„Wei­chen­stel­lung für die nächs­ten 50 Jah­re“

Bis zu 325 Mil­lio­nen Eu­ro für Sa­nie­rung und An­bau des Thea­ters / Su­che nach Ein­spar­mög­lich­kei­ten

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ti­na Kampf

Ges­tern Abend hat nun auch das Land re­agiert: Stutt­gart be­stä­tigt den BNNBe­richt, dass die Sa­nie­rung und die Er­wei­te­rung des Ba­di­schen Staats­thea­ters deut­lich teu­rer wer­den als ge­dacht – und ver­öf­fent­licht Zah­len, die noch über den bis­her hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand ge­nann­ten Sum­men lie­gen.

Die nun vor­lie­gen­den vor­aus­sicht­li­chen Ge­samt­kos­ten des Pro­jekts be­we­gen sich dem­nach in ei­nem Rah­men von 270 bis 325 Mil­lio­nen Eu­ro. Im Som­mer 2015 war von 125 Mil­lio­nen Eu­ro die Re­de. Al­ler­dings wa­ren da­mals un­ter an­de­rem die Bau­her­ren­ri­si­ken so­wie nut­zer­spe­zi­fi­sche Kos­ten wie die Aus­stat­tung nicht ent­hal­ten.

„Im Ge­gen­satz zu den ers­ten bis­her vor­lie­gen­den Zah­len und im Zu­ge der wei­te­ren Kon­kre­ti­sie­rung des Bau­vor­ha­bens ha­ben wir jetzt erst­mals ei­ne Ge­samt­be­trach­tung al­ler Kos­ten­fak­to­ren. Der uns jetzt vor­lie­gen­de Kos­ten­rah­men zeigt die Trag­wei­te und den Um­fang des Pro­jekts auf, das Neu­bau, Sa­nie­rung und In­te­rims­lö­sung mit ein­be­zieht“, er­klärt Kunst­mi­nis­te­rin The­re­sia Bau­er.

In ei­nem ers­ten Schritt gel­te es jetzt, die tat­säch­lich an­fal­len­den Kos­ten ge­nau zu er­mit­teln, so die in Karlsruhe le­ben­de Fi­nanz­staats­se­kre­tä­rin Gi­se­la Splett. Es ma­che kei­nen Sinn, nun mit vor­läu­fi­gen Zah­len zu agie­ren oder ei­nen po­li­tisch mo­ti­vier­ten Kos­ten­de­ckel vor­zu­ge­ben, der nicht rea­lis­tisch ist. „Wir brau­chen bis zur nächs­ten Ver­wal­tungs­rats­sit­zung ei­ne be­last­ba­re Grö­ße als Grund­la­ge für un­se­re Ent­schei­dun­gen, die der­zeit auch durch ein ex­ter­nes Gut­ach­ten ge­prüft wird“, sagt Splett.

Ober­bür­ger­meis­ter Frank Men­trup er­klärt: „Die Ver­tie­fung der Pla­nung er­mög­licht uns nun erst­mals, ei­nen Kor­ri­dor für ei­ne Voll­kos­ten­rech­nung in­klu­si­ve ei­nes deut­li­chen Ri­si­ko­zu­schlags zu be­nen­nen, mit dem wir das Ge­samt­pro­jekt dem Ge­mein­de­rat zur Dis­kus­si­on über das wei­te­re Vor­ge­hen vor­stel­len kön­nen.“OB, Bau­er und Splett schrei­ben in der Mit­tei­lung, „wie wich­tig Trans­pa­renz hin­sicht­lich der Ent­wick­lung der Pla­nun­gen und der hier­für kal­ku­lier­ten Kos­ten“sei.

Grün­de für die Zu­satz­kos­ten sei­en ne­ben all­ge­mei­nen Bau­preis­stei­ge­run­gen, er­höh­ten Bau­neben­kos­ten und Ri­si­ko­puf­fern der hö­he­re Flä­chen­be­darf zu­guns­ten ei­ner be­triebs­wirt­schaft­lich sinn­vol­len Funk­tio­na­li­tät des Thea­ters. Au­ßer­dem müs­se in Fol­ge des Wett­be­werb­s­er­geb­nis­ses stär­ker als ge­dacht in den Be­stand ein­ge­grif­fen wer­den. Zu­dem sei­en die tech­ni­schen Stan­dards des Staats­thea­ters ge­stie­gen. „Hin­zu kom­men die vor­be­rei­ten­den Kos­ten, die Zu­satz­kos­ten für die Auf­recht­er­hal­tung des Spiel­be­triebs und die Auf­wen­dun­gen für die Gestal­tung des Thea­ter­vor­plat­zes“, teilt das Land mit, das sich mit der Stadt die Kos­ten für das Pro­jekt teilt. In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten sei be­reits nach Ein­spar­po­ten­zia­len ge­sucht wor­den. Da­bei ha­be sich ge­zeigt, dass Ein­spa­run­gen nur bei In­k­auf­nah­me funk­tio­na­ler Ein­schrän­kun­gen mög­lich sei­en. Die Kos­ten­hö­he ma­che es aber er­for­der­lich, sich Mög­lich­kei­ten für ei­ne Kos­ten­re­du­zie­rung noch ge­nau­er an­zu­se­hen. Des­halb wer­de der­zeit die Pla­nung hin­sicht­lich Pro­gramm, Stan­dards und Kos­ten durch ein ex­ter­nes Gut­ach­ten auf Plau­si­bi­li­tät ge­prüft, be­vor bei der nächs­ten Ver­wal­tungs­rats­sit­zung im Ju­li das wei­te­re Vor­ge­hen fest­legt wird. Auch Ge­mein­de­rat und Land­tags­frak­tio­nen wer­den sich dann mit den Zah­len aus­ein­an­der­set­zen. Auf Wunsch der Frak­tio­nen wer­de es En­de Ju­ni ein Tref­fen mit ver­tie­fen­den In­for­ma­tio­nen für den Ge­mein­de­rat ge­ben. Grund­sätz­lich gel­te: „Land und Stadt wol­len ein Staats­thea­ter, das die­sen Na­men ver­dient und in dem her­aus­ra­gen­de kul­tu­rel­le Erlebnisse mög­lich sind. Die Sa­nie­rung und Er­wei­te­rung des Ba­di­schen Staats­thea­ters ist ei­ne Wei­chen­stel­lung für die nächs­ten 50 Jah­re – für die Kul­tur in Ba­den-Würt­tem­berg und für das Stadt­bild von Karlsruhe.“

Die der­zei­ti­gen Pla­nun­gen für den Neu­bau des Schau­spiel­hau­ses und die Sa­nie­rung des Be­stan­des des Staats­thea­ters se­hen ei­nen zeit­li­chen Rah­men von rund 12 Jah­ren vor. Los geht es wohl frü­hes­tens 2020. Stadt­ge­spräch

Flä­chen­be­darf ist ge­stie­gen

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.