Old­ti­mer las­sen Zu­schau­er strah­len

Rund 20 000 Be­su­cher bei „Tri­but an Carl Benz“/ Kor­so durch die Ci­ty

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ti­na Kampf

Da ist die­ses Strah­len. Und das Glän­zen in den Au­gen. „Wie schön“, seufzt ei­ne jun­ge Frau, die an die­sem Sonn­tag vor dem Schloss gar nicht auf­hö­ren kann zu fo­to­gra­fie­ren. Mehr als 400 Fahr­zeu­ge sind zur Old­ti­mer­show „Tri­but an Carl Benz“ge­kom­men. Da­mit fällt die Auf­la­ge zu den Hei­mat­ta­gen Ba­den-Würt­tem­berg so­gar noch et­was grö­ßer aus als die 2015 zum 300. Stadt­ge­burts­tag. Ent­lang den Na­ja­den­wäld­chen, an den Sei­ten Rich­tung Re­gie­rungs­prä­si­di­um und bis zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt: Über­all ste­hen sie, die al­ten, kost­ba­ren Re­lik­te der Au­to­mo­bil­ge­schich­te.

Jahr­gang 1897 ist ein Ma­li­cet et Blin. „Ei­ne ab­so­lu­te Ra­ri­tät“, wie Chef­or­ga­ni­sa­tor Arnt Bo­ke­mül­ler schwärmt. Und da ist die­ser Benz-Lkw, Bau­jahr 1916, an­ge­reist aus dem Unimog-Mu­se­um Gag­ge­nau. „Wir ha­ben auch ei­nen Kai­ser Dar­rin hier, mit ver­senk­ba­ren Tü­ren“, er­gänzt Bo­ke­mül­ler. Im­mer wie­der kli­cken Ka­me­ras. „Die Viel­falt der Wa­gen ist wirk­lich ein­drucks­voll. Es ist ei­ne wun­der­schö­ne Ver­an­stal­tung“, sagt Ali Ke­pe­nek. Rund 30 Old­ti­mer ste­hen in sei­ner Werk­statt in Ba­den-Ba­den. In Karls­ru­he ist er an die­sem Tag Zu­schau­er. Er bum­melt um­her und ge­nießt.

„Auch wir lau­fen durch und stau­nen“, sagt Mar­kus Wiersch von der Event Gm­bH, die erst­mals zu­sam­men mit dem Team des Ver­eins „Tri­but an Carl Benz“das Tref­fen or­ga­ni­sier­te. An- und Ab­fahrt, Auf­stel­lung zum Kor­so, aber auch In­fra­struk­tur wie Gas­tro­no­mie galt es zu or­ga­ni­sie­ren. „Die Zu­sam­men­ar­beit ist sehr gut“, so Wiersch: „Und es ist ei­ne enor­me Freu­de, dass trotz des war­men Wet­ters so vie­le Men­schen da sind.“Rund 20 000 Be­su­cher zieht es ans Schloss, dar­un­ter die Uren­ke­lin von Carl Benz, Jut­ta Benz. Tau­sen­de ver­fol­gen spä­ter die Pa­ra­de durch die In­nen­stadt, ei­ni­ge ha­ben Stüh­le und Son­nen­schir­me mit­ge­bracht. Die Men­schen klat­schen, wenn die Schmuck­stü­cke vor­bei­rol­len. Sie win­ken. Und klar: Sie fil­men. Wa­gen um Wa­gen macht sich auf den Weg. Nicht nur al­te Pkw sind un­ter­wegs. Es gibt eben­so his­to­ri­sche Mo­tor­rä­der, al­te Las­ter – und Feu­er­wehr­fahr­zeu­ge aus den 1940er Jah­ren. Die Feu­er­wehr Achern ist mit ei­nem da, das 1941 ge­baut wur­de. „Bis 1989 war es im Di­enst“, ver­rät Ralph Vogt von der Ab­tei­lung. Der Krafts­pritz­wa­gen der Gag­ge­nau­er Wehr wur­de be­reits 1938 ge­baut. Von 1996 bis 1998 wur­de er in Schuss ge­bracht – in 1 650 Ar­beits­stun­den. 2 156 in­ves­tier­ten die Bret­tener in ih­ren Mann­schafts- und Ge­rä­te­wa­gen. Er ist Jahr­gang 1934.

