Die Py­ra­mi­de lässt die Hül­len fal­len

Das neue Ge­sicht der Ci­ty wird mit dem Rück­zug der U-Strab-Bau­stel­len lang­sam er­kenn­bar

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ru­pert Huste­de

Seit vier Jah­ren steckt es im Schutz­kleid aus Holz. Das Karls­ru­her Wahr­zei­chen steht im Zen­trum der Bau­stel­len­stadt selbst zwi­schen Bag­gern, Krä­nen und Zäu­nen. Die Ver­hül­lung der Py­ra­mi­de be­legt bei­spiel­haft, wie stark das Stadt­bild im U-Strab-Bau-Jahr­zehnt lei­det. Doch 2017, die ach­te Sai­son des Bud­delns und Be­to­nie­rens un­ter und in der Ci­ty, ist das Jahr der Wen­de: Zwar ha­ben die Tun­nel­bau­er noch im­mer die wich­tigs­ten Flä­chen wie Eu­ro­pa­platz, Markt­platz und Ber­li­ner Platz in Be­schlag ge­nom­men. Doch ihr Rück­zug ist be­reits er­kenn­bar. Und er soll bis Weih­nach­ten ab­ge­schlos­sen sein – von klei­nen Zo­nen um die dann ver­schlos­se­nen Trans­port­lu­ken und um die re­gu­lä­ren Ab­gän­ge in die Un­ter­welt der Gleis­stadt ab­ge­se­hen. Die­ses Ver­spre­chen will Uwe Kon­rath, Chef des städ­ti­schen U-Stra­bBau­herrn Ka­sig, hal­ten. „Wir ha­ben es vor, auch wenn es knapp wird“, meint Kon­rath. Und so räumt er ein: „Es ist noch nicht si­cher, dass das ge­lingt.“Vor­aus­set­zung sei, dass die Roh­bau­ar­bei­ten an der U-Strab-Sta­ti­on un­ter dem Markt­platz bis En­de Sep­tem­ber er­le­digt sei­en. Zu­dem sei die Ent­wick­lung auf dem Markt­platz und da­mit auch das Aus­scha­len der Py­ra­mi­de da­von ab­hän­gig, wie schnell die Be­to­nin­nen­scha­le des Süd­ab­zweig­tun­nels zwi­schen Markt­platz und Ett­lin­ger Tor wächst. Wer­den doch da­zu die Berg­leu­te auch vom Markt­platz in die Druck­kam­mer un­ter der Karl-Fried­rich-Stra­ße ein­ge­schleust.

Auch die Rat­haus­po­li­ti­ker wol­len den Bür­gern end­lich zei­gen, wie die neue Ci­ty lang­sam Gestalt an­nimmt. Hinkt man da­bei doch rund vier Jah­re hin­ter der zu Bau­be­ginn 2010 vor­ge­ge­be­nen Marsch­ta­bel­le hin­ter­her. Dem­nach hät­te die U-Strab ei­gent­lich schon seit ei­nem hal­ben Jahr durch die Röh­re rol­len sol­len. In­zwi­schen steu­ert man da­für En­de 2020 an.

Nun be­steht al­so die Chan­ce, dass im Ad­vent die Holz­ver­scha­lung ab­ge­nom­men wird und die ba­di­sche Son­ne wie­der wie vor 2014 den nack­ten Sand­stein­kör­per über der Gruft des Stadt­grün­ders Karl Wil­helm be­strahlt. Seit 1825, al­so auch schon 192 von 302 Jah­ren Stadt­ge­schich­te, schmückt die ba­di­sche Klein­aus­ga­be der geo­me­tri­schen Gr­ab­mo­nu­men­te des Nil­tals den Karls­ru­her Markt­platz. Die Py­ra­mi­de wird wie­der zum Al­lein­stel­lungs­merk­mal der Fä­cher­stadt, das den Markt­platz do­mi­niert. Gleich nach 2020, wenn dann die U-Strab wirk­lich fährt, könn­te zu­min­dest der Markt­platz völ­lig frei von Bau­stel­len­zäu­nen und mit fei­nen Plat­ten ver­sie­gelt sein. Nur neue Kan­de­la­ber und Bän­ke, aber kei­ne Bäu­me ste­hen dann auf der Platz­plat­te um die Py­ra­mi­de. Es könn­te al­ler­dings sein, dass in vier Jah­ren auch der stei­ner­ne Lud­wig mit Brun­nen auf sei­nen Stamm­platz zwi­schen Rat­haus und Stadt­kir­che zu­rück­ge­kehrt ist. Auch der Greif könn­te um 2020 nach zehn Jah­ren Ab­we­sen­heit wie­der in 15 Me­ter Hö­he auf dem Gre­na­dier­denk­mal den Eu­ro­pa­platz wie in den 85 Jah­ren seit 1925 über­wa­chen.

Auf ei­ne von vie­len lieb ge­won­ne­ne In­stal­la­ti­on aber müs­sen die Karls­ru­her schon über­nächs­te Wo­che ver­zich­ten: Das Blaue Rohr, das sich in drei Me­ter Hö­he seit dem Stadt­ge­burts­tags­jahr 2015 durch den Schlauch Kai­ser­stra­ße vom Dur­la­cher Tor quer durch die Ci­ty bis zum Eu­ro­pa­platz zieht, ver­schwin­det. Die schmu­cke Ha­va­rie­lei­tung hat aus­ge­dient. Denn ex­akt heu­te ist 20 Me­ter un­ter dem „Eu­ro“das letz­te Sechs­tel der die U-Sta­ti­on sta­bi­li­sie­ren­den, bis zu 3,15 Me­ter di­cken Bo­den­plat­te fer­tig ge­gos­sen.

Sehr frag­lich ist da­ge­gen, ob die blaue Stahl­skulp­tur „Ett­lin­ger Tor“, die seit 2011 an der Süd­tan­gen­te ge­parkt ist, an ih­ren al­ten Platz auf der Kriegs­stra­ße über der Kom­bi-Kreu­zung von U-Strab und Au­to­tun­nel Kriegs­stra­ße zu­rück­kommt.

Auf ein gro­ßes Stück Zu­kunft kön­nen die Karls­ru­her aber jetzt schon mal an der Ein­mün­dung der Kreuz- in die Kai­ser­stra­ße tre­ten.

Ge­gen­über der Klei­nen Kir­che sind zum Test die St­ei­ne ver­legt, mit der die Kai­ser­stra­ße frü­hes­tens ab 2022, wenn der Au­to­tun­nel Kriegs­stra­ße die Kom­bi­lö­sung kom­plet­tiert, ab­schnitts­wei­se ge­pflas­tert wer­den soll.

DIE ZEIT KOMMT WIE­DER für das Wahr­zei­chen der Stadt: Vi­el­leicht zu Weih­nach­ten kön­nen die Karls­ru­her ih­re Py­ra­mi­de vom Holz be­freit se­hen. Vier Jah­re war sie dann zu ih­rem Schutz vor dem U-Strab-Bau­ge­sche­hen auf dem Markt­platz ver­packt. Fo­tos: Sand­bil­ler

DIE ZEIT BRICHT AN für ei­ne Fuß­gän­ger­zo­ne Kai­ser­stra­ße oh­ne Schie­nen – vi­el­leicht ist es 2022 so weit. Jetzt ist im­mer­hin in der Kreuz­stra­ße der neu­es­te Test­be­lag ver­legt.

DIE ZEIT LÄUFT AB für das Blaue Rohr. Ab 19. Ju­ni wird die Was­ser­lei­tung über der Kai­ser­stra­ße de­mon­tiert.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.