Kehrt­wen­de im El­sass

Ma­cron-Kan­di­da­ten do­mi­nie­ren auch hier

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Bär­bel Nück­les

Straß­burg. Em­ma­nu­el Ma­crons „Mar­schie­rer“ha­ben die bis­he­ri­ge Haus­macht der Kon­ser­va­ti­ven in ih­re Schran­ken ver­wie­sen. Die Bür­ger­li­chen gin­gen mit 13 von 15 Par­la­ments­sit­zen in die­se Wahl. Nun er­rei­chen die Kan­di­da­ten der La Ré­pu­bli­que en Mar­che (LREM) mit 30,91 Pro­zent fast das Ni­veau des na­tio­na­len Er­geb­nis­ses von 32,05 Pro­zent. In elf von 15 Wahl­krei­sen lie­gen die LREM-Ver­tre­ter vor­ne, oft mit deut­li­chem Vor­sprung.

Das Er­geb­nis des ers­ten Wahl­gangs der Par­la­ments­wahl stellt zu­dem et­li­che Gr­und­fes­ten des el­säs­si­schen Wäh­ler­ver­hal­tens in Fra­ge. Be­trach­tet man den Wahl­kreis 4 im Straß­bur­ger Um­land, so hat dort Mar­ti­ne Won­ner (LREM) die bis­he­ri­ge Ab­ge­ord­ne­te der Re­pu­bli­ka­ner So­phie Roh­fritsch um Län­gen über­run­det. Trotz der auch im El­sass ge­rin­gen Wahl­be­tei­li­gung (49,41 Pro­zent) ein er­staun­li­ches Er­geb­nis. Die Kon­ser­va­ti­ve ver­liert im Ver­gleich zur Wahl 2012 mehr als 11 000 Stim­men. „Wo­mög­lich se­hen die El­säs­ser in der neu­en Par­tei des Staats­prä­si­den­ten ei­ne Art Re­inkar­na­ti­on der Rech­ten“, in­ter­pre­tiert der Straß­bur­ger Wahl­for­scher Phil­ip­pe Bre­ton den Aus­gang der ers­ten Wahl­run­de. Für Bre­ton hat LREM ei­nen Teil der rech­ten Stim­men ab­ge­schöpft. Schließ­lich ste­he Ma­cron für Wer­te und po­li­ti­sche Zie­le, die im El­sass Un­ter­stüt­zung fin­den: Er macht sich für Eu­ro­pa stark und will den Arbeitsmarkt wirt­schafts­freund­li­cher um­ge­stal­ten.

Vor­bei sind auch die Zei­ten der schnel­len, kla­ren Ent­schei­dun­gen in den Wahl­krei­sen. 2012 hat­ten drei Kon­ser­va­ti­ve auf An­hieb ihr Man­dat si­cher, bei der Wahl 2007 lag ih­re Zahl weit­aus hö­her. Dies­mal muss in je­dem der 15 Wahl­krei­se der Sie­ger in der Stich­wahl er­mit­telt wer­den.

Al­lein im Be­zirk 6 (Mul­hou­se/Ill­z­ac) im Obe­rel­sass zieht ein Kan­di­dat des Front Na­tio­nal (FN) in die zwei­te Run­de ein. Die Do­mi­nanz der Ma­cronKan­di­da­ten hat die Stim­men für den FN auf 13 Pro­zent ein­bre­chen las­sen. Im ers­ten Durch­gang der Prä­si­dent­schafts­wahl stand Ma­ri­ne Le Pens Par­tei in neun von 15 Wahl­krei­sen noch an ers­ter Stel­le. Erst­mals steht auch ein Ver­tre­ter der Re­gio­na­lis­ten von „Un­ser Land“in der Stich­wahl. Vor ihm liegt der bür­ger­li­che An­toi­ne Herth (LR); ihm dürf­te ei­ne Wie­der­wahl ge­lin­gen. Herths Wahl­kreis war der ein­zi­ge im El­sass oh­ne Ma­cron-Kan­di­dat. Der Kon­ser­va­ti­ve steht zu­dem dem neu­en Wirt­schafts­mi­nis­ter Bru­no Le Mai­re na­he und galt im Vor­feld als „Ma­cron-kom­pa­ti­bel“. Un­ter den bür­ger­li­chen Man­dats­ver­tei­di­gern rü­cken im Nor­del­sass Lau­rent Furst in Mols­heim und Patrick Het­zel in Sa­ver­ne mit gu­ten Chan­cen auf ein neu­es Man­dat vor den LREM-Kan­di­da­ten in die zwei­te Run­de. So­wohl in Wis­sem­bourg wie Ha­guenau liegt LREM vor­ne. In Straß­burg dürf­ten die bei­den so­zia­lis­ti­schen Ab­ge­ord­ne­ten der al­ten Na­tio­nal­ver­samm­lung aus­schei­den. Im Sü­del­sass könn­te LREM meh­re­re Man­da­te ho­len: Ma­crons Kan­di­da­ten lie­gen in fünf von sechs Wahl­be­zir­ken vor­ne. Ein­zig Eric St­raumann (Les Ré­pu­bli­cains) setz­te sich in Col­mar deut­lich vor Ste­pha­nie Vil­le­min (LREM), dass er sei­nen Par­la­ments­sitz ver­tei­di­gen dürf­te.

Zei­ten der FN-Do­mi­nanz sind vor­bei

LEE­RE WAHLKABINEN: Vie­le Fran­zo­sen blie­ben zu Hau­se. Fo­to: dpa

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