Die nächs­te na­tio­na­le „Gra­na­te“

Mit der Ver­pflich­tung von Gn­ab­ry setzt der FC Bay­ern sei­ne Trans­fer­stra­te­gie fort

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ma­ik Ros­ner

Mün­chen Ziem­lich schmuck­los fiel die Mel­dung aus, die der FC Bay­ern ges­tern auf sei­ner In­ter­net­sei­te plat­zier­te. Ge­ra­de ein­mal neun Zei­len um­fass­te sie, was ge­mes­sen an dem lan­gen Vor­lauf des Trans­fers von Wer­der Bre­mens Ser­ge Gn­ab­ry doch ei­ni­ger­ma­ßen über­schau­bar ge­riet. Zu­mal ein kol­por­tier­tes Vor­ab­ab­kom­men mit den Bay­ern nach Gn­ab­rys Wech­sel im ver­gan­ge­nen Som­mer vom FC Ar­senal zum SV Wer­der stets eif­rig de­men­tiert wor­den war. Nun lob­te der Münch­ner Vor­stands­vor­sit­zen­de Karl-Heinz Rum­me­nig­ge den 21 Jah­re al­ten Of­fen­siv­spie­ler in der Pres­se­er­klä­rung für des­sen „sehr gu­te Ent­wick­lung“, die die­ser in der ver­gan­ge­nen Sai­son mit elf er­ziel­ten To­ren in Bre­men ge­nom­men ha­be. Gn­ab­ry ließ der­weil sei­ne Vor­freu­de auf „ei­ne span­nen­de Zeit“aus­rich­ten, die nach der U-21-EM in Po­len (16. bis 30. Ju­ni) vor ihm liegt. Bis 2020, so lan­ge gilt je­den­falls sein Ver­trag in Mün­chen. Die fest­ge­schrie­be­ne Ab­lö­se­sum­me soll acht Mil­lio­nen Eu­ro be­tra­gen.

Es ist bis­her eher ei­ne Fort­set­zung der al­ten Trans­fer­stra­te­gie des FC Bay­ern zu be­ob­ach­ten als ei­ne grund­le­gen­de Hin­wen­dung zu je­nen in­ter­na­tio­na­len Top-Spie­lern, die Prä­si­dent Uli Ho­en­eß und auch Rum­me­nig­ge hat­ten an­klin­gen las­sen. Von „Gra­na­ten“hat­te Ho­en­eß am Ran­de der Fei­er des 27. Meis­ter­ti­tels ge­spro­chen und da­von, dass man wo­mög­lich mehr Geld in die Hand neh­men wer­de als je­mals zu­vor. Bis­her al­ler­dings ste­hen die Ver­pflich­tun­gen von Gn­ab­ry so­wie der bei­den Hof­fen­hei­mer Na­tio­nal­spie­ler Ni­k­las Sü­le (21), der an­geb­lich rund 20 Mil­lio­nen Eu­ro Ab­lö­se ge­kos­tet ha­ben soll, und Se­bas­ti­an Ru­dy (27, ab­lö­se­frei) eher für das zu­letzt un­ter dem ehe­ma­li­gen Bay­ern-Trai­ner Pep Guar­dio­la zwi­schen 2013 und 2016 et­was auf­ge­weich­te, aber zu­vor be­währ­te Mus­ter, die bes­ten Ki­cker hier­zu­lan­de für sich zu ge­win­nen. In die­ses fügt sich ne­ben­bei auch die Ver­pflich­tung des frü­he­ren Bay­ern-Pro­fis Wil­ly Sa­gnol als Ko-Trai­ner von Chef­coach Car­lo An­ce­lot­ti, dem ne­ben sei­nem Sohn Da­vi­de nun ein Ver­trau­ter von Ho­en­eß zur Seite ge­stellt wird, wo­mit der Ver­ein wohl sei­nen Ein­fluss wah­ren möch­te.

Gn­ab­rys Trans­fer könn­te zugleich ein Hin­weis dar­auf sein, dass der seit lan­gem um­wor­be­ne Of­fen­siv­spie­ler Al­exis Sán­chez nicht vom FC Ar­senal über­lau­fen wird und sich statt­des­sen wohl Man­ches­ter Ci­ty mit Trai­ner Guar­dio­la an­schlie­ßen wird. Und wo­mög­lich auch da­für, dass die Münch­ner eher nicht mehr mit Dou­glas Cos­ta pla­nen, son­dern mit Gn­ab­ry und Kings­ley Co­man (20) als Back-ups für die in die Jah­re ge­kom­me­nen Franck Ri­bé­ry (34) und Ar­jen Rob­ben (33). Die nur mit­tel­fris­ti­ge Dau­er von Gn­ab­rys Ver­trag darf wohl auch als Vor­sicht der Münch­ner ge­wer­tet wer­den. Ganz si­cher schei­nen sich die Bay­ern nicht zu sein, ob Gn­ab­ry, im Vor­som­mer beim Ge­winn der olym­pi­schen Sil­ber­me­dail­le in Rio de Janei­ro mit sechs Tref­fern bes­ter Tur­nier­tor­schüt­ze, wirk­lich ein­mal in die Fuß­stap­fen Ri­bé­rys und Rob­bens tre­ten kann.

Dies zu schaf­fen, ist zu­min­dest Gn­ab­rys Ziel. „Ri­bé­ry und Rob­ben ha­ben ei­ne un­glaub­li­che Kar­rie­re hin­ge­legt, das wünscht sich je­der. Sie sind Vor­bil­der für mich“, hat­te das Ta­lent mit dem star­ken rech­ten Fuß ein­mal ge­sagt.

KURZES GAST­SPIEL IN GRÜN-WEISS: Nach nur ei­ner Sai­son bei Wer­der Bre­men zieht es Ser­ge Gn­ab­ry zu den Bay­ern. Foto: dpa

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