Hei­ße Soul­schwes­ter

Les­lie Clio

Pforzheimer Kurier - - MUSIK-SZENE -

Les­lie Clio hat Soul im Blut. Die blon­de Ham­bur­ge­rin über­rascht mit ei­nem Tim­bre, das an schwar­ze San­ge­sI­ko­nen wie Et­ta Ja­mes und Mar­vin Gaye er­in­nert. Mit ih­rem De­büt­al­bum „Gla­dys“lan­de­te die 30-Jäh­ri­ge 2013 ei­nen Rie­sen­er­folg. Auf ih­rem in­zwi­schen drit­ten Long­play­er „Pur­p­le“er­klingt ihr Soul-Pop ei­ne Spur düs­te­rer. Wir un­ter­hiel­ten uns mit ei­ner er­fri­schend ei­gen­sin­ni­gen Les­lie Clio in Ber­lin.

En­de 2015 fühl­ten Sie sich aus­ge­brannt und nah­men sich ei­ne Aus­zeit vom Mu­sik­ge­schäft. Wie­so gin­gen Sie aus­ge­rech­net nach Ha­waii?

Les­lie Clio: Ich saß in Mil­wau­kee und woll­te ei­gent­lich den Bus run­ter nach Nash­ville neh­men, aber dann wur­de mir klar: Wenn ich jetzt nach Nash­ville ge­he, wer­de ich end­gül­tig die Mu­sik has­sen. Des­we­gen ha­be ich erst mal Ur­laub auf Ha­waii ge­macht. Am En­de wur­de es ei­ne Aus­zeit von vier Mo­na­ten.

Und da­nach war al­les wie­der gut?

Clio: Die Krea­ti­vi­tät kam so­fort zu­rück. Die drit­te Plat­te ha­be ich schnel­ler hin­ge­kriegt und mit viel we­ni­ger Nerv als die zwei­te. Frü­her ha­be ich vie­les über­stürzt ge­macht. Auf Ha­waii ha­be ich ge­lernt, mir das zu ver­zei­hen. Das hat aber lan­ge ge­dau­ert, weil ich so am­bi­tio­niert war. Mit der zwei­ten Plat­te woll­te ich an mein er­folg­rei­ches De­büt an­knüp­fen. Man be­kommt dann viel ge­sagt und hört auf al­les. Das ver­un­si­chert ei­nen. Aber ich bin dar­über weg, jetzt ha­be ich ei­ne neue Plat­te ge­macht.

Ihr Al­bum heißt „Pur­p­le“. Bei wel­chem Song wuss­ten Sie so­fort, den muss ich auf­neh­men?

Clio: Bei „Sad Ga­mes“. Die Zeit in Ha­waii war un­ter­bro­chen von ei­nem ein­wö­chi­gen Auf­ent­halt in Schwe­den. Am ers­ten Tag schrieb ich dort „Sad Ga­mes“, am zwei­ten „Dar­kness Is A Fil­ler“und am drit­ten „And I’m Lea­ving“.

Die neu­en Songs sind et­was düs­te­rer als die al­ten. Muss­te man sich ernst­haft Sor­gen um Sie ma­chen? Clio: Mein Gott, das ist halt der Fluch des Künst­ler­be­rufs. Man fühlt viel. Ei­gent­lich möch­te man ein leich­tes Le­ben le­ben und trotz­dem kom­men im­mer wie­der die­se Schlag­lö­cher. In dem Mo­ment be­merkt man, das Uni­ver­sum be­nutzt ei­nen. Okay, mir ging es schlecht, aber wenn das das Er­geb­nis da­von ist, dann sa­ge ich: dan­ke!

Sie wa­ren lan­ge Zeit ein Wor­kaho­lic. Ha­ben Sie da­durch Ih­re Gren­zen ken­nen­ge­lernt?

Clio: Ja, voll. Als ich 30 wur­de, ha­be ich ganz klar ge­fühlt, dass ich gera­de den ers­ten Akt mei­nes Le­bens ver­las­se. Ich weiß heu­te, der zwei­te Akt wird to­tal lan­ge ge­hen und es spielt kei­ne Rol­le mehr, ob ich et­was mor­gen, nächs­te Wo­che oder nächs­tes Jahr ma­che. Ge­nau das ha­be ich drin­gend ge­braucht. Ha­ben Sie Ei­gen­schaf­ten, die Sie selbst nur schwer ak­zep­tie­ren kön­nen?

