Im War­te­stand

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - JO­CHEN WITT­MANN

Er sei be­reit, sag­te ein lä­cheln­der Je­re­my Cor­byn. Der La­bour-Chef sieht sich als der gro­ße Ge­win­ner der Wahl und wür­de, soll­te die Min­der­heits­re­gie­rung von The­re­sa May nicht zu­stan­de kom­men, mit ei­nem Pro­gramm an­tre­ten, „für das Mil­lio­nen von Bri­ten ge­wählt ha­ben und das Hoff­nung statt Aus­te­ri­tät an­bie­tet“. Sei­ne Re­gie­rung im War­te­stand wird sich noch et­was ge­dul­den müs­sen. Denn wenn auch The­re­sa Mays Par­tei­freun­de sie jetzt sehr viel we­ni­ger mö­gen für das De­sas­ter, das sie an­ge­rich­tet ha­ben, so has­sen sie ei­nes doch noch mehr: Je­re­my Cor­byn als Pre­mier­mi­nis­ter in der Dow­ning Street.

Der Sturz von May wird erst dann er­fol­gen, wenn sich die Min­der­heits­re­gie­rung ei­ni­ger­ma­ßen eta­bliert hat und ein ge­eig­ne­ter

Nach­fol­ger be­reit­steht. Cor­byn irrt sich zu­dem, wenn er denkt, dass der über­ra­schen­de Wahl­aus­gang auf sein Cha­ris­ma zu­rück­zu­füh­ren sei. Es gab ei­nen gro­ßen Trend bei die­ser Wahl: die Rück­kehr zum Zwei­par­tei­en­sys­tem. Die Zei­ten sind ernst, dach­ten die Leu­te, der Br­ex­it steht vor der Tür, da müs­sen die Pro­fis ran: Zur Wahl stan­den so­mit vor al­lem die zwei gro­ßen Par­tei­en, La­bour und Kon­ser­va­ti­ve.

Der Er­folg von La­bour ist ei­ne Re­ak­ti­on dar­auf, dass May mit ih­rem schwa­chen Auf­tre­ten die Leu­te ver­schreckt hat. Mit ihr als Che­fin wer­den die Kon­ser­va­ti­ven auf kei­nen Fall in ei­ne zwei­te Wahl zie­hen wol­len. Die Pro­gno­se der Buch­ma­cher lau­tet je­den­falls: Noch vor dem Jah­res­en­de wird May ab­ge­löst.

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