Rück­fall in al­te Zei­ten

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - RU­DOLF GRU­BER

Die Neu­wah­len im Ko­so­vo brach­ten nicht die er­hoff­ten kla­ren Ver­hält­nis­se. Doch der Sieg der „Kriegs­par­tei­en“und die Schwä­chung der pro-eu­ro­päi­schen Kräf­te ist für die Bal­kan­po­li­ti­ker im Wes­ten ein De­sas­ter mit noch un­ge­wis­sem Aus­gang. Die neue Re­gie­rung ist wahr­lich kein Zei­chen für ei­nen Auf­bruch in die Zu­kunft, son­dern sie wirft das Land zu­rück in die Ver­gan­gen­heit der Kri­sen und Kon­flik­te. Denn die neu­en Macht­ha­ber im Ko­so­vo sind al­le­samt ehe­ma­li­ge An­füh­rer der Re­bel­len­be­we­gung UCK, ih­nen droht ei­ne An­kla­ge des in­ter­na­tio­na­len Son­der­tri­bu­nals, das ab Herbst die Kriegs­ver­bre­chen der UCK au­f­ar­bei­ten soll. Es geht um Mord und Fol­ter an Ge­fan­ge­nen, Dro­gen- und Organ­han­del so­wie an­de­res mehr.

An der Spit­ze ei­ner mög­li­chen An­kla­ge­lis­te steht Prä­si­dent Ha­shim Tha­ci, ehe­mals UCK-An­füh­rer, lang­jäh­ri­ger

Chef der De­mo­kra­ti­schen Par­tei Ko­so­vos (PDK) und prä­gen­de Fi­gur seit dem Un­ab­hän­gig­keits­krieg von Ser­bi­en 1998/99. Die Aus­sicht, von der Kriegs­ver­gan­gen­heit ein­ge­holt zu wer­den, ließ eins­ti­ge Kriegs­geg­ner eng zu­sam­men­rü­cken.

Der so­ge­nann­te Frie­dens­block (LDK) blieb mit 26 Pro­zent der Stim­men deut­lich un­ter den Er­war­tun­gen. Da­bei hat­te die LDK ex­tra statt des glück­lo­sen Pre­miers Isa Musta­fa den jun­gen Hoff­nungs­trä­ger Av­dul­lah Ho­ti, ein im Wes­ten ge­bil­de­ter Öko­nom, ins Ren­nen ge­schickt. Der LDK-Block wur­de so­gar knapp von den Ul­tra­na­tio­na­lis­ten über­holt. Den Über­ra­schungs­er­folg ver­dan­ken die Na­tio­na­lis­ten ih­rem Grün­der und Spit­zen­kan­di­da­ten Al­bin Kur­ti. Der ehe­ma­li­ge Stu­den­ten­füh­rer plä­diert für ei­nen Ab­bruch des Dia­logs mit Ser­bi­en und schwärmt für ein Groß­al­ba­ni­en.

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