Schüt­zen­fest mit Miss­tö­nen

Beim 7:0 des DFB-Teams ge­gen San Ma­ri­no RB-Stür­mer Wer­ner aus­ge­pfif­fen / Wa­gner trifft drei­fach

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Mar­cus Bark Foto: GES

Nürnberg. Es trat ei­ne pein­li­che Stil­le ein. Die Se­kun­den ver­ran­nen, bis sich doch je­mand er­barm­te, ei­ne Fra­ge an Pier­an­ge­lo Man­za­ro­li zu stel­len. Der Trai­ner von San Ma­ri­no ant­wor­te­te, dass er da­mit zu­frie­den sei, wie sei­ne Mann­schaft sich prä­sen­tiert ha­be. Das Er­geb­nis sei na­tür­lich schlecht. So pro­fes­sio­nell, wie die Aus­sa­gen des Trai­ners, war der Auf­tritt San Ma­ri­nos in Nürnberg bei wei­tem nicht. Die Mann­schaft durf­te froh sein, nur 0:7 ge­gen den Welt­meis­ter ver­lo­ren zu ha­ben.

Deutsch­land schoss 27-mal auf das Tor des Geg­ners, bei San Ma­ri­no stand die Null, wie auch bei den Ecken. Es ging um Punk­te für die Qua­li­fi­ka­ti­on zur Welt­meis­ter­schaft im kom­men­den Jahr, doch es war kein fai­rer Wett­be­werb.

Die Zu­schau­er – of­fi­zi­ell sol­len 32 467 im Sta­di­on ge­we­sen sein – hat­ten trotz­dem ih­ren Spaß. Ver­bands­prä­si­dent Rein­hard Gr­in­del ern­te­te so we­nig Pfif­fe, dass er selbst über­rascht ge­we­sen sein dürf­te. Als Ti­mo Wer­ner ein­ge­wech­selt wur­de, kipp­te die Stim­mung kurz­zei­tig. „Ich weiß nicht, was die Ge­mü­ter so be­wegt hat. Jah­re­lang wur­den Schwal­ben ge­macht, bei mir wird es so auf­ge­bauscht – nur, weil ich bei RB spie­le“, klag­te Wer­ner. Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw fand die Pfif­fe ge­gen den Leip­zi­ger „nicht in Ord­nung“. Wer­ner sei mit 21 Jah­ren ein jun­ger Spie­ler, der ei­nen Feh­ler be­gan­gen und ihn zu­ge­ge­ben ha­be. Dann müs­se es auch gut sein.

San­dro Wa­gner schüt­tel­te den Kopf: „Es ist doch toll für uns Deut­sche, dass wir so ei­nen tol­len Stür­mer ha­ben. Was soll das, dass man ihn aus­pfeift?“Wa­gner bil­de­te den Ge­gen­pol zu Wer­ner. Der Stür­mer der TSG Hof­fen­heim wur­de zum Lieb­ling der Fans an die­sem lau­en Som­mer­abend. Da­zu tru­gen sei­ne drei To­re bei, sei­ne ers­ten im Tri­kot der Na­tio­nal­mann­schaft. Ver­mut­lich sind es aber auch die Ecken und die Kan­ten, die bei Wa­gner noch zu fin­den sind, die ihn so be­liebt ma­chen. Es ist ge­ra­de mal ein Jahr, dass er die Mei­nung ver­trat, man­che Pro­fis in der Bun­des­li­ga wür­den „eher zu we­nig ver­die­nen“. Selbst ein Ge­halt von zwölf Mil­lio­nen Eu­ro, das bei den Bay­ern be­zahlt wer­de, sei „an­ge­mes­sen“, weil sei­ne Kol­le­gen so vie­les auf­ge­ben müss­ten. Dass Wa­gner sich im ver­gan­ge­nen De­zem­ber als der „seit ei­ni­ger Zeit mit Ab­stand bes­te deut­sche Stür­mer“be­zeich­ne­te, brach­te ihm auch eher Plus­punk­te in der öf­fent­li­chen Wahr­neh­mung ein.

Das mag auch dar­an ge­le­gen ha­ben, dass Wa­gner vie­le Jah­re un­ter­schätzt wur­de. Aber nun ist er ein Na­tio­nal­spie­ler, der sich mor­gen mit sei­nen Kol­le­gen in Frankfurt trifft, um am Don­ners­tag zum Con­fe­de­ra­ti­ons Cup nach Russ­land zu flie­gen. Et­wa ein Jahr spä­ter be­ginnt dort die WM. Löw wur­de schon am Sams­tag ge­fragt, ob er im Ge­gen­satz zur ver­gan­ge­nen EM zwei zen­tra­le Stür­mer mit­neh­me. In Frank­reich stand nur Ma­rio Go­mez als „Neu­ner“im Ka­der. Wa­gner, der mit Hof­fen­heim in der kom­men­den Sai­son min­des­tens in der Eu­ro­pa Le­ague spie­len wird, gilt als er blieb zu­rück­hal­tend. Selbst für den Con­fed Cup, der für Deutsch­land am 19. Ju­ni mit dem Spiel ge­gen Aus­tra­li­en be­ginnt, ließ Löw of­fen, ob Wa­gner sei­ne ers­te Wahl sei. Der Bun­des­trai­ner deu­te­te an, das Tur­nier für tak­ti­sche Tests zu nut­zen. Gleich­wohl lob­te Löw den Hof­fen­hei­mer: „San­dro Wa­gner war vor­ne im Zen­trum ge­ra­de auch bei ho­hen Bäl­len sehr prä­sent mit sei­ner kör­per­li­chen Kraft. Mit sei­nem Ein­satz und sei­ner Dy­na­mik war er bei Flan­ken sehr er­folg­reich.“

Die bes­ten Flan­ken ka­men von Jos­hua Kim­mich, der vier To­re vor­be­rei­te­te. Auch je­nes von Le­ver­ku­sens Ju­li­an Brandt, der wie Wa­gner und Amin You­nes zu sei­nem Pre­mie­ren­tref­fer für die Na­tio­nal­mann­schaft kam. Ka­pi­tän Ju­li­an Drax­ler und Sh­ko­dran Musta­fi er­ziel­ten die wei­te­ren To­re.

Sta­tis­tik

Deutsch­land: ter Ste­gen, Kim­mich, Musta­fi, Hec­tor (55. Plat­ten­hardt), Can, Brandt, Go­retz­ka, Drax­ler (76. Dem­me), You­nes, St­indl (56. Wer­ner), Wa­gner.

San Ma­ri­no: Be­nedet­ti­ni, Bo­ni­ni, Del­la Val­le, Bior­di, Ce­sa­ri­ni (87. Brol­li), Pa­laz­zi, Ales­san­dro Go­li­nuc­ci, Cer­vel­li­ni, Maz­za (69. Ber­nar­di), Zaf­fe­ra­ni, Ri­nal­di/ (78. Hirsch).

Schieds­rich­ter: Ra­du Petres­cu (Ru­mä­ni­en), Zu­schau­er: 32 467 in Nürnberg, To­re: 1:0 Drax­ler (11.), 2:0 Wa­gner (16.), 3:0 Wa­gner (29.), 4:0 You­nes (38.), 5:0 Musta­fi (47.), 6:0 Brandt (72.), 7:0 Wa­gner (85.).

DER DRIT­TE STREICH von San­dro Wa­gner (rechts), der mit ei­nem Kopf­ball das Tor zum 7:0-End­stand er­ziel­te.

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