„Ei­ne Ba­de­wan­ne“, ruft ein Mann la­chend und läuft auf ei­nen Ford Tau­nus zu, der die­sen Spitz­na­men trägt. „Ich fin­de es schön, dass wir auch Wirt­schafts­wun­der-Au­tos hier ha­ben, die frü­her ei­gent­lich kei­nen Klas­si­ker­sta­tus hat­ten und trotz­dem mit viel Lie­be er­hal­ten wur­den“, er­klärt Chef­or­ga­ni­sa­tor Bo­ke­mül­ler.

Pink­far­be­ner Ca­dil­lac oder knall­ro­ter Fi­at 500: Im­mer neue Fahr­zeu­ge gibt es zu ent­de­cken. Da sind Mi­li­tär­fahr­zeu­ge. Und ed­le Schlit­ten. Nie­mand spricht ger­ne über Prei­se. Den­noch: So man­ches Stück hat ei­nen Wert im obe­ren sechs­stel­li­gen Be­reich.

Geld, ach was: Es sind die Ge­schich­ten, die in­ter­es­sie­ren und die Mo­de­ra­tor Jo­han­nes Hüb­ner im­mer wie­der er­zäh­len lässt. Auch di­rekt am Au­to ge­ben die Be­sit­zer ger­ne Aus­kunft. Da ist zum Bei­spiel der Mes­ser­sch­mitt Ka­bi­nen­rol­ler, 1956 in Re­gens­burg ge­baut. Per Schiff kam er nach Uru­gu­ay, zum Ein­satz auf ei­ner Farm – wo er je­doch bald nur noch im Schup­pen stand. 2002 wur­de er dort von Samm­lern ent­deckt und zu­rück nach Deutsch­land ge­bracht – mit ge­ra­de mal 203 Ki­lo­me­tern auf dem Bu­ckel.

Auf an­de­re Grö­ßen­ord­nun­gen kommt da der Wa­gen von Alex­an­der Bau­meis­ter aus Mar­burg: Es ist ein Ford Bau­jahr 1998, mit dem die US-Po­li­zei einst über den High­way bret­ter­te. Ge­nau die­se Fahr­zeu­ge sind Teil der Son­der­schau „US-Po­li­ce-Car“, bei der im­mer wie­der die Si­re­nen heu­len.

„Wenn ich auf der Stra­ße fah­re, muss ich die Si­re­ne ab­mon­tie­ren“, ver­rät der Be­sit­zer, der den Wa­gen 2015 kauf­te. Schon ei­ni­ge Jah­re zu­vor wur­de er von der US-Po­li­zei aus­ge­mus­tert – und dann ge­nutzt von ei­ner St­unt­fir­ma in Hol­ly­wood.

SCHMUCK­STÜCK AN SCHMUCK­STÜCK: Mehr als 400 Old­ti­mer ver­sam­mel­ten sich am gest­ri­gen Sonn­tag bei „Tri­but an Carl Benz“. Die Ver­an­stal­tung fin­det al­le zwei Jah­re statt und ist in die­sem Som­mer Teil der Hei­mat­ta­ge Ba­den-Würt­tem­berg. Man­cher Be­su­cher konn­te gar nicht auf­hö­ren zu fo­to­gra­fie­ren. Fo­tos: Sand­bil­ler

DIE DE­TAILS GANZ GE­NAU IM BLICK ha­ben die­se Be­su­cher des Old­ti­mer-Tref­fens „Tri­but an Carl Benz“.

AUCH US-POLIZEIWAGEN fah­ren im Kor­so durch die In­nen­stadt. Die­sen Fahr­zeu­gen wid­me­te das Tref­fen ei­ne Son­der­schau.

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