Lei­den­schaft­lich ges­wingt

Gis­mo Graf Trio spielt in Ell­men­din­gen hand­ge­mach­te Mu­sik

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS / WETTER -

Auf har­te Gi­tar­ren­riffs und wum­mern­de Bäs­se kann man bei Gis­mo Graf und sei­nen Mit­spie­lern lan­ge war­ten. Statt­des­sen kre­den­zen sie am Sams­tag­abend bei ih­rem Auf­tritt in der Al­ten Ell­men­din­ger Kel­ter ei­ne ent­spann­te, un­auf­ge­reg­te Mu­sik, die so­fort ins Ohr geht.

Was könn­te es in ei­ner lau­en Som­mer­nacht Bes­se­res ge­ben? Zu­sam­men mit sei­nem Va­ter Jo­schi und Bas­sist Jo­el Lo­cher sitzt der 24-jäh­ri­ge Gis­mo Graf in der Al­ten Kel­ter auf ei­ner klei­nen Büh­ne vor al­ten Wein­fäs­sern und gro­ßen Bot­ti­chen. Auf sei­ner Akus­ti­kgi­tar­re spielt er mo­der­nen Gyp­sy Swing, ei­ne be­son­ders lei­den­schaft­li­che Form des Swing, die sich nicht wirk­lich um Kon­ven­tio­nen schert. Gis­mo Graf tut es auch nicht. Flink be­wegt er die Fin­ger über die Sai­ten sei­ner Gi­tar­re, wäh­rend sein Va­ter Jo­schi an der stramm ge­spiel­ten Rhyth­mus­gi­tar­re den Takt vor­gibt und Jo­el Lo­cher den Kon­tra­bass läs­sig zupft. Es ist hand­ge­mach­te Mu­sik oh­ne tech­ni­sche Hilfs­mit­tel, die auch ge­nau­so klingt: ar­cha­isch und herr­lich un­per­fekt. Vie­le der Ti­tel stam­men von Djan­go Rein­hardt, um den be­kann­ter­ma­ßen kaum ein Gyp­sy-Swing-Kon­zert her­um­kommt. Aber die Stü­cke des gro­ßen Meis­ters ein­fach nur nach­zu­spie­len, scheint den Drei­en dann doch zu we­nig zu sein. Zu­min­dest drängt sich ei­nem die­ser Ein­druck auf, wenn man hört, wie „Dream Of You“in ei­nem völ­lig neu­en rhyth­mi­schen Ge­wand er­scheint.

Auch ei­ge­ne Ti­tel gibt es in Ell­men­din­gen zu hö­ren. Ein flot­tes Stück mit ei­nem in wech­seln­den Va­ria­tio­nen im­mer wie­der auf­tau­chen­den Mot­to hat Gis­mo für sei­ne Liebs­te ge­schrie­ben. Ei­nem gu­ten Freund ist hin­ge­gen „Ma­de for Ralf“ge­wid­met. So be­weist Gis­mo, dass er nicht nur das Gi­tar­ren­spiel her­vor­ra­gend be­herrscht, son­dern auch kom­po­nie­ren kann. Über­haupt steckt die­ser Abend vol­ler Über­ra­schun­gen. Et­wa, als sich auf ein­mal ei­ne jun­ge Frau in ei­nem ele­gan­ten blau­en Kleid zu den drei Män­nern auf die Büh­ne ge­sellt. Es ist Gis­mos Schwes­ter Che­yenne, die sich so­fort ein Mi­kro­fon schnappt und das Pu­bli­kum mit ih­rer dunk­len Stim­me in ih­ren Bann zieht.

Et­was er­staunt schaut das Pu­bli­kum auch, als Jo­schi Graf und Jo­el Lo­cher auf ein­mal ih­re In­stru­men­te aus der Hand le­gen, auf­ste­hen und Gis­mo al­lein auf der Büh­ne sit­zen las­sen. Ihm scheint das nichts aus­zu­ma­chen. Je­den­falls spielt er ein­fach wei­ter, als ob nichts ge­we­sen wä­re und be­ackert sei­ne Gi­tar­re noch in­ten­si­ver als vor­her. Aber kei­ne Angst: Nach­dem Gis­mo sich ein paar Mi­nu­ten al­lein aus­ge­tobt hat, keh­ren Va­ter und Bas­sist zu­rück, nur um we­nig spä­ter Jo­el Lo­cher al­lein auf der Büh­ne zu­rück­zu­las­sen.

Das Pu­bli­kum er­lebt an die­sem Abend drei gut ge­laun­te und spiel­freu­di­ge Mu­si­ker. Im­mer wie­der gibt es to­sen­den Ap­plaus. Da wird nach gut zwei St­un­den die Zu­ga­be zur rei­nen Form­sa­che.

Ni­co Rol­ler

BRACH­TEN GYP­SY SWING in die Ell­men­din­ger Kel­ter: Jo­schi Graf, Che­yenne Graf, Jo­el Lo­cher und Gis­mo Graf (von links). Foto: Rol­ler

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