Se­ño­ri­ta rockt den Män­ner­sen­der

„Queen of the South“bei DMAX

Pforzheimer Kurier - - FILM UND TV-SZENE -

„Die Ge­braucht­wa­gen-Pro­fis“, „Sto­r­a­ge Hun­ters UK“, „Die Ra­ri­tä­ten-Jä­ger“– so oder so ähn­lich liest sich das Pro­gramm des Män­ner­sen­ders DMAX ei­gent­lich im­mer. Fac­tu­al En­ter­tain­ment heißt das Kon­zept des Spar­ten­ka­nals von Dis­co­very Deutsch­land. Fic­tion-For­ma­te such­te man hier bis­her ver­geb­lich. So staunt man nicht schlecht, wenn am Mitt­woch (22.15 Uhr), im An­schluss an die drei ge­nann­ten Sen­dun­gen, die ame­ri­ka­ni­sche Ac­tion-Se­rie „Queen of the South“im Pro­gramm auf­taucht. DMAX be­schrei­tet neue Weg und be­gibt sich in neue Kon­kur­renz. Bei der Se­ri­en­prä­sen­ta­ti­on in Mün­chen stand ne­ben der Fra­ge „War­um?“noch ei­ne ganz an­de­re im Raum: „Wie­so aus­ge­rech­net ei­ne Se­rie mit ei­ner weib­li­chen Prot­ago­nis­tin, ob­wohl doch 70 Pro­zent des DMAX-Pu­bli­kums Män­ner sind?“

Dar­auf gibt es ei­ne un­schwer zu er­ra­ten­de Ant­wort, doch die gu­ten Aus­sich­ten für die Zu­schau­er sind bei Wei­tem nicht der ein­zi­ge Grund für die Aus­wahl. Chris­ti­an Schmied, Ma­na­ger Pro­gramming & Chan­nel Development bei Dis­co­very, er­klärt, es sei ein „sehr lan­ger Sich­tungs­und Ent­schei­dungs­pro­zess“vor­aus­ge­gan­gen. Nach der Hälf­te der et­wa 45-mi­nü­ti­gen Pi­lot­fol­ge wird es lang­sam klar: Hier steckt noch viel mehr da­hin­ter als das gu­te Aus­se­hen der Ti­tel­hel­din.

Nach­dem der Zu­schau­er die Me­xi­ka­ne­rin Teresa Men­do­za (Ali­ce Bra­ga) ken­nen­ge­lernt hat und ih­re Lie­bes­be­zie­hung zu ei­nem Dro­gen­ku­rier ein­ge­führt wur­de, nimmt die Hand­lung Fahrt auf. Die zier­li­che Frau be­kommt ei­nen An­ruf, ihr Mann sei tot, und plötz­lich muss sie ihr Le­ben ver­tei­di­gen, auf das es ei­ni­ge fins­te­re Ker­le ab­ge­se­hen ha­ben. Sie wird in die dunk­len In­tri­gen der Kar­tell-Ober­häup­ter ver­wi- ckelt und möch­te gleich­zei­tig Ra­che neh­men. Spä­tes­tens als sie wäh­rend ei­ner Ver­ge­wal­ti­gung ih­rem Pei­ni­ger in den Hals schießt und bei dem Blut­bad kei­ne Mie­ne ver­zieht, ver­steht auch der Letz­te, dass hier Ac­tion und Span­nung pur ge­lie­fert wer­den.

Wä­re es die hei­mi­sche Couch und die Se­rie lie­fe bei Net­flix, müss­te man nur zehn Se­kun­den war­ten, bis die nächs­te Fol­ge star­tet. Das kann Dis­co­very als li­ne­ar aus­strah­len­der TV-Sen­der nicht bie­ten. Je­de Wo­che gibt es zwei Fol­gen, die man al­ler­dings spä­ter in der Me­dia­thek an­schau­en kann – ein do­sier­tes Ver­gnü­gen. Ver­trau­en hat man in der Mün­che­ner Zen­tra­le trotz­dem in die Se­rie, im­mer­hin wur­den drei Staf­feln auf ein­mal ein­ge­kauft. Die zwei­te, die in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten am 18. Ju­ni auf USA Net­work star­tet, wird hier­zu­lan­de En­de des Jah­res an­lau­fen. Ver­gleich­ba­re For­ma­te, et­wa die er­folg­rei­che Net­flix-Pro­duk­ti­on „Nar­cos“über den Auf­stieg und Fall Pa­blo Es­co­bars, ha­ben be­reits ge­zeigt, dass das The­ma Dro­gen­kar­tell gro­ßen Reiz auf die Zu­schau­er aus­üben kann.

Bleibt noch die Fra­ge, war­um sich DMAX aus­ge­rech­net jetzt da­zu ent­schloss, ei­ne fik­tio­na­le Se­rie ins Pro­gramm auf­zu­neh­men. „Wir wol­len nicht das gan­ze Kon­zept des Sen­ders än­dern, aber wir wol­len uns öff­nen“, er­klärt Chris­ti­an Schmied. Der An­spruch, man su­che et­was „mit Au­tos, mit Ac­tion oder an­de­ren män­ner­taug­li­chen The­men“, sei von An­fang an klar ge­we­sen und nun er­füllt. Ei­ne Frau, die sich in ei­ner Män­ner­welt vol­ler Kor­rup­ti­on, Ge­walt und dunk­ler Ma­chen­schaf­ten durch­schla­gen muss, ha­be per­fekt ge­passt. Und schmun­zelnd gibt Chris­ti­an Schmied zu, man wol­le nicht die Se­her­schaft von DMAX än­dern. Aber es wä­re ja auch nicht ver­kehrt, wenn der „ein oder an­de­re Zu­schau­er die Se­rie abends mit sei­ner Freun­din an­schau­en wür­de“.

An­ke Wa­schneck

LA­TI­NO-SCHÖN­HEIT: Ali­ce Bra­ga ist das Ge­sicht der Se­rie „Queen of the South“. Fo­to: DMAX / Net­work Me­dia, LLC / Ste­phens.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.