Hil­fe­stel­lung bei der Pro­blem­lö­sung

An­ge­li­que Obe­nau­er ar­bei­tet seit Ok­to­ber als Schul­so­zi­al­ar­bei­te­rin in Neu­en­bürg

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Chris­tia­ne Vieh­weg

Neu­en­bürg. Was macht so ei­ne Schul­so­zi­al­ar­bei­te­rin ei­gent­lich? An­ge­li­que Obe­nau­er ar­bei­tet seit Ok­to­ber als sol­che drei Ta­ge lang an der Schloss­berg­schu­le (Grund- und Haupt­schu­le) und zwei Ta­ge am Gym­na­si­um. Im Ge­spräch mit dem „Pforz­hei­mer Ku­ri­er“gab sie Ein­bli­cke in ih­re Tä­tig­keit. Zu­stän­dig ist sie für „Kon­flikt­fäl­le al­ler Art“. Dro­gen, Schwie­rig­kei­ten in der Klas­se, im El­tern­haus, im Um­gang mit Er­wach­se­nen, Spiel­ka­me­ra­den oder auch mit der Ver­gan­gen­heit. Im Au­gen­blick, sagt sie, sei sie noch in der Pha­se, aus­zu­lo­ten, „wer braucht was?“

Zu­nächst mal ist sie vor al­len Din­gen „da“. Steht mor­gens ab 7.30 Uhr im Schul­hof, geht mit auf Klas­sen­aus­flü­ge. Die Schü­ler ken­nen sie al­so; sie ist kei­ne Frem­de, die ei­nem Kind oder Ju­gend­li­chen bei Pro­ble­men vor­ge­setzt wird. Ge­ra­de äl­te­re Schü­ler kom­men in Pau­sen oder nach­mit­tags mal kurz vor­bei. „Ein biss­chen schwät­zen.“Fin­det Obe­nau­er schön.

Und was tut sie sonst noch? Tipps, dass ein Schü­ler Pro­ble­me hat, be­kommt sie meist von den Leh­rern, manch­mal auch von El­tern, wenn Schü­ler et­was zu hau­se er­zäh­len. Aber wie kommt sie an Kin­der oder Ju­gend­li­che her­an, die ver­letzt, ver­un­si­chert sind, sich in der Klas­sen­ge­mein­schaft un­wohl füh­len? „Vor al­len Din­gen muss ich sie stär­ken“, sagt die So­zi­al­ar­bei­te­rin. „Es ist ja schon pri­ma, dass sie zu mir ge­kom­men sind.“Sie lo­tet al­so Res­sour­cen aus; wel­che Stär­ken hat das Kind, was kann sie oder er gut?

Das ei­gent­li­che Pro­blem aber, das soll­te die Schü­le­rin, der Schü­ler selbst lö­sen. Obe­nau­er selbst gibt nur Hil­fe­stel­lung da­zu. „Wie kann ich dir hel­fen, da­mit du dir selbst hel­fen kannst?“ist ihr Ziel. Ei­ni­ge Tipps und Knif­fe gibt es al­ler­dings durch­aus, ein Kind aus der Iso­la­ti­on zu lö­sen, Ab­leh­nung in Zu­wen­dung zu ver­wan­deln. Aber die gibt Obe­nau­er na­tür­lich nicht preis. „Sonst wirkt es ja nicht mehr“, meint sie la­chend. Wie mit Wut um­ge­gan­gen wer­den kann, ist eben­falls ein wich­ti­ges The­ma. Schla­gen, be­lei­di­gen sind na­tür­lich Ven­ti­le, aber sie sind nicht die rich­ti­gen, kei­nes­falls die er­wünsch­ten.

Was ist rich­tig? „Cool“blei­ben ist gut. Sa­gen, was man in­nen drin fühlt. „Das muss man aber auch ler­nen“, sagt An­ge­li­que Obe­nau­er.

Man­che Schü­ler brau­chen mehr Hil­fe, als die 25-Jäh­ri­ge leis­ten kann. Die wer­den wei­ter ge­lei­tet, Ter­mi­ne mit zu­stän­di­gen Be­ra­tungs­stel­len ver­ein­bart. „Auf je­den Fall wer­den die Schü­ler in ih­rer Not nicht al­lein ge­las­sen.“Da ist man­ches zu tun. Vor al­lem wohl in Klas­sen, in de­nen von 22 Schü­lern 18 aus­län­di­sche Wur­zeln ha­ben, elf da­von mit Fluch­ter­fah­run­gen be­las­tet sind.

Auch die Schul­so­zi­al­ar­bei­te­rin selbst wird nicht al­lein ge­las­sen mit Sor­gen und Nö­ten. Je­den Mo­nat gibt es ei­ne Sit­zung mit Kol­le­gen aus der Um­ge­bung. „Wir sind ein gu­tes Team“, sagt sie. „Wir kön­nen uns aus­tau­schen und man­chen wert­vol­len Tipp mit­neh­men.“

Es ist ih­re ers­te Ar­beits­stel­le nach dem Stu­di­um. „Je­der Tag ist ein Lern­pro­zess“, stellt sie fest. „Das Wich­tigs­te“, hat sie er­kannt, „sind aber Sen­si­bi­li­tät, In­tui­ti­on und Hin­schau­en auf das Kind.“

Ziel ist Hil­fe zur Selbst­hil­fe

FÜR KON­FLIKT­FÄL­LE ist Schul­so­zi­al­ar­bei­te­rin An­ge­li­que Obe­nau­er an zwei Neu­en­bür­ger Schu­len zu­stän­dig, am Gym­na­si­um und an der Schloss­berg­schu­le. Foto: Vieh­weg

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