Das voll kom­pos­tier­ba­re T-Shirt

Tex­til­händ­ler C&A setzt auf ein neu­es Kon­zept zum Um­welt­schutz

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Erich Rei­mann

Düs­sel­dorf. Das T-Shirt, das C&AEu­ro­pa-Vor­stand Do­nald Bren­nink­mei­jer in der Hand hält, wirkt auf den ers­ten Blick nicht son­der­lich be­mer­kens­wert. Es ist ro­sa­far­ben, der Schnitt we­nig spek­ta­ku­lär. Und auch der Preis ist mit sie­ben bis neun Eu­ro pro Stück für die Tex­til­han­dels­ket­te nicht au­ßer­ge­wöhn­lich. Und doch hat C&A vie­le Mo­na­te Ar­beit in das Pro­dukt ge­steckt. Es ist das ers­te voll kom­pos­tier­ba­re ÖkoT-Shirt im An­ge­bot des Tex­til­händ­lers. Rund 400 000 der Da­men-T-Shirts wer­den seit we­ni­gen Ta­gen in Eu­ro­pa ver­kauft. C&A will da­mit Bren­nink­mei­jer zu­fol­ge be­wei­sen, dass Nach­hal­tig­keit auch im Mas­sen­markt für Tex­ti­li­en mach­bar ist.

Ziel sei es, weg­zu­kom­men vom ge­gen­wär­ti­gen Weg­werf­mo­dell hin zu ei­nem Kreis­lauf­mo­dell und schon beim ent­wer­fen der Pro­duk­te an die Wie­der­ver­wer­tung zu den­ken, heißt es. Bei Um­welt­schüt­zern stößt das Pro­jekt durch­aus auf Sym­pa­thie, wenn auch nicht un­be­dingt auf über­schäu­men­de Be­geis­te­rung. C&A lässt die T-Shirts nach dem Crad­le-to-Crad­le-Gold­stan­dard zer­ti­fi­zie­ren, bei dem ei­ne voll­stän­di­ge Wie­der­ver­wend­bar­keit der Pro­duk­te an­ge­strebt wird. Sie be­ste­hen aus Bio-Baum­wol­le – und auch beim Pro­duk­ti­ons­pro­zess wur­de dar­auf ge­ach­tet, dass die Um­welt und die Ge­sund­heit der mit der Her­stel­lung Be­schäf­tig­ten ge­schützt wur­den – et­wa durch die Ver­wen­dung un­gif­ti­ger Far­ben. Auch der Ener­gie­ver­brauch und der Um­gang mit Was­ser wur­de im In­ter­es­se der Um­welt op­ti­miert.

Ei­ne Men­ge Fein­ar­beit sei bei den T-Shirts not­wen­dig ge­we­sen, er­zählt Do­nald Bren­nink­mei­jer. So sei das La­bel auf der T-Shirt-In­nen­sei­te nicht wie nor­ma­ler­wei­se üb­lich aus Po­ly­es­ter, son­dern aus Bio-Baum­wol­le. Und auch die Näh­te wur­den nicht mit Po­ly­es­ter­garn oder Ny­lon aus­ge­führt, son­dern mit ex­tra-star­ken Baum­woll­fä­den. Mit der Gold­zer­ti­fi­zie­rung für die T-Shirts sieht sich C&A als Vor­rei­ter in der Mo­de­in­dus­trie. Alex­an­dra Per­schau, Tex­ti­l­ex­per­tin bei der Um­welt­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on Gre­en­peace, hält den Ball lie­ber fla­cher. Sie be­zeich­net die In­itia­ti­ve C&A als Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Es sei gut, wenn beim Pro­dukt­de­sign von An­fang an die künf­ti­ge Wie­der­ver­wer­tung ge­dacht wer­de. Doch wirk­lich be­ein­druckt ist die Ex­per­tin nicht.

Un­ter Bran­chen­ken­nern gilt das Crad­le-to-Crad­le-Zer­ti­fi­kat als se­ri­ös. Von dem von der Bun­des­re­gie­rung ge­för­der­ten In­ter­net-Por­tal Sie­gel­klar­heit.de wird es als „gu­te Wahl“be­zeich­net. Die Best­no­te „sehr gu­te Wahl“ver­fehlt es trotz gu­ter No­ten bei Glaub­wür­dig­keit und Um­welt­freund­lich­keit al­ler­dings we­gen Schwä­chen im Be­reich So­zi­al­ver­träg­lich­keit. Vor al­lem ein Punkt aber dämpft die Be­geis­te­rung der Gre­en­peace-Ex­per­tin Per­schau. „Selbst wenn die Klei­dungs­stü­cke bio­lo­gisch ab­bau­bar sind, so­lan­ge wir da­von Un­men­gen kon­su­mie­ren, ist der Um­welt da­mit nicht sub­stan­zi­ell ge­hol­fen“, meint sie.

Ganz al­lein ist C&A mit sei­nem Crad­le-to-Crad­le-En­ga­ge­ment al­ler­dings nicht, so bie­tet et­wa auch der Be­klei­dungs­her­stel­ler Tri­ge­ma Pro­duk­te mit Crad­le-to-Crad­le-Zer­ti­fi­zie­rung an, al­ler­dings auf dem et­was nied­ri­ge­ren Sil­ber-Ni­veau.

Gre­en­peace: Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung

AB IN DIE BIO-TON­NE geht es künf­tig für ei­ni­ge T-Shirts. C&A ver­kauft seit ei­ni­gen Ta­gen kom­pos­tier­ba­re Öko-T-Shirts. Fo­to: dpa

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