Wa­genk­necht sieht ho­he Hür­den

Rot-rot-grü­ne Ko­ali­ti­on als Zu­kunfts­mo­dell? / Für ei­nen ra­di­ka­len Po­li­tik­wech­sel

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Han­no­ver (AFP). Die Lin­ken-Spit­zen­kan­di­da­tin Sah­ra Wa­genk­necht sieht ho­he Hür­den für ei­ne Re­gie­rungs­be­tei­li­gung, ver­schließt sich ei­nem rot-rot­grü­nen Bünd­nis aber nicht ge­ne­rell. Wa­genk­necht be­klag­te beim Bun­des­par­tei­tag der Lin­ken die bis­he­ri­ge „neo­li­be­ra­le Po­li­tik“der bis­he­ri­gen Re­gie­run­gen und be­ton­te, die Lin­ke sei nicht zu ei­ner Ko­ali­ti­on be­reit, „die im Kern das­sel­be macht wie al­le vor­her“.

Die Lin­ke wol­le die Grund­rich­tung der Po­li­tik in Deutsch­land ver­än­dern, sag­te Wa­genk­necht wei­ter. Die Par­tei wol­le den So­zi­al­staat wie­der­her­stel­len und die Bun­des­wehr­sol­da­ten zu­rück nach Deutsch­land ho­len. „Wenn wir da­für Part­ner ha­ben, wol­len wir auch re­gie­ren.“Mit Blick auf das gu­te Ab­schnei­den der La­bour-Par­tei bei der Wahl in Groß­bri­tan­ni­en füg­te sie hin­zu, ei­nen „deut­schen Je­re­my Cor­byn“wür­de die Lin­ke so­fort zum Kanz­ler wäh­len.

Wenn sich aber kein ge­eig­ne­ter Part­ner fin­de, sei „gu­te Op­po­si­ti­ons­po­li­tik bes­ser als schlech­te Re­gie­rungs­po­li­tik“. Wa­genk­necht rief ih­re Par­tei auf, sich we­gen der in­tern kon­tro­vers dis­ku­tier­ten Fra­ge ei­ner Re­gie­rungs­be­tei­li­gung jetzt nicht zu zer­strei­ten. Ei­ne Ent­schei­dung dar­über ste­he der­zeit nicht an, sag­te sie vor den De­le­gier­ten. „Ent­schei­dend ist, dass wir al­le ge­mein­sam für ein gu­tes Wah­l­er­geb­nis kämp­fen.“Die Lin­ke müs­se so stark wer­den, dass nie­mand mehr an ihr vor­bei­kom­me. „Die Lin­ke kann die­ses Land auf­mi­schen.“Der SPD mit ih­rem Kanz­ler­kan­di­da­ten Mar­tin Schulz warf Wa­genk­necht vor, an­fäng­li­che Hoff­nun­gen auf ei­nen Po­li­tik­wech­sel in­zwi­schen ent­täuscht zu ha­ben.

Nach nicht ein­mal zwölf St­un­den hat die Lin­ke ei­nen Be­schluss über das Ver­hält­nis von Staat und Kir­chen zu­rück­ge­nom­men. Am spä­ten Sams­tag­abend hat­ten die De­le­gier­ten mit knap­per Mehr­heit ge­gen den Wil­len des Vor­stands die For­de­rung be­schlos­sen, dass die Staats­ver­trä­ge mit den Kir­chen ge­kün­digt wer­den sol­len. Ges­tern stimm­ten die De­le­gier­ten noch ein­mal über die Fra­ge ab und er­teil­ten der For­de­rung doch noch ei­ne Ab­sa­ge. Die De­le­gier­ten lie­fer­ten sich ei­ne hef­ti­ge De­bat­te. Die staat­li­che Fi­nan­zie­rung der theo­lo­gi­schen Aus­bil­dung und Seel­sor­ge in Bun­des­wehr, Kran­ken­häu­sern und Straf­an­stal­ten soll­te der um­strit­te­nen For­de­rung ge­mäß ab­ge­schafft wer­den.

Foto: dpa

BE­SCHWÖRT die De­le­gier­ten: Sah­ra Wa­genk­necht beim Bun­des­par­tei­tag der Link­s­par­tei in Han­no­ver.

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