„Är­ger ist ver­ständ­lich“

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Vier Fra­gen

Herr Fu­est, im gan­zen Land fu­sio­nie­ren we­gen der Nied­rig­zins­po­li­tik der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) be­reits Ge­nos­sen­schafts­ban­ken. Ist ei­gent­lich ir­gend­wann ein En­de der Nied­rig­zin­sen in Sicht?

Fu­est: Die EZB hat be­reits si­gna­li­siert, dass sie die Eu­ro-Zo­ne im Auf­schwung sieht. Des­halb ste­hen wir wohl am An­fang des En­des der Nied­rig­zins­pha­se. Als ers­ten Schritt wird die EZB des­we­gen im kom­men­den Jahr ver­mut­lich die An­lei­hen­käu­fe ein­stel­len. Bis die Zin­sen an­ge­ho­ben wer­den, wird aber noch et­was Zeit ver­ge­hen.

Deutsch­land hat die Finanzkrise ei­ni­ger­ma­ßen gut über­wun­den. Ist der Är­ger der Spa­rer we­gen der Nied­rig­zin­sen in so ei­ner Si­tua­ti­on über­haupt ge­recht­fer­tigt?

Fu­est: Der Är­ger der Spa­rer ist ver­ständ­lich, denn wir ha­ben im lau­fen- den Jahr bei ei­ner In­fla­ti­on von zwei Pro­zent im­mer noch Zin­sen von null Pro­zent. So nied­ri­ge Re­al­zin­sen gab es in Deutsch­land seit den 1970er Jah­ren nicht mehr. Die Nied­rig­zin­sen sind al­ler­dings kei­ne will­kür­li­che Ent­schei­dung der EZB, son­dern die Re­ak­ti­on auf die Kri­se. Al­ler­dings bin ich der Mei­nung, dass die EZB aus die­ser Nied­rig­zins­po­li­tik nun aus­stei­gen soll­te.

In Deutsch­land flo­riert die Wirt­schaft. Was könn­te die Bun­des­re­gie­rung tun, um die Bür­ger für die feh­len­den Zin­s­er­trä­ge zu ent­schä­di­gen?

Fu­est: Die Bun­des­re­gie­rung ist nicht für das Kom­pen­sie­ren von Nied­rig­zin­sen zu­stän­dig.. Mei­ner Mei­nung nach soll­te man in Zei­ten von stark stei­gen­den Steu­er­ein­nah­men al­ler­dings Ent­las­tun­gen bei der Ein­kom­mens­steu­er vor­neh­men. Die Ein­kom­mens­steu­er steigt durch die kal­te Pro­gres­si­on näm­lich be­son­ders schnell. Und wenn man da­ge­gen nichts un­ter­nimmt, stei­gen auch die Steu­er­quo­te und der An­teil an der ge­sam­ten Wirt­schafts­leis­tung, den der Staat be­an­sprucht. Ein rea­lis­ti­sches Ziel wä­re des­halb ei­ne kon­stan­te Steu­er­quo­te.

Sie ha­ben sich in der Ver­gan­gen­heit auch schon für ei­ne bes­se­re Bil­dungs­för­de­rung von so­zi­al schwä­che­ren Fa­mi­li­en stark ge­macht. Pas­siert in die­ser Rich­tung in Deutsch­land ei­gent­lich zu we­nig?

Fu­est: In Deutsch­land steht die Bil­dungs­po­li­tik auf dem Kopf, denn wir ste­cken sehr viel Geld in die Hoch­schul­aus­bil­dung. Da­bei könn­te man durch­aus ein­kom­mens­ab­hän­gi­ge Stu­di­en­ge­büh­ren er­he­ben und mehr Steu­er­gel­der in Vor­schu­len und Grund­schu­len ste­cken. eki/Fo­to: eki

Cle­mens Fu­est, Prä­si­dent des ifoIn­sti­tuts für Wirt­schafts­for­schung, sprach bei sei­nem Be­such in Karls­ru­he mit den BNN über die Nied­rig­zins­po­li­tik der EZB.

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