Frank­for­der Grie Soß

Sie­ben Kräu­ter müs­sen’s sein

Pforzheimer Kurier - - VERBRAUCHER-REPORT -

Er­bar­men, die Hes­sen kom­men. Aber kei­ne Angst, sie ha­ben nur Gu­tes im Sinn: Näm­lich ih­re ge­lieb­te „Grie Soß“an die gro­ße Glo­cke zu hän­gen. Was ih­nen dank viel En­thu­si­as­mus und Vor­spra­che bei den EU-Bü­ro­hengs­ten und -stu­ten schon recht gut ge­lun­gen ist: So darf sich das Frank­fur­ter „Na­tio­nal­hei­lig­tum“seit März ver­gan­ge­nen Jah­res mit dem blau-gel­ben Sie­gel „Ge­schütz­te geo­gra­fi­sche An­ga­be“schmü­cken und protzt seit­dem ge­gen­über sei­nen grü­nen Pen­dants von an­ders­wo mit ei­nem Al­lein­stel­lungs­merk­mal.

Grün­zeug aus dem Gar­ten kommt ähn­lich aro­ma­reich auch in Sal­sa ver­de (Ita­li­en), Sau­ce ver­te (Frank­reich) oder Mo­jo ver­de (Spa­ni­en) zum Zu­ge, aber für den EU-Adels­ti­tel hat es bei de­nen bis­lang noch nicht ge­reicht. Was wohl auch da­mit zu­sam­men­hängt, dass für die Frank­fur­ter Grü­ne So­ße ei­ne Art Rein­heits­ge­bot aus­ge­ru­fen wur­de. Die­ses be­sagt, dass den wah­ren Wert der „Grie Soß“ge­nau sie­ben grü­ne Stars aus dem Gar­ten aus­ma­chen, als da sind: Bor­retsch, Ker­bel, Kres­se, Pe­ter­si­lie, Pim­pi­nel­le, Sau­er­amp­fer und Schnitt­lauch. Die, und nur die, sol­len zur er­wünsch­ten Ge­schmacks­ex­plo­si­on füh­ren, wenn die hes­si­sche Kü­chen­gra­na­te ge­zün­det wird. We­ni­ger pin­ge­lig sind da­ge­gen die Ge­wichts­an­tei­le im Grün­an­teil der So­ße de­fi­niert, wo­bei kein Kraut mehr als 30 Pro­zent des Ge­samt­vo­lu­mens aufs Schneid­brett brin­gen soll­te. Dill und Zi­tro­nen­me­lis­se sind in den Au­gen und auf den Zun­gen von Pu­ris­ten No-Gos, eben­so pro­fa­ne Mayo an Stel­le von Sch­mand oder sau­rer Sah­ne. Wo­bei sich hier die Geis­ter schei­den. Un­ser Herr Goe­the, wo­mög­lich der größ­te „Grie Soß“-Fan al­ler Zei­ten, lieb­te sein Leib­ge­richt aus­ge­wie­se­ner- ma­ßen mit der wei­ßen Ei­gelb-Öl-Emul­si­on. Aus­nah­men be­stä­ti­gen be­kannt­lich die Re­gel. Statt sau­rer Sah­ne geht der­weil so­gar un­ter „Grie soß“-Ta­li­ban Na­tur­jo­ghurt durch, was nicht zu­letzt des­sen Ka­lo­ri­en­ar­mut ge­schul­det ist. Wich­tig: Die grü­nen Pos­ten des In­gre­di­en­zen­zet­tels soll­ten tau­frisch ab­ge­sä­belt und ge­pflückt wer­den, da­mit dem Aha-Er­leb­nis nichts mehr im We­ge steht.

Die Grü­ne So­ße zählt, ne­ben dem „Äpp­ler“(Ap­fel­wein) so­wie Hand­käs mit und oh­ne Mu­sik zu den Aus­hän­ge­schil­dern der hes­si­schen Kü­che und Le­bens­art. Was die Bem­bel- und „Ge­ripp­te“-Schwen­ker vom Main mit un­end­li­chem Stolz er­füllt. Man darf als Grü­neSo­ße-Jün­ger üb­ri­gens ger­ne ein­ge­fleischt sein und als Be­glei­tung ei­nen saf­ti­gen Ta­fel­spitz choi­sie­ren, wer aber eher auf ve­ge­ta­ri­schem Fu­ße lebt, wählt ein­fach die zwei­te klas­si­sche Va­ri­an­te mit hal­ben hart­ge­koch­ten Ei­ern. In bei­den Fäl­len darf je­doch die Pell- oder Salz­kar­tof­fel als Koh­len­hy­drat-Bei­ga­be und krö­nen­des Tüp­fel­chen nicht feh­len.

We­he, es kommt ei­ner auf die Idee, die mil­chig-grü­ne Cre­me mit Reis oder Nu­deln zu ver­ban­deln: so ein Ba­n­au­se wird in Frank­furt mit so­for­ti­gem Grie-SoßVer­bot auf Le­bens­zeit be­legt. Al­so, schön auf­pas­sen, was auf den Tel­ler kommt!

Auf­ge­tischt

Auf der si­che­ren Sei­te sind Sie mit un­se­rem klas­si­schen Re­zept, für das sie na­tür­lich zu­al­ler­erst das er­for­der­li­che Kräu­ter­blatt- und -halm­werk be­nö­ti­gen. Mit et­was Glück er­gat­tern Sie die Ori­gi­nal-Kräu­ter­pa­ckung für die „Grie Soß“(kl. Fo­to oben) auf dem Markt oder im gut sor­tier­ten Ge­mü­se­la­den. In­zwi­schen kann man sie so­gar on­line be­stel­len (sie­he „An­ge­klickt“). Wer frei­lich im ei­ge­nen Gar­ten selbst an­baut oder ei­ne ge­nü­gend lan­ge Fens­ter­bank für all die Töp­fe be­sitzt, ist fein raus und kann die „Grü­nen Sie­ben“top(f)frisch ern­ten.

Ge­macht ist die Grie Soß im Hand­um­dre­hen: Für 6-8 Per­so­nen 1 Pa­ckung Frank­fur­ter-Grü­ne-So­ße-Kräu­ter (ca. 300 g) oder je ei­ne Hand­voll Bor­retsch, Ker­bel, Kres­se, Pe­ter­si­lie, Pim­pi­nel­le, Sau­er­amp­fer und Schnitt­lauch sehr fein ha­cken. 700 g Sch­mand oder Sau­er­rahm mit den Kräu­tern ver­mi­schen. 3 sehr klein ge­hack­te hart­ge­koch­te Eier un­ter­zie­hen. Mit 3 TL Senf, dem Saft ei­ner Zi­tro­ne und 2-3 EL Es­sig säu­ern. Mit Salz, Zu­cker so­wie Pfef­fer ab­schme­cken. Falls die Mas­se zu fest ist, z.B. et­was Milch un­ter­rüh­ren.

Auf­ge­spießt

Am 22. Ju­ni ist in Frank­furt „Grü­neSo­ße-Tag“.

An­ge­klickt

www.grue­ne-sos­se-tag.de www.fi­let­und­co.de

DER KLAS­SI­KER ZUM „ÄPP­LER“: Grü­ne So­ße mit hal­bier­ten hart­ge­koch­ten Ei­ern und neu­en Pell­kar­tof­feln. Saf­ti­ger Ta­fel­spitz statt Ei­ern schmeckt auch fein. Fo­tos: © Marén Wi­sch­new­ski / Ado­be Stock; Lud­wig

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