das In­te­gra­ti­ons­an­ge­bot be­schäf­ti­gen könn­te. Die Be­reit­schaft der Mit­ar­bei­ter, die­ses Pro­jekt zu un­ter­stüt­zen, sei für ein er­folg­rei­ches Zu­sam­men­ar­bei­ten wich­tig.

Bis zu fünf Ta­ge in der Wo­che ar­bei­ten die Flücht­lin­ge in den Be­trie­ben mit und er­hal­ten zu­sätz­lich zur fi­nan­zi­el­len Un­ter­stüt­zung, die sie an­sons­ten be­kom­men, 80 Cent pro St­un­de. Fahr­kar­ten wer­den eben­so be­zahlt. Um das Geld ge­he es je­doch nicht, wie Ves­na Se­grt, Ge­schäfts­füh­re­rin von mit­ein­an­der­le­ben be­tont: „Wich­tig ist es den Flücht­lin­gen, un­ter Men­schen zu sein.“

Lu­kas Klin­gen­berg vom Amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge im Enz­kreis er­gänzt: „Es geht auch dar­um, bei den Asyl­be­wer­bern ein Selbst­wert­ge­fühl zu schaf­fen.“

Sprach­kurs soll Chan­cen ver­bes­sern

Zu­sätz­lich zu den Ar­beits­plät­zen wird für die­se Grup­pe auch ein Sprach­kurs an­ge­bo­ten. Die­ser fin­det ein­mal wö­chent­lich statt. Dort wer­den auch be­rufs­spe­zi­fi­sche Fach­be­grif­fe un­ter­rich­tet. Das An­ge­bot er­gän­ze das FIM-Pro­jekt sinn­voll, da Sprach­kennt­nis­se für den wei­te­ren Le­bens­weg sehr wich­tig sei­en, be­to­nen die Ver­ant­wort­li­chen. „Ich ler­ne hier sehr schnell vie­le deut­sche Wör­ter, da ich sie bei der Ar­beit täg­lich be­nut­ze“, be­rich­tet Kha­lu­si Ba­ker von sei­nen Er­fol­gen. Ein sol­cher zu­sätz­li­cher Sprach­kurs, der sich an al­le FIM-Teil­neh­mer rich­tet, sei ei­ne Be­son­der­heit im Enz­kreis.

„Letzt­end­lich geht es um je­den ein­zel­nen, den wir in die La­ge ver­set­zen kön­nen, sei­nen Le­bens­un­ter­halt selbst zu ver­die­nen“, sagt So­zi­al­de­zer­nent Ro­land Hüb­ner. „Man wird das Pro­jekt aber erst rich­tig be­wer­ten kön­nen, wenn ei­ni­ge Zeit ver­gan­gen ist.“

Ein 29-jäh­ri­ger Sy­rer wur­de nach sei­ner An­er­ken­nung erst vor kur­zem über­nom­men. Er ar­bei­tet nun bei ei­ner Rei­ni­gungs­fir­ma. Ein fes­ter Ar­beits­platz ist auch das Ziel von Kha­lu­si Ba­ker und Sun­ny Or­hue. Ei­nen ers­ten Schritt ha­ben die bei­den ge­macht.

PO­SI­TI­VES ZWISCHENFAZIT: Ro­land Hüb­ner, Ves­na Se­grt, Sun­ny Or­hue, Ger­hard Höt­ger und Kha­lu­si Ba­ker (von links) be­rich­ten von der In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen in Pforz­heim und dem Enz­kreis. Fo­to: Wa­cker

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