Ein Hand­werk für „sicht­ba­re Zau­be­rei“

Theo­dor Wen­de ar­bei­te­te auch für Kron­prin­zen

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

Ge­schich­te hat vie­le grund­le­gen­de Fak­to­ren, aber sie wird im­mer auch von Men­schen ge­macht. Der Pforz­hei­mer Ku­ri­er stellt im Ju­bi­lä­ums­jahr 2017 Per­sön­lich­kei­ten vor, die We­sent­li­ches da­zu bei­ge­tra­gen ha­ben oder es auch im­mer noch tun, dass jetzt 250 Jah­re Gold­stadt ge­fei­ert wer­den kann.

„Es ist schon ein herr­li­ches Hand­werk, un­se­re Gold­schmie­de­rei. Nur in ihr kann man noch Mär­chen er­le­ben, der Wirk­lich­keit sicht­ba­re Zau­be­rei“, schrieb Theo­dor Wen­de, der als „Gold­schmied zwi­schen den Zei­ten“be­kannt wur­de, weil sein Wir­ken von zeit­lo­ser Äs­t­he­tik war. Ab den 1920er Jah­ren ge­hör­te er zu den füh­ren­den deut­schen Gold­schmie­den. Sei­ne letz­ten na­he­zu fünf Le­bens­jahr­zehn­te leb­te und ar­bei­te­te Wen­de in Pforz­heim.

Theo­dor Wen­de wur­de 1883 in Berlin ge­bo­ren. Von 1905 bis 1908 ab­sol­vier­te er ei­ne Leh­re als Gold- und Sil­ber­schmied in sei­ner Hei­mat­stadt. Da­nach war er zu­nächst in Dres­den tä­tig, wo ihn die Ka­bi­nett­stü­cke des Hof­ju­we­liers Jo­hann Mel­chi­or Ding­lin­ger im Grü­nen Ge­wöl­be nach­hal­tig präg­ten. Er stu­dier­te au­ßer­dem an der Zei­chen­aka­de­mie in Ha­nau und bei Bru­no Paul an der Kunst­ge­wer­be­schu­le in Berlin. Die­ser ver­mit­tel­te ihm als noch jun­gem Gold­schmied ei­nen ge­ra­de­zu spek­ta­ku­lä­ren Auf­trag: Die preu­ßi­schen Städ­te lie­ßen als Hoch­zeits­ge­schenk für den deut­schen Kron­prin­zen ei­ne um­fang­rei­che Ta­fel­aus­stat­tung in Sil­ber fer­ti­gen. Es war Wen­de, der sämt­li­che Ta­fel­be­ste­cke so­wie Ge­würz- und Öl­ge­fä­ße ent­warf.

Weil er die­se Auf­ga­be bra­vou­rös meis­ter­te, be­rief ihn 1913 der hes­si­sche Groß­her­zog in die Darm­städ­ter Künst­ler­ko­lo­nie. Von 1916 bis 1918 war Wen­de als Sol­dat in Frank­reich ein­ge­setzt. Nach dem Krieg er­hielt er 1921 – mit 38 Jah­ren – den Ruf an die Pforz­hei­mer Kunst­ge­wer­be­schu­le, wo er bis zu sei­ner Pen­sio­nie­rung 1951 als Pro­fes­sor tä­tig war. In Pforz­heim muss­te Wen­de sich zu­nächst an neue Ge­ge­ben­hei­ten an­pas­sen.

In Darm­stadt hat­te er ein Ge­fühl von gro­ßer künst­le­ri­scher Frei­heit er­lebt. Da­ge­gen be­stimm­ten in Pforz­heim die Schmuck­fa­bri­kan­ten Stil und Aus­druck von Kunst ganz ent­schei­dend mit.

1926 wur­de Wen­de künst­le­ri­scher Lei­ter der Zunft Jung­kunst – und blieb es bis zu sei­nem Tod, zu­letzt als Eh­ren­ober­meis­ter. Ei­ne gro­ße Auszeichnung er­hielt der Gold- und Sil­ber­schmied 1946 mit dem Eh­ren­ring der Deut­schen Gold­schmie­de­ge­sell­schaft.

Theo­dor Wen­de starb 1968 in Pforz­heim. Noch 14 Ta­ge vor sei­nem Tod ar­bei­te­te er an ei­ner gro­ßen Scha­le, de­ren Ein­zel­ele­men­te er fer­tig­stell­te. Da er für sei­ne Ar­bei­ten kei­ne Ent­wür­fe mach­te und so nie­mand weiß, wie die Tei­le zu­sam­men­zu­fü­gen sind, wird die­se letz­te Ar­beit un­voll­endet blei­ben. Ana Kug­li

THEO­DOR WEN­DE schuf in Pforz­heim zeit­lo­se Wer­ke. Foto: Eri­ca Loos StA 1-29

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