Tri­um­pha­ler Sieg mit Schat­ten

Ers­ter Wahl­gang stößt in Frank­reich auf ein ver­hal­te­nes In­ter­es­se

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN - Von un­se­rer Kor­re­spon­den­tin Chris­ti­ne Lon­gin

Paris. Em­ma­nu­el Ma­cron wur­de aus dem Nichts fran­zö­si­scher Staats­prä­si­dent. Nun steht sei­ne jun­ge Par­tei vor ei­nem tri­um­pha­len Sieg im Par­la­ment: Sie kann mit ei­ner ab­so­lu­ten Mehr­heit in der neu­en Na­tio­nal­ver­samm­lung rech­nen. Doch auf dem Er­folg liegt ein Schat­ten: ei­ne ex­trem nied­ri­ge Wahl­be­tei­li­gung von nur 49 Pro­zent.

Ei­nen Mo­nat nach sei­nem Er­folg bei den Prä­si­dent­schafts­wah­len kam sei­ne Par­tei La Ré­pu­bli­que en Mar­che (LREM) in der ers­ten Run­de der Par­la­ments­wah­len laut ers­ten Hoch­rech­nun­gen zu­sam­men mit dem Ko­ali­ti­ons­part­ner Modem auf 33 Pro­zent der Stim­men. In der Stich­wahl am nächs­ten Sonn­tag kann LREM mit mehr als 400 Sit­zen und da­mit ei­ner ab­so­lu­ten Mehr­heit rech­nen. Deut­lich ab­ge­schla­gen auf dem zwei­ten Platz lan­de­ten die kon­ser­va­ti­ven Re­pu­bli­ka­ner, die nur rund 21 Pro­zent be­ka­men. Ei­nen Ein­bruch er­litt der rechts­po­pu­lis­ti­sche Front Na­tio­nal (FN), der bei den Re­gio­nal­wah­len 2015 in der ers­ten Run­de mit 28 Pro­zent noch stärks­te Kraft war. Dies­mal hal­bier­te die Par­tei von Ma­ri­ne Le Pen ihr Er­geb­nis und ver­zeich­ne­te nur rund 13 Pro­zent. „Das Er­geb­nis soll uns zur De­mut ein­la­den, aber auch zur Ent­schlos­sen­heit, die Her­aus­for­de­run­gen der nächs­ten Jah­re an­zu­ge­hen“, kom­men­tier­te die In­te­rims-Par­tei­che­fin von LREM, Ca­the­ri­ne Bar­ba­roux, das Er­geb­nis. Ma­cron füg­te mit sei­ner vor gut ei­nem Jahr ge­grün­de­ten Be­we­gung En Mar­che, die er nach sei­nem Wahl­sieg im Mai in ei­ne Par­tei um­wan­del­te, al­len sei­nen Geg­nern ei­ne ver­hee­ren­de Nie­der­la­ge zu. Die Re­pu­bli­ka­ner, de­nen Ma­cron drei Po­li­ti­ker für sein Ka­bi­nett ab­warb, ste­hen vor ih­rem his­to­risch schlech­tes­ten Re­sul­tat: Die Par­tei von Ni­co­las Sar­ko­zy kann nur noch mit 80 bis 100 Ab­ge­ord­ne­ten rech­nen. „Das ist ein ent­täu­schen­des Er­geb­nis für un­se­re po­li­ti­sche Fa­mi­lie“, räum­te Ge­ne­ral­se­kre­tär Ber­nard Ac­coy­er ein.

Ent­täu­schung herrsch­te auch beim Front Na­tio­nal, der sein Ziel, die 15 Sit­ze für den Frak­ti­ons­sta­tus zu schaf­fen, mit nur ein bis vier Ab­ge­ord­ne­ten klar ver­pas­sen dürf­te. FN-Che­fin Le Pen kam in ih­rem Wahl­kreis Hé­nin-Beau­mont auf rund 45 Pro­zent und war da­mit Fa­vo­ri­tin für die Stich­wahl. Die Par­tei­che­fin rief ih­re An­hän­ger auf, sich an der Stich­wahl zu be­tei­li­gen. „Die Wäh­ler müs­sen am nächs­ten Sonn­tag mas­siv zu den Ur­nen ge­hen, denn wir brau­chen in der Na­tio­nal­ver­samm­lung ei­ne ech­te Op­po­si­ti­on.“

Die So­zia­lis­ten, die bis­her mit 284 Ab­ge­ord­ne­ten die ab­so­lu­te Mehr­heit in der Na­tio­nal­ver­samm­lung hat­ten, kön­nen mit rund neun Pro­zent nur noch auf 20 bis 30 Ab­ge­ord­ne­te hof­fen. Der Link­s­po­pu­list Je­an-Luc Mé­len­chon er­reich­te mit sei­ner Par­tei La Fran­ce In­so­u­mi­se elf Pro­zent und dürf­te zehn bis 20 Ab­ge­ord­ne­te ins Pa­lais Bour­bon schi­cken.

Gut schnit­ten Ma­crons Mi­nis­ter ab, die sich um ei­nen Par­la­ments­sitz be­war­ben. Fi­nanz­mi­nis­ter Bru­no Le Mai­re, der als Kon­ser­va­ti­ver nach sei­nem Wech­sel in die Re­gie­rung von sei­ner Par­tei aus­ge­schlos­sen wur­de, kam auf 45 Pro­zent und de­klas­sier­te da­mit sei­ne FN-Ri­va­lin um mehr als 20 Pro­zent­punk­te. Auch Woh­nungs­bau­mi­nis­ter Richard Fer­rand, der in ei­ne Af­fä­re um Be­güns­ti­gung ver­wi­ckelt ist, lag mit 34 Pro­zent in sei­nem bre­to­ni­schen Wahl­kreis deut­lich vor­ne.

Ein­bruch für den Front Na­tio­nal

Foto: dpa

IM BADEORT LE TOU­QUET am Är­mel­ka­nal ga­ben der fran­zö­si­sche Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron und sei­ne Frau Bri­git­te im Rat­haus ih­re Stim­me ab. Nach Hoch­rech­nun­gen zeich­net sich für sei­ne Par­tei ei­ne ab­so­lu­te Mehr­heit in der Na­tio­nal­ver­samm­lung ab.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.