Ar­bei­ten, wenn an­de­re schla­fen

Für Nacht­ar­bei­ter gel­ten spe­zi­el­le Re­ge­lun­gen / Frei­zeit oder Zu­schlag

Pforzheimer Kurier - - RECHT IM ALLTAG - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Ju­lia Naue

Berlin. Für die meis­ten Men­schen be­ginnt ein Ar­beits­tag am Mor­gen und en­det am Abend. Doch das gilt längst nicht für al­le. Im Kran­ken­haus, bei Si­cher­heits­fir­men oder bei Po­li­zei und Feu­er­wehr kann am Abend nicht ein­fach Schluss sein. Was bei Nacht­ar­beit gilt, re­gelt das Ar­beits­zeit­ge­setz. Ein Über­blick über die wich­tigs­ten Punk­te:

Nacht­ar­bei­ter

Als Nacht­ar­bei­ter gel­ten dem Ge­setz zu­fol­ge Ar­beit­neh­mer, die auf­grund ih­rer Ar­beits­zeit­ge­stal­tung Nacht­ar­beit in Wech­sel­schicht zu leis­ten ha­ben oder min­des­tens 48 Ta­ge im Ka­len­der­jahr nachts ar­bei­ten.

Ar­beits­zeit

Als Nacht­zeit gilt die Zeit von 23 Uhr bis 6 Uhr mor­gens, bei Bä­cke­rei­en und Kon­di­to­rei­en von 22 Uhr bis 5 Uhr. „In die­ser Zeit muss mehr als zwei St­un­den Nacht­ar­beit an­fal­len“, er­klärt Gis­bert Sei­de­mann, Ar­beits­recht­ler aus Berlin. Die Ar­beits­zeit darf acht St­un­den nicht über­schrei­ten.

Hier gibt es al­ler­dings ei­ne Aus­nah­me: Die Ar­beits­zeit kann auf bis zu zehn St­un­den ver­län­gert wer­den, wenn in­ner­halb ei­nes Ka­len­der­mo­nats oder in­ner­halb von vier Wo­chen ei­ne Durch­schnitts­ar­beits­zeit von acht St­un­den nicht über­schrit­ten wird.

Aus­gleich

„Nacht­ar­bei­tern steht ent­we­der ein Frei­zeit­aus­gleich oder ein Zu­schlag zu“, sagt Sei­de­mann. Üb­li­cher­wei­se re­ge­le das der Ta­rif­ver­trag. Ist das nicht der Fall, ha­ben Nacht­ar­bei­ter nach ei­ner Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ei­nen An­spruch auf ei­nen Zu­schlag zum Brut­to­stun­den­lohn von min­des­tens 25 Pro­zent. Bei be­son­de­rer Be­las­tung durch Dau­er­nacht­ar­beit wer­de ein Zu­schlag von 30 Pro­zent fäl­lig (10 AZR 423/14).

Ge­sund­heit

Nacht­ar­bei­ter ha­ben An­spruch auf ei­ne re­gel­mä­ßi­ge me­di­zi­ni­sche Un­ter­su­chung. „Gibt es kei­nen Be­triebs­arzt, kön­nen Nacht­ar­bei­ter sich die Kos­ten für ei­nen Ar­beits­me­di­zi­ner er­stat­ten las­sen“, er­klärt Sei­de­mann. Bis zum 50. Le­bens­jahr sieht das Ge­setz al­le drei Jah­re ei­ne Un­ter­su­chung vor, da­nach je­des Jahr.

Aus­nah­men

Wer­den­de oder stil­len­de Müt­ter und Ju­gend­li­che sind von Nacht­ar­beit grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen.

UN­TER BE­SON­DE­REN BE­DIN­GUN­GEN üben Nacht­ar­bei­ter ih­ren Be­ruf aus. Des­halb gel­ten für sie auch be­son­de­re Re­ge­lun­gen. Foto: Oli­ver Berg

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