Clio: Das Le­ben ist zu kurz, um ei­nen Krieg mit sich selbst zu füh­ren. Ich bin sehr streng mit mir, al­les muss sich wie har­te Ar­beit an­füh­len. Aber ich ha­be gu­te Freun­de, die mir sa­gen, wann es ge­nug ist.

Wen ha­ben Sie in Ih­rer Le­bens­kri­se um Rat ge­fragt?

Clio: Na­tür­lich mei­ne sechs, sie­ben treu­en Freun­de. Sie sind mir wirk­lich wich­tig. Aber am En­de stirbt man al­lei­ne. Ich hät­te mich auch bei ei­ner Freun­din ein­nis­ten kön­nen, aber ich ha­be mich ent­schie­den, nach Ha­waii zu ge­hen. Da war ich na­tür­lich um­so mehr al­lein und iso­liert. Aber vi­el­leicht muss­te das ja so sein. Zu­rück in Deutsch­land wa­ren Sie mit dem Er­folgs­pro­du­zen­ten Olaf Opal (Sport­freun­de Stil­ler, Ich + Ich, Christina Stür­mer) im Stu­dio. Was woll­ten Sie von ihm?

Clio: Olaf wur­de mir von mei­nem Sound­mann emp­foh­len. Beim zwei­ten Al­bum ha­be ich mir den fal­schen Pro­du­zen­ten aus­ge­sucht, weil ich so ei­nen Druck hat­te. Das soll­te mir nicht noch ein­mal pas­sie­ren. Olaf hat so­fort da­für ge­brannt, mit mir zu ar­bei­ten. Ich ha­be nicht ei­nen ein­zi­gen Tag an ihm ge­zwei­felt.

Hat der Job des Mu­sik­pro­du­zen­ten ei­nen psy­cho­lo­gi­schen Aspekt?

Clio: Ja. Olaf Opal und ich ha­ben uns so­fort ver­stan­den. Nicht je­der Pro­du­zent sieht und ver­steht dich, so wie du wirk­lich bist. Das ist im Künst­le­ri­schen das Wich­tigs­te. In ihm ha­be ich et­was ge­fun­den, was mich nicht mehr ver­lässt. Mit die­ser drit­ten Plat­te ist et­was ganz Neu­es ent­stan­den, an das ich gar nicht mehr ge­glaubt ha­be. Olaf hat mei­ne De­mos noch ein­mal auf ei­ne an­de­re Ebe­ne ge­packt, oh­ne sie zu ver­frem­den.

Im Herbst ge­hen Sie auf Tour. Wel­chen An­spruch ha­ben Sie an Ih­re Kon­zer­te?

Clio: Ich ha­be in den letz­ten Mo­na­ten ex­trem viel ge­probt. Ich mer­ke, wie ich gera­de mei­ne Form an­neh­me. Das emp­fin­de ich als Se­gen. Ich will gar kei­ne Beyon­cé sein. Wir sind nur noch zu dritt auf der Büh­ne, das ist ein Ge­winn.

Wie na­he las­sen Sie Ih­re Fans an sich her­an? Gibt es männ­li­che Grou­pies?

Clio: Tat­säch­lich hat­te ich das auch mal. (Lacht) Aber es kommt nicht so häu­fig vor. Die Sän­ge­rin der Car­di­gans sag­te ein­mal, dass schon so vie­le jun­ge Män­ner in sie ver­knallt ge­we­sen sei­en, aber im Tour­bus füh­le sie sich wie der ein­sams­te Mensch auf der Welt. Wäh­rend ih­re Mu­si­ker dau­ernd Frau­en ab­schlepp­ten. Als Frau neigt man in die­sem Ge­schäft eher zur Ein­sam­keit, als dass man sich an ir­gend­wel­che Fans ver­schwen­det. Aber fra­gen Sie mich das noch­mal nach mei­ner Tour. (Lacht)

In­ter­view: Olaf Ne­u­mann

HA­WAII FÜNF ZU NULL: Les­lie Clio pro­fi­tier­te vom Ur­laub auf der In­sel.

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