Tri­umph oh­ne Be­geis­te­rung

Auf dem Prä­si­den­ten las­tet ein rie­si­ger Druck

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN - Von un­se­rer Kor­re­spon­den­tin Chris­ti­ne Lon­gin

Pa­ris. Dies­mal ließ sich Em­ma­nu­el Ma­cron nicht vor der Par­tei­zen­tra­le fei­ern. Kein Win­ken vom Au­to aus, kei­ne Sie­ges­fei­er im Bis­tro wie nach der ers­ten Run­de der Prä­si­dent­schafts­wah­len. Er­staun­lich zu­rück­hal­tend tra­ten die Ver­tre­ter sei­ner Par­tei La Ré­pu­bli­que en Mar­che (LREM) am Abend vor die Mi­kro­fo­ne, um den his­to­ri­schen Er­folg in der ers­ten Run­de der Par­la­ments­wah­len zu kom­men­tie­ren. „Das Er­geb­nis for­dert zu Be­schei­den­heit und Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein auf“, sag­te die Über­gangs­vor­sit­zen­de Ca­the­ri­ne Bar­ba­roux mit erns­ter Mie­ne. Sie ist sich der Last be­wusst ist, die mit dem erd­rutsch­ar­ti­gen Er­geb­nis ein­her­geht. Denn wenn Ma­cron tat­säch­lich am nächs­ten Sonn­tag ei­ne ab­so­lu­te Mehr­heit in der ers­ten Par­la­ments­kam­mer be­kommt, dann muss er auch lie­fern. Dann ste­hen al­le Am­peln auf Grün, da­mit der so­zi­al­li­be­ra­le Staats­chef mit sei­nem Re­form­pro­gramm durch­star­ten kann. Aus­re­den für ein Schei­tern gibt es nicht mehr.

An­ders als sei­nem Vor­gän­ger François Hol­lan­de wird Ma­cron kei­ne in­ner­par­tei­li­che Op­po­si­ti­on das Re­gie­ren schwer ma­chen. Die bun­te Trup­pe von LREM, die mehr als 400 der 577 Sit­ze er­obern dürf­te, ist ih­rem Grün­der treu er­ge­ben. „Die­se Ar­mee von po­li­ti­schen Neu­lin­gen schützt ge­gen Re­bel­li­on. Es wird Ama­teu­ris­mus und In­kom­pe­tenz ge­ben, aber we­ni­ger Par­tei­tak­tik“, kom­men­tier­te ein Ver­trau­ter des Prä­si­den­ten in der Zei­tung „Jour­nal du Di­man­che“. Auch vor der Op­po­si­ti­on braucht der Prä­si­dent sich nicht zu fürch­ten, denn ein ech­tes Ge­gen­ge­wicht zu sei­ner Par­tei hat die neue Na­tio­nal­ver­samm­lung nicht zu bie­ten.

Ma­cron hat so­wohl die Kon­ser­va­ti­ven als auch die So­zia­lis­ten zer­rie­ben. Bei den So­zia­lis­ten bleibt Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat Be­noît Ha­mon auf der Stre­cke und bei den Kon­ser­va­ti­ven muss die Nach­wuchs­hoff­nung Nat­ha­lie Ko­sci­us­ko-Mo­ri­zet um ih­ren Sitz ban­gen. Auch die laut­star­ken Zwi­schen­ru­fer vom rech­ten und lin­ken Rand iso­lier­te Ma­cron, Der Front Na­tio­nal? Dürf­te nicht über zwei Par­la­ments­sit­ze hin­aus­kom­men. Par­tei­che­fin Ma­ri­ne Le Pen, die den Ein­zug ins Pa­lais Bour­bon wohl schaf­fen wird, muss wie zu­vor schon ih­re Nich­te Ma­ri­on auf ei­ner hin­te­ren Bank Platz neh­men. Der lin­ke Volks­tri­bun Je­anLuc Mé­len­chon dürf­te mit ei­ner hand­voll Ge­folgs­leu­te in der Na­tio­nal­ver­samm­lung eben­falls nur ei­ne Ne­ben­rol­le spie­len. Doch Mé­len­chon gab be­reits den Ton für die nächs­ten Wo­chen vor: „Die rie­si­ge Wah­lent­hal­tung zeigt, dass es in die­sem Land kei­ne Mehr­heit gibt, um das Ar­beits­recht zu zer­stö­ren“, be­merk­te der Link­s­po­pu­list. Soll hei­ßen: Die Fran­zo­sen ha­ben dem Prä­si­den­ten kein Man­dat für sei­ne li­be­ra­le Re­form­po­li­tik ge­ge­ben. Ganz falsch liegt Mé­len­chon da­mit nicht, denn nur knapp die Hälf­te der Wahl­be­rech­tig­ten ging zu den Ur­nen. Und Ma­cron? Der be­gann di­rekt nach sei­ner Wahl mit Ge­sprä­chen mit den So­zi­al­part­nern. Un­ter de­nen sind auch sei­ne künf­ti­gen Geg­ner zu su­chen. Vor al­lem die kom­mu­nis­ti­sche Ge­werk­schaft CGT sperrt sich ge­gen die Plä­ne, Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen zu tref­fen und so die Syn­di­ka­te ein Stück weit zu ent­mach­ten.

Le Pen und Mé­len­chon sind iso­liert